„Immer mehr integrieren“

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Paolo Manfredi ist einer der dienstältesten Pfarrer in Offenbach. Seit 26 Jahren lebt er am Main. Am Sonntag, 11. Juli, 17 Uhr, gibt es einen Dankgottesdienst anlässlich seiner Priesterweihe vor 40 Jahren.

Offenbach - Wenn Don Paolo Manfredi ins Erzählen kommt, ist er ganz Italiener: Das Gestikulieren gehört - ebenso wie das Goldkettchen - einfach dazu. Je mehr ihm das Thema am Herzen liegt, desto häufiger kommen die Hände ins Spiel. Von Simone Weil

Der 64-Jährige zählt zu den dienstältesten Pfarrern der Stadt, ist seit 26 Jahren in der italienischen katholischen Gemeinde aktiv. In diesem Jahr spielt eine weitere Zahl eine Rolle: Am 29. Juni jährte sich seine Priesterweihe zum 40. Mal. Dieses Jubiläum wird am Samstag, 11. Juli, 17 Uhr, in der Marienkirche mit einem Dankgottesdienst mit Weihbischof Dr. Werner Guballa und einem Empfang für geladene Gäste gefeiert.

Große Wertschätzung seiner Arbeit erfuhr Paolo Manfredi bereits durch Karl Kardinal Lehmann, der ihn mit dem Titel „Geistlicher Rat“ ehrte. Seit vergangenem Jahr ist der in der norditalienischen Bischofsstadt Mondoví nahe Turin aufgewachsene Pfarrer auch stellvertretender Offenbacher Dekan. „Der erste ausländischer Herkunft“, wie er sagt.

Begegnung und Völkerverständigung sind die Themen, die das Leben des Theologen entscheidend geprägt haben. Manfredi arbeitete als Kaplan und in einem Kinderheim der Diözese in Ligurien, wolle aber von der ersten Stunde an nach Deutschland, um sich um seine ausgewanderten Landsleuten kümmern zu können. Denn schon als junger Mann hatte er festgestellt, dass die Emigranten, die vom armen Süden der Arbeit wegen in den Norden zogen, selbst im eigenen Land immer Menschen zweiter Klasse blieben. Sie wurden argwöhnisch beäugt und gehörten einfach nicht dazu.

Doch es sollte neun Jahre dauern, bis der Pfarrer die Gastarbeiter in der Fremde betreuen durfte. Seine erste Station war Mainz, dann folgte Wolfsburg, das damals noch wegen der Nähe zur DDR-Grenze „das Ende der Welt“ war. In der nächsten Station Braunschweig fühlte sich der Pfarrer wegen der vielen Kontakte und der engagierten Gemeinde wohl.

Deswegen war er wenig begeistert, als er von Offenbach hörte: Dort war Don Pierre Paolo Petrini 1976 an der Luisenstraße erschossen worden, weil er hatte sich in einem Beziehungsstreit zwischen Täter und Opfer gestellt hatte. Petrini hatte 1967 den Vorläufer der Gemeinde als „Mission“ gegründet. Sein Tod wühlte die Italiener auf und die Nachwirkungen waren noch lange zu spüren.

Außer der religiösen Orientierung bietet die Communità Cattolica Italiana auch praktische Lebenshilfe - bis heute. So sind wegen Passverlängerungen und anderen bürokratischen Formalitäten regelmäßig Mitarbeiter des italienischen Konsulats an der Rathenaustraße zu Gast, um den Landsleuten lange Wege zu ersparen.

Das Einzugsgebiet umfasst drei Dekanate, Offenbach, Seligenstadt und Rodgau, etwa 9 000 Italiener, meist ganze Familien. In Offenbach sind es 5 000. Werktags wird der Gottesdienst zweisprachig in der kleinen Kapelle an der Rathenaustraße und in der Krypta der Marienkirche gefeiert, sonntags finden die Messen im Gotteshaus an der Bieberer Straße statt. Mit St. Marien kooperieren die Italiener schon lange - es gibt gemeinsame Veranstaltungen, Pilgerfahrten und gemeinsamen Unterricht für die Kinder, die zur  Erstkommunion gehen.

Außer kulturellen Beiträgen etwa des Kinderchors „Zecchino D'argento“ bringen sich die Italiener mit karitativem Engagement ein: So macht nicht nur die Aktion Essen und Wärme während der Wintermonate an der Rathenaustraße Station, es gibt dort dienstags und donnerstags auch das Martinsbrot, ein warmes Abendessen für bedürftige Menschen.

Interkulturelle Arbeit ist Paolo Manfredi wichtig. Nicht zuletzt deswegen öffnet er einer kleinen Gemeinde aus Ghana regelmäßig die Türen, damit die ihre Gottesdienste feiern kann. „Das sind sehr nette Leute mit vielen Kindern“, erzählt er.

Weil es nicht klar ist, ob nach ihm noch einmal ein Pfarrer aus Italien kommen wird, setzt sich Manfredi dafür ein, dass seine Schäfchen sich immer mehr integrieren und langfristig in anderen Gemeinden aufgehen: „Im Herzen können sie ja Italiener bleiben.“ Er selbst will auch als Pensionär in Offenbach leben, weil er sich in der Stadt am Main - nicht zuletzt wegen der verschiedene Kulturen - wohlfühlt: Amüsiert erzählt er von den älteren italienischer Männern, die regelmäßig in der Fußgängerzone an der Frankfurter anzutreffen sind und die aktuellen Ereignisse diskutieren. „Das ist die Offenbach-Post“, sag er.

Regelmäßige Besuche in Italien führen ihn zu seiner hochbetagten Mutter und zu seinen Geschwistern, doch der Lebensmittelpunkt liegt längst in Deutschland. Für die deutsche Küche allerdings kann sich der Geistliche nicht richtig erwärmen. Wenn er die Wahl hat, zieht er italienische Gerichte vor. Seine Lieblingsspeise Risotto schätzt er in allen Variationen.

Zu seinen Hobbys zählt der Pfarrer alte Kameras und eine Sammlung mit etwa 1000 Kugelschreibern, darunter auch einer mit Papst-Bildnis. Außerdem reist er gerne und organisiert selbst Reisen.

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