Improvisiert wird immer

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Die Formation Osssti spielte am Samstagabend im Wiener Hof – eines der schönen Konzerte, die die Lokalität auszeichnen.

Offenbach - Die Freude über den Samstagabend steht Reinhard Prekel ins Gesicht geschrieben. Grund ist der musikalische Auftritt der Formation Osssti. Von Claus Wolfschlag

Der Sänger der Rodgau Monotones, Peter Osterwold, sowie der Gitarrist Rolf Bussalb, Achim Farr am Saxophon und Rudi Hagenau am Schlagzeug gaben Songs, unter anderem von Eric Clapton, Hot Chocolate und den Beatles zum Besten – zum Gefallen des Publikums.

13 Jahre nun schon betreibt Prekel den Wiener Hof, davon sechs Jahre in Eigenregie. Der einstige pädagogische Leiter bei der GOAB bedauert seinen Schritt in die Gastronomie nicht, obwohl die Finanzlage nicht immer rosig ist. „So einen Laden kann man nicht ohne Herzblut betreiben“, sagt er. Im Unterschied zu manch anderen Kultureinrichtungen Offenbachs wird der Wiener Hof nicht städtisch subventioniert. „Es ist manchmal ein hartes Brot.“ Durch den langen Winter konnte dieses Jahr noch im Mai der Biergarten nicht genutzt werden, stattdessen musste er sogar Heizöl nachbestellen. Außerdem ist es schon vorgekommen, dass ein Auftritt finanziell floppte und man 1000 Euro für die Gage aus eigener Tasche drauflegen musste. Doch Prekel jammert nicht. Zwar böte man ein tolles Programm, belebe Stadt und die Region, was den städtischen Verantwortlichen auch bewusst sei. „Die Hoffnung auf Kulturzuschüsse wäre aber illusorisch“, erklärt er nüchtern, „Die Lage ist halt, wie sie ist.“ Somit müsse er Beziehungen zu Musikern spielen lassen und improvisieren, um Kosten niedrig zu halten.

Die baulichen Mängel

Etwas anderes sind aber die baulichen Mängel: Seit 120 Jahren existiert der Wiener Hof als Biergarten und Restaurant mit Saal. Vor 16 Jahren plante die Stadt den Neubau einer Turnhalle für die Bieberer Grundschule und wollte dafür einen Teil des Biergartens erwerben. Doch der vorherige Eigentümer verkaufte nur das komplette Anwesen, so dass der Wiener Hof in städtische Hände fiel. Diese kann es sich jedoch nicht leisten, das Gebäude modernen Anforderungen anzupassen, berichtet Pächter Prekel. Kleine Renovierungen erledigen er und sein Team in Eigenregie. Regelmäßig werden Gebrauchsspuren ausgebessert und die Räume gestrichen. So wurde gerade das Treppenhaus neu gestaltet und mit Fotografien von Auftritten geschmückt. Notwendige größere Sanierungsschritte aber verzögerten sich stets um Jahre.

Erst 2012 wurde die Heizanlage im Saal erneuert, um den Raum auch bei Frost warm halten zu können. Wasser vom Flachdach klatscht bei stärkerem Regen in den Biergarten. Vor allem aber die Toilettenanlage bereitet Prekel Sorgen: „Sie befinden sich in keinem zeitgemäßen Zustand mehr.“ Es riecht muffig. Putz löst sich großflächig von der Wand. gelbliche Kacheln und klobige Abflussrohre, von denen der Lack langsam abplatzt, zeugen von einer in die Jahre gekommenen Anlage. Potentielle Festgesellschaften würden dadurch von Anmietungen abgeschreckt.

Erste öffentlichkeitswirksame Maßnahme

Als erste öffentlichkeitswirksame Maßnahme, um auf die Mängel hinzuweisen, hat Prekel einen Aushang in den Toiletten befestigt. Darin erläutert er, dass er schon seit fünf Jahren erfolglos bei der Stadt um Sanierung der WCs bitte. Der Abfluss müsste erneuert, die Wände neu verkachelt, Waschbecken und Klosetts ausgetauscht werden. Dabei mache er den Ansprechpartnern vom Liegenschaftsamt keinen Vorwurf. „Die Behördenmitarbeiter liefern stets eine gute Zusammenarbeit im Rahmen ihrer Möglichkeiten.“ Zwar blieben dort getätigte Zusagen meist vage, doch immerhin bemühte man sich nach Kräften. So wurden etwa Schäden am Dach zügig repariert. Es sei aber vor allem die Politik, die den Wiener Hof hängen lasse. Prekel habe Politiker und Parteien schriftlich auf das Problem aufmerksam gemacht, doch Reaktionen gab es keine. Mit Blick auf die Ausgaben am Wilhelmsplatz bemerkt der Gastronom, dass für die Offenbacher Politik vor allem die Innenstadt als kulturelles Aushängeschild zähle. Die Stadtteile und Randbezirke hingegen führten ein Schattendasein.

Seit Jahren spielt Prekel Saxophon. Daraus entwickelte sich einst sein Traum, eine eigene Musikbühne mit anspruchsvollem Programm zu unterhalten. Der Wiener Hof habe eine gute Akustik und intime Atmosphäre, die auch die Musiker schätzen. Das Einzugsgebiet erstrecke sich bis tief in den Kreis und nach Frankfurt. Selbst Fans aus Thüringen seien schon aufgetaucht. So bereiten ihm, trotz aller Sorgen, die Bläsereinlagen sichtbar Freude, die Osssti von der Bühne sendet.

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