Immer schnell ausverkauft - immer zu Recht

+
Die 15. Kreppelsitzung der Wiking-Elfer heiligte die Traditionen der Fastnacht. Erfreulich politisch: Protokoller Detlef Reißmann mit seinem Rückblick auf das vergangene Jahr.

Offenbach ‐ Drei Eigenschaften haben das Stadion des FC St. Pauli und der Veranstaltungsraum der SG Wiking in deren Vereinsheim am Offenbacher Main gemeinsam: Sie sind klein, die Stimmung ist bombig und der Vorverkauf dauert nur kurz. Zumindest, wenn es sich um die Kreppelsitzung der Wiking-Elfer handelt, der Karnevalsabteilung der Sportgemeinschaft. Von Stefan Mangold

Zum 15. Mal fand am Sonntag die Sitzung statt, bei der es nicht nur Kreppel zu essen und Kaffee zu trinken gab, „zum 15. Mal sind wir ausverkauft.“

In einen größeren Raum zu gehen, „kommt nicht in Frage,“ betont Detlef Reißmann, der Vorsitzende der Fastnachter. Axel Heilmann, der Ministerpräsident des Vereins „Die Eulen“ aus Frankfurt, sprach gegenüber Reißmann von einer „Wahnsinnsstimmung bei euch“. Heilmann musste es wissen. Kurz zuvor hatte er sich vor dem Publikum als Animateur eines Ferienclubs geriert, der sich nach dem Erwachen orientieren müsse, in welchem Appartement, neben welcher Urlauberin er gerade liege. Heilmann variierte während des Vortrags gekonnt seinen Sprachrhythmus.

Politisch fiel der Rückblick auf 2010 aus, den Detlef Reißmann lieferte. „Aus Wiederaufbau wurde 'kriegsähnlich', wer hält uns denn für so dämlich“, behandelte der Bruder von Sitzungspräsident Manfred Reißmann den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan kritisch.

Mehr Bilder der Kreppelsitzung

Kreppelsitzung der Wiking-Elfer

Manfred Reißmann führte durchs Programm. Er behauptete anfangs, neidisch zu sein. Denn etliche Vertreter des Offenbacher Karneval-Vereins konnten nicht kommen, weil sie in Siegburg an einer Herrensitzung teilnahmen. Das Prinzenpaar, Matthias II. und Carolin I. von Lederanien, schaute dennoch samt Gefolge vorbei, um Orden zu verleihen.

Neben den Tanz-Majoretten vom KC Disharmonie Heusenstamm zeigten die Mädchen des TSC Fantasy Offenbach sportlich anspruchsvolle Choreographien. Jessy Hähnlein und Sabrina Kubiak gestalteten eine Nummer im Duo, Jessy zeigte auch als Solistin ihre Qualitäten. Außerdem präsentierte sich die Truppe „Showtanz Galaktica“ in futuristisch anmutenden Kostümen und Silberhaarperücken zu Liedern, deren Texte viele im Saal auswendig mitsingen konnten. Bei „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ stimmten besonders die Damen aus voller Brust mit an. Die Gemeinschaftstanzgarde zelebrierte auch Takte aus der Melodie der Arie der „Königin der Nacht“.

Fast rein musikalisch unterhielt diesmal Charly Engert, den das Publikum sonst als seminüchternen „Bodooo“ kennt und schätzt. Engert gab Lieder von Marius Müller-Westernhagen stimmhaft wieder. Der Entertainer erschien in schwarzer Kluft und sang von zahllosen erotischen Erlebnissen, denen sich zu entziehen sehr schwer falle.

Besonders gerne an Frauen die Orden verliehen

Einen humorigen Vortrag hielt auch Ludwig Gabold von den Sängerfreunden. Er mimte einen Feuerwehrmann, erzählte von Raketen, die ihm zu Silvester ins Hosenbein flogen, gab Lebenshilfen wie: „Isst Du abends Zwiebelbrot, sind mojens im Zimmer die Mügge tod.“ Wolfgang Braun von den Kolpingelfern stellte sich als engagierter Heimwerker vor, der das Schlafzimmer tapezieren will und fulminant scheitert.

Orden verlieh Büttenschieber Michael Tetzlaff besonders gerne an die Frauen. Elisabeth Ball, Traute Tobisch und Heide Wolf bekamen je einen für die viele Arbeit um die Sitzung herum. Für große Freude sorgte das Männerballett der Fußballabteilung. Ohne falsche Scham präsentierten die Mitglieder ihre von Bier gestählten Körper in schwarzen Netzstrümpfen und Spitzenhöschen. Der Austausch von Zärtlichkeiten unter amerikanischen Polizeimützen erheiterte sehr. „Ich hab` immer Schiss, dass die sich e mal ganz naggisch ausziehe`,“ sprach Manfred Reißmann von seinen Ängsten. Zum Finale sang der Saal das Lied der Karnevalsfreunde vom Nordring. Das geht nach der Melodie von „Kreuzberger Nächte“. Im veränderten Text heißt es „Wikinger Feste sind lang“.

Kommentare