Immer ehrlich mit der Situation umgehen

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Ein Lungenkrebs-Patient bei der Chemotherapie. Angst vor Nebenwirkungen plagt viele Betroffene.

Offenbach ‐ Zwei Stunden lang hatten zwei Fachleute des Klinikums Offenbach offene Ohren für unsere Leser. Von Veronika Szeherova

Dr. André Banat, Leiter des Ambulanten Onkologischen Zentrums, und Dr. Martin Römer, leitender Abteilungsarzt Pneumologie, standen bei einer Telefonaktion unserer Zeitung Rede und Antwort zum Thema Lungenkrebs. Nicht nur für die Patienten selbst, sondern insbesondere auch für ihre Angehörigen ist die Diagnose ein Schock. Wie man damit am besten umgehen kann, das fragten viele Anrufer. Die Experten raten in jedem Fall dazu, sich psychologisch oder psychoonkologisch betreuen zu lassen. „Es ist gar nicht so selten, dass die Beratung für die Angehörigen sogar wichtiger ist als für den Patienten selbst“, sagt Dr. Banat. Das Schlimmste, das beide Seiten tun könnten, sei die Verdrängung der Krankheit. „Gemeinsame Aufarbeitung ist immens wichtig“, so Banat. „Und eine gute Unterstützung bieten auch Selbsthilfegruppen.“

Das Rauchen, die Hauptursache für Lungenkrebs, war ein zentrales Thema der Telefonaktion. „Für die meisten Operationen ist es Voraussetzung, mit dem Rauchen aufzuhören“, mahnt Dr. Römer. Der Körper werde durch die Krankheit und die Therapie schon so stark belastet, dass die Mehrbelastung durch Zigarettenkonsum unbedingt zu vermeiden sei. „Mit dem Rauchen aufzuhören, lohnt sich natürlich immer“, betont Römer. Gespräche über Raucherentwöhnung sollte jeder Patient mit seinem behandelnden Arzt führen.

Warnsignale werden nicht ernst genommen

Ein weiteres Problem, das viele Anrufer beschäftigte, war die Früherkennung. „In der Tat erfolgen viele Diagnosen erst in einem fortgeschrittenem Stadium“, bestätigt Dr. Banat. Das liege daran, dass die Betroffenen die Warnsignale wie lang anhaltenden Husten oder Atemnot nicht ernst nehmen und erst spät einen Arzt aufsuchen.

Aber auch die Entwicklung von Früherkennungsprogrammen stecke noch in den Kinderschuhen. Bisherige Verfahren wie spezielle Röntgenuntersuchungen hätten nicht den gewünschten Erfolg gezeigt. „Bei Lungenkrebs gilt weiterhin: Prophylaxe vor Diagnose“, meint Dr. Banat.

Weniger Nebenwirkungen bei Chemotherapie

Weitere Informationen auf der Internetseiteder Aktion Rückenwind

Angst vor Nebenwirkungen während und nach der Therapie plagte mehrere Anrufer. Die Ärzte konnten teils Entwarnung geben: „Durch den medizinischen Fortschritt haben viele Nebenwirkungen bei Chemotherapien abgenommen. Es kommt nicht zwingend zu Haarausfall, und auch Übelkeit ist gut in den Griff zu kriegen.“ Generell sei eine solche Behandlung nach wie vor körperlich und seelisch anstrengend. Betroffene sollten immer auf gesunde Ernährung, viel Ruhe und Schlaf achten. „Die Therapien werden individuell auf jeden einzelnen Patienten zugeschnitten, im Laufe der Erkrankung stetig überdacht und entsprechend angepasst“, beruhigt Dr. Römer.

Ob man Kindern und Enkeln von der Erkrankung erzählen solle, war auch eine der Fragen. „Kinder sind sehr sensibel für Veränderungen und machen sich viele Gedanken“, so Banat. „Man sollte sie daher immer ehrlich über die Situation informieren.“

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