Immer wieder in die Internet-Falle

Offenbach  ‐ Er ist 47 Jahre alt und durch erlittene Schäden nicht unbedingt klüger geworden. Der Offenbacher steht als Leidensgenosse neben einer 23-Jährigen, die statt einer Zukunft als „Korrespondenzmanagerin“ Forderungen über 2.500 Euro an der Backe hat. Von Thomas Kirstein

Den Mann traf es freilich viel härter: Das Betrugskommissariat ermittelt gegen ihn, denn seine jüngste Tätigkeit soll einen Schaden von 40.000 Euro angerichtet haben. Fast unglaublich, was er den Polizisten über seine Vergangenheit erzählte: Der gutgläubige Offenbacher ist offensichtlich nicht zum ersten Mal auf lukrativ erscheinende Angebote im Internet hereingefallen. Einmal sei er als gutgläubiger „Finanzagent“ angeworben worden, habe in einem anderen Fall seine Lebensversicherung für angebliche Millionen-Erbschaften versetzt und an die sogenannte Nigeria-Connection überwiesen, habe sich von einem Kreditvermittler sowie einem Scheckbetrüger über den Tisch ziehen lassen.

Das vorläufig letzte Kapitel seiner mehrfach gescheiterten Berufsorientierung im weltweiten Netz begann im September. Da hatte er in diversen Internetportalen „Suche Nebenjob“ annonciert. Darauf meldete sich eine Firma aus den USA und bot ihm eine Tätigkeit in der Logistik-Branche an.

2.000 Euro fürs Pakete annehmen

Auf Nachfrage erhielt er per Mail eine mehrseitige Handlungsanweisung: Er solle Pakete annehmen, auf Vollzähligkeit prüfen und zu genannten Adressen weiterleiten. Nachdem er sich auf der - für ihn nicht erkennbar gefälschten - Homepage der Firma von deren Seriosität überzeugt hatte, schloss er online einen umfangreichen Arbeitsvertrag ab. Als Entlohnung wurde ihm ein Festgehalt von monatlich 2.000 Euro plus 25 Euro pro Paket zugesagt.

Bei der „Vollzähligkeitsüberprüfung“ registrierte er, dass die Waren mit Kreditkarten bezahlt waren. Den Erhalt der Pakete meldete er per Mail seinem „Manager“, der ihm daraufhin frankierte Adressetiketten zusandte.

Angebote wie 10.000 Euro in zehn Tagen besser ignorieren

Anschließend verschickte er die Pakete nach Litauen, Estland und die Ukraine, insgesamt bisher etwa 40 Stück. Auf seine Entlohnung wartet er allerdings noch heute. Aber auch die ursprünglichen Versender der Päckchen warten noch auf die Bezahlung ihrer Rechnungen, so dass inzwischen erste Anzeigen bei der Polizei eingingen.

Was den 47-Jährigen ereilte, ist drastisch, aber kein Einzelfall. „Offensichtlich fallen wieder vermehrt Leute auf vermeintlich einträgliche Nebenjobs herein, die im Internet angeboten werden“, weiß Hauptkommissar Peter Bender vom Offenbacher Polizeiladen. Er rät: „Vertrauen Sie Ihrem Instinkt, Angebote wie ,10. 000 Euro in zehn Tagen’ können Sie getrost ignorieren, denn es handelt sich hierbei immer um Lockangebote. Niemand hat etwas zu verschenken.“

Rubriklistenbild: © Jörg Siebauer pixelio

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