Immobilienmarkt in Offenbach

Keine Lärm-Nebenwirkung

Der städtische

Offenbach - Rumpenheim ist das teuerste Wohnpflaster Offenbachs. Der mit einigen Luxusobjekten jüngeren Datums gesegnete Stadtteil hängt beim Preis-Durchschnitt für Eigenheime ebenso Bieber wie Bürgel und Offenbach ab. Von Thomas Kirstein

Das sind örtliche Abstufungen, generell aber gilt: Offenbach scheint als Lebensmittelpunkt nach Wohnungswechsel so beliebt wie selten zuvor. Die Zahlenbasis für diese Einschätzung bildet der städtische Immobilienmarktbericht 2013. Dessen Vorstellung leitet ein fröhlicher Oberbürgermeister ein. Selten sei er mit einer solchen positiven Grundstimmung zu diesem rituellen Termin gekommen, jubiliert Horst Schneider: „Offenbach ist auf dem Wohnungsmarkt angekommen!“ Die Belege, dass die Stadt nach Jahren einer eher bescheidenen Beachtung in den Fokus von Käufern und Errichtern von Wohnimmobilien gerückt ist, überlässt der OB der ehrenamtlichen Vorsitzenden des Gutachterausschusses für Immobilienwerte. Cornelia Jokisch, Diplom-Ingenieurin und Chefin des städtischen Vermessungsamts, meldet – für Offenbacher Verhältnisse – Rekordverdächtiges:

1305 Transaktionen waren 2012 zu registrieren; das sind 436 und damit 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Um 80 Prozent auf 66,5 Hektar ist der Flächenumsatz gestiegen: Damit haben 1,5 Prozent des Stadtgebiets im vergangenen Jahr den Besitzer gewechselt. In Euro betrachtet ist das ein Geschäft von insgesamt 415 Millionen. Gegenüber 2011 bedeutet das eine beeindruckende Steigerungsrate von mehr als hundert Prozent – allerdings wurde dieser Wert auch 2006 erreicht. Neue Bodenrichtwerte wollen die ehrenamtlichen Gutachter entsprechend ihrem üblichen zweijährlichen Rhythmus erst 2014 vorlegen. Aufgrund der Verkaufsergebnisse liegt momentan und fast unverändert zum Vorjahr der Durchschnittspreis für einen Quadratmeter Ein- oder Zweifamilienhaus-Bauplatz bei 370 Euro. Abwärts, und zwar von 420 auf 370 Euro je Quadratmeter, ging’s bei Bauland für den Geschosswohnungsbau.

Teuerung bei Eigentumswohnungen

Unterschiedlich stark angezogen sind dagegen die Preise für bebaute Grundstücke und Eigentumswohnungen. Frei stehende Häuser sind um bis zu 16 Prozent teurer geworden, Reihen- und Doppelhäuser um bis zu fünf Prozent. Am häufigsten gingen Häuser der Baujahre 1961 bis 1991 über den Tisch. Reihen- beziehungsweise Doppelhaushälften aus dieser Zeit kosteten im Mittel 285.000 Euro. Für Neubaureihenhäuser sind bereits 345.000 Euro hinzulegen. Für Eigentumswohnungen, die seit 2009 immer teurer werden, präsentiert der Gutachterausschuss Unterschiede nach Stadtgebieten. Spitzenreiter ist Rumpenheim, wo eine neue 75-Quadratmeter-Etagenwohnung im Schnitt 186 000 Euro kostet. Entsprechendes ist in Bieber für 180.000 und in Offenbach gleichermaßen wie Bürgel bereits für 173.000 Euro zu haben. Für 20 Jahre alte Einheiten sind ungefähr 50.000 Euro abzuziehen.

Der euphorische Oberbürgermeister sieht seine Stadt bereits als „Boomregion, seit zwei Jahren, nachdem lange wenig stattgefunden hat“. Dem scheint der durch die neue Nordwestbahn verstärkte Fluglärm nicht abträglich zu sein. „Nebenwirkungen sind nicht nachweisbar, wir haben keine Hinweise auf Preisabschläge“, sagt Gutachterin Jokisch. Die meisten Käufer sind Privatleute. Woher sie genau kommen, ist statistisch nicht erfasst. Ein Drittel Offenbacher, ein Drittel aus dem Kreis, ein Drittel von weiter her, schätzt OB Schneider. Er beobachtet unter anderem, wie verstärkt „aufstiegsorientierte Migranten“ aus der Innenstadtmiete ins Eigenheim an der Peripherie ziehen.

Das bedeuten Immobilien-Codes

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Für Interessenten an großen Grundstücken mit oder für repräsentative Wohnbauten ist der Offenbacher Markt allerdings fast leer gefegt. Der geneigte Millionär findet nicht leicht ein großes Areal fürs stolze Haus. Es gebe jedoch durchaus Arrondierungsflächen, die sich nach Überwindung diverser Widerstände für solche Käufer aktivieren ließen, meint der Oberbürgermeister, sagt aber: „Der Chefarzt in der Millionenvilla ist zwar fürs Image gut, uns ist aber das mittlere Segment der Bevölkerung wichtiger.“ Unter den verkauften Objekten des vergangenen Jahres waren nur 14 frei stehende Häuser. So lautet denn auch das Stichwort für das bestehende und künftige Angebot an Wohneigentum „Nachverdichtung“. Forciert wird also die intensive Ausnutzung vorhandener Flächen. Im vergangenen Jahr wurden 96 Reihenhäuser und 16 Doppelhaushälften neu gebaut (2011: 14 und fünf). 400 Hektar sind in den nächsten Jahren noch zu bebauen. Darunter mit Bieber-Nord und Bürgel-Ost jene Baugebiete, die nach langer politischer Diskussion mit städtischer Finanz-Vorleistung erschlossen werden.

Kommentare