Immer mehr Mini-Jobs

Offenbach - (tk) In Offenbach sinkt die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze, die der 400-Euro-Stellen steigt dagegen.

Das beklagt der Deutsche Gewerkschaftsbund und bezieht sich dabei auf die Statistiken der vergangenen acht Jahre: Waren es 2001 noch 48 790 reguläre Beschäftigungsverhältnisse, so waren es 2008 nur noch 44 820. Diesem Minus von zehn Prozent stellt der DGB ein Mini-Job-Plus von 12,5 Prozent gegenüber. 2001: 5415. 2008: 6108. Regionalvorsitzender Frank Herrmann rechnet vor, dass somit auf hundert sozialversicherte inzwischen 13 unversicherte Stellen kommen.

Für den Gewerkschaftsfunktionär ist die Entwicklung Beleg für die These, dass Mini-Jobs keine zusätzliche Beschäftigung brächten, sondern reguläre Arbeit verdrängten. Mittlerweile setzten ganze Branchen, wie etwa Handel oder Gastgewerbe, hauptsächlich auf geringfügige Beschäftigungsverhältnisse mit einem Verdienst bis 400 Euro im Monat.

Hermann sieht einen Zusammenhang mit den Hartz-IV-Gesetzen: Da seit deren Inkrafttreten für 400 Euro im Monat auch länger als 15 Stunden in der Woche gearbeitet werden dürfe, habe die Zahl der Mini-Jobs zugenommen, während die Löhne drastisch gesunken seien. „Entgelte sogar unter 5 Euro die Stunde sind keine Seltenheit, besonders Frauen sind von Niedriglöhnen betroffen“,erklärt Hermann. Ein gutes Fünftel der Mini-Jobber beziehe zusätzlich Sozialleistungen.

Mini-Jobs bedeuteten aber nicht nur Mini-Löhne, sondern auch Mini-Renten, warnt der Gewerkschafter. Unternehmen profitierten: Insgesamt würden weniger Sozialabgaben gezahlt, außerdem Rechte wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlte Feiertage seltener gewährt. Der DGB verlangt, dass Arbeit, die jetzt in Mini-Jobs zerlegt ist, in sozial gesicherte Beschäftigung umgewandelt wird.

Bei der Offenbacher Industrie- und Handelskammer kann man die Kritik des DGB nicht nachvollziehen. Viele Menschen wollten gerade einen solchen Mini-Job, weil er für sie die bessere finanzielle Alternative zu einer Halbtagsstelle sei, sagte Sprecher Klaus Linke. In der Zunahme sei keine tragische Entwicklung zu entdecken, sie bilde eher die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitswelt ab.

Beispiel Einzelhandel: Dass der auf Minijobs setze, sei kein Wunder, meint Klaus Linke. Der Trend zu immer längeren Öffnungszeiten sei ein Problem für die Einzelhändler; den Einkauf nach 20 Uhr zu ermöglichen, bedeute nicht nur höhere Kosten, sondern auch Personal zu finden, das die Abendstunden abdecken könne - und das seien meist 400-Euro-Jobber.

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