Immer mehr Kandidaten

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Vier haben sich schon entschieden, einer denkt noch darüber nach, die Linken wollen, haben aber noch keinen Kandidaten. Auf unserem Wahlzettel (oben): Bürgermeisterin Birgit Simon (Simon), Amtsinhaber Horst Schneider (SPD). Unten (von links): Peter Freier (CDU) und der unabhängige Uwe Kampmann. Links der noch unentschlossene Paul-Gerhard Weiß (FDP). 

Offenbach - Noch 51 Tage. Wer es bis dahin nicht geschafft hat, ist raus aus dem 2011er Rennen ums Amt des Offenbacher Oberbürgermeisters. Bis zum 30. Juni um 18 Uhr, sagt Beate Kolodziejski vom Wahlamt, müssen Bewerber ihre Unterlagen abgegeben haben. Von Matthias Dahmer

Bislang gibt es zumindest von den Polit-Profis nicht viel mehr als öffentlich formulierte Absichtserklärungen, die - davon ist auszugehen - noch in eine fristgerechte Abgabe der nötigen Formulare münden werden. Als erster hatte sich Peter Freier, Fraktionschef der CDU, als Kandidat für die Wahl am 4. September präsentiert. Ihm folgten Amtsinhaber Horst Schneider (SPD) und Bürgermeisterin Birgit Simon (Grüne). Begleitet waren ihre angekündigten Bewerbungen pflichtgemäß vom Echo ihrer jeweiligen Parteien.

SPD-Mann setzte sich jeweils beim ersten Wahlgang durch

In der Tradition der Direktwahlen von 1999 und 2005 wird es diesmal wohl nicht laufen. Sowohl 1999 - mit Gerhard Grandke (SPD), Günther Hammann (CDU) und Horst Heckwolf (NPD) - als auch 2005 - mit Horst Schneider (SPD), Alfred Kayser (CDU) und Raimund Bieker (PDS) - waren nur drei Kandidaten am Start, wobei sich jeweils der SPD-Mann beim ersten Wahlgang durchsetzte.

So viele Bewerber wie bei der ersten Direktwahl des Offenbacher Oberbürgermeisters im Jahre 1993 werden es diesmal vermutlich aber auch nicht werden. Damals traten neun Kandidaten gegeneinander an: Gerhard Grandke (SPD), Stefan Grüttner (CDU), Harald Kanthack (REP), Wilfried Jungbluth (Grüne), Ferdi Walther (FDP), Monika Knetsch (ADP), Leo König, Detlef Meier-Dern, Markus Tsompolis-Koll. In der Stichwahl setzte sich Grandke gegen Grüttner durch. Die beiden waren - analog zur derzeitigen Konstellation Horst Schneider/Birgit Simon - als amtierender Kämmerer beziehungsweise Sozialdezernent in einer großen Koalition ins Rennen gegangen.

Linke will eigenen Kandidaten aufstellen

Zur Wahl am 4. September 2011 wollen auf jeden Fall auch noch die Linken einen eigenen Kandidaten aufstellen. Auf einer Klausurtagung soll demnächst festgelegt werden, wer das sein wird.

Noch unentschlossen ist dagegen FDP-Stadtrat Paul Gerhard Weiß: Die Entscheidung über seine Kandidatur werde in den nächsten zwei Wochen fallen, sagte der Ordnungsdezernent gestern. Seine Partei sei dafür, und er werde von vielen ermuntert. Doch für einen „so kleinen Laden wie die FDP ist das auch ein beachtlicher Aufwand“. Außerdem gelte es, „meine kleine Familie zu berücksichtigen“, so der junge Vater Weiß.

Zu den möglicherweise fünf parteigebundenen Bewerbern gesellt sich nach derzeitigem Stand der Dinge mindestens ein unabhängiger OB-Kandidat. Die nötigen 142 Unterschriften von Unterstützern (entspricht der geforderten doppelten Anzahl der Sitze in der Stadtverordnetenversammlung) bekomme er locker zusammen, sagt der 61-jährige Galerist und Künstler Uwe Kampmann. Einen Teil der Unterschriften habe er schon im Wahlamt abgegeben, so der ehemalige Krankenpfleger. Er führt seinen Wahlkampf vor allem im Internet, wird bewusst auf die gängigen Werbeträger, wie Plakate mit seinem Konterfei verzichten.

„Individualität zur Entfaltung bringen“

„Respekt und harmonischer Vielklang von Toleranz, soll die unterschiedlichsten Kulturen der Stadt Offenbach zusammenführen“, heißt es auf seiner Wahlkampfplattform im Internet. „Selbstbewusstsein fördern, den Gemeinsinn stärken und Individualität zur Entfaltung bringen“ - das seien die Eckpfeiler seiner politischen Vorstellung, um Offenbach zu einer Trendstadt kreativer und technologischer Entwicklung zu machen.

„Ich lebe seit 35 Jahren in Offenbach. Die Stadt hat mich mit den Menschen wieder versöhnt“, sagt Kampmann. Ihm sei hier so viel Gutes widerfahren, das wolle er den Offenbachern zurückgeben. Außerdem verspricht er: „Ich werde jetzt mit meinen 61 Jahren nochmal richtig Gas geben.“

Ein weiterer Unabhängiger, der will, aber nicht mehr darf, ist Dieter Faulenbach da Costa. Der Berater der Stadt im Kampf gegen den Flughafenausbau ist mit seinen 67 Jahren an der in der Hessischen Gemeindeordnung (HGO) festgelegten Altersgrenze gescheitert. Dabei hätte er durchaus so seine Vorstellungen, wie die Zukunft einer Stadt zu sichern wäre, die für ihn derzeit „Schritt für Schritt den Bach runtergeht“. Wenn der Flughafen so erweitert werde, wie es sich abzeichne, sagt Faulenbach, sei die Stadt entweder handlungsunfähig oder werde von Frankfurt eingemeindet.

„Über solche Dinge muss man sich unterhalten“

Um dem zu entkommen, hält es der streitbare Sozialdemokrat für geboten, über eine kommunale Neuordnung, sprich eine größere Verwaltungseinheit mit den um Offenbach liegenden Städtchen wie Mühlheim, Obertshausen oder Heusenstamm nachzudenken.

Faulenbach: „Über solche Dinge muss man sich unterhalten. Man muss eine Idee haben, wie man aus der Malaise herauskommt, dass Offenbach etwa die höchste Quote an Privatinsolvenzen und Schulabbrechern in Hessen hat.“ Der Flughafen alleine, sagt er, habe ihn nicht dazu bewogen, über eine OB-Kandidatur nachzudenken.

„Gefahr im Verzug“ trifft wohl nicht zu

Ein Vorgehen gegen die diskriminierende Altersschranke der HGO, das hat Faulenbach bereits von einem Verfassungsrechtler ausloten lassen, ist so reizvoll wie chancenlos. Der Paragraph könnte nur beanstandet werden, wenn Gefahr im Verzug sei oder ein öffentliches Interesse an seiner Kandidatur bestehe. „Beides ist wohl nicht der Fall“, meint Dieter Faulenbach da Costa.

Wenn es mit einem Wahlsieg der bislang einzigen Kandidatin Birgit Simon nichts werden sollte, steigen in sechs Jahren vielleicht die Chancen einer anderen Frau. Die Ärztin Nadja Winterstein ist derzeit entschlossen, 2017 den Kampf ums Oberbürgermeisterinnenamt aufnehmen. „Offenbach braucht starke Frauen“, sagt die Psychotherapeutin.

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