Der Imam predigt der Gemeinde Integration

+
Vertreter von Offenbacher Migrantenvereinen und Religionsgemeinschaften beteiligen sich rege am "Kompetenzteam Integration".

Offenbach - (mcr) Es gibt Broschüren zum Thema Arbeit und Arbeitslosigkeit in den einschlägigen Offenbacher Sprachen. Es gibt die Bildungslotsen und ihre Informationsveranstaltungen. Es gibt, noch jung, eine Arbeitsgruppe mit Frauen aus diversen Migrantenvereinen. Es gibt noch einiges mehr, was direkt oder indirekt im Ende 2007 gegründeten Offenbacher „Kompetenzteam Integration“ wurzelt.

Der Satz, der mehr als alle anderen von echten Einflusschancen der Gruppe auf ihre Zielklientel zeugt, steht allerdings erst weit hinten im langen Bericht über die Ergebnisse der jüngsten Sitzung: „Es ist sogar schon manches Arbeitsergebnis des Kompetenzteams in das Freitagsgebet des Imams eingeflossen.“

Das gesprochene Wort der von ihrem muslimischen Heimatland, zumeist der Türkei, in alle Welt gesandten Religionsbeauftragten hat Gewicht, stärkeres vielleicht als alle Druckerzeugnisse. Broschüren sind zwar gut, weil Broschüren wichtige Fakten vom Amtsdeutschen ins Deutsche übersetzen und vom Deutschen in die Muttersprachen der Migranten. Doch ein Iman, ein Vorbeter, hat den Vorteil des fast absoluten Zugangs zu seinen Glaubensbrüdern und -schwestern. Auch zu jenen, die von noch so ambitionierten Integrationsmodellen und Unterstützungsofferten bisher kaum erreichbar sind.

Das ist wichtig für das Kompetenzteam, in das Offenbachs Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Birgit Simon gemeinsam mit dem Ausländerbeiratsvorsitzenden Abdelkader Rafoud regelmäßig ruft. Denn alleine kann das Team zwar die Rahmenbedingungen für Integration verbessern, kann, wie Mitte dieser Woche, in der Diskussion mit dem Staatlichen Schulamtsleiter Peter Bieniussa die Chancen auf „Schulerfolge von Migrantenkindern“ ausloten und für einen weiteren multilingualen Ratgeber erfrischend praktisch formulieren, was Eltern, Schule, Stadt beitragen müssen.

Allein: Was zwecks „Verbesserungen in all jenen Fragen, die den Alltag in Deutschland betreffen“ auf den Weg gebracht wird, muss auch irgendwo ankommen. Für die praktische Umsetzung sollen die ins Kompetenzteam gerufenen Vorstandsmitglieder ausländischer Vereine in ihren eigenen Reihen sorgen. Simon nennt das „eine Art multikulturelle Offenbacher Führungskräfterunde, in der offen angesprochen werden kann, was bewegt“. Und einige konkrete Projekte wurden auch tatsächlich bereits angestoßen.

Beispielhaft: die „Bildungslotsen“, die unter Federführung des CGIL-Bildungswerk zu Informationsveranstaltungen einladen und dann den Weg zu einem Ausbildungsplatz erklären. Die Migrantinnen-Arbeitsgruppe wiederum will zusammen mit dem Offenbacher Gesundheitsamt auf die Etablierung von Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern hinarbeiten. Und in Kürze soll eine „Elterninformationen in Sachen Drogenprävention“ die „Kulturschranken zu den Migranten“ überwinden, an der die Suchtexperten der Arbeitsgruppe Wildhof beteiligt sind.

Die Bürgermeisterin ist davon angetan, „dass diese Form der Zusammenarbeit auf höchster Ebene von allen Seiten als gleichermaßen wichtig erachtet wird – und für die weitere Integrationsar-beit in unserer Stadt vielleicht sogar überfällig war“. Und selbstredend sei der Themenspeicher noch lange nicht erschöpft. Einige Themen, die sich das Team auf die Agenda geschrieben hat: Senioren, Energiesparen und Umweltschutzes, Existenzgründung, Weiterbildung und das Anti-Diskriminierungsgesetz.

Kommentare