Ein Schnellboot unter Tankern

In der Samson AG kommt ein weltweit führendes Unternehmen nach Offenbach

Blickkontakt: Vom obersten Stock des Offenbacher Rathauses sind heutige Gebäude von Samson zu erkennen.
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Blickkontakt: Vom obersten Stock des Offenbacher Rathauses sind heutige Gebäude von Samson zu erkennen.

Die Begeisterung von Andreas Widl, dem Vorstandsvorsitzenden der Frankfurter Samson AG, steht der Euphorie des Offenbacher Oberbürgermeisters Felix Schwenke kaum nach. „Plötzlich war mitten im Rhein-Main-Gebiet eine Fläche frei, einen solchen Zufall gibt es so häufig nicht“, sagt er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. Die zu den weltweit führenden Herstellern von Ventil- und Regeltechnik zählende Aktiengesellschaft wird ihre Produktion vom Frankfurter Osthafen nach Offenbach verlagern.

Offenbach – Die 1907 gegründete Samson AG ist ein Hersteller von Stellventiltechnik mit weltweit rund 4500 Beschäftigten. Sie gilt als führender Anbieter von Regelarmaturen insbesondere in Chemie-, Lebensmittel- und Getränkeindustrie, für Industriegase, Energiewirtschaft sowie Pharma- und Biotechnologie. Vorstandschef Widl sieht sein Unternehmen bei der weltweiten Konkurrenz als „Schnellboot, das umgeben ist von Tankern“.

Samson will in den nächsten Jahren schrittweise seine Elektronikproduktion, die mechanische Fertigung und schließlich die Hauptverwaltung nach Offenbach verlagern. Nur wenige Kilometer vom jetzigen Firmengelände entfernt, flussaufwärts auf der anderen Mainseite, soll auf dem verkehrsgünstig gelegenen Innovationscampus ein hochmoderner und repräsentativer Standort entstehen. Der neue Firmensitz, so ist Widl überzeugt, werde effizientere Arbeitsabläufe und neue Möglichkeiten für Kundeninteraktionen und Produktabnahmen bieten sowie eine hohe Anziehungskraft bezogen auf die Gewinnung und die Bindung von Mitarbeitern haben.

„Samson vollzieht seit gut sechs Jahren eine bemerkenswerte Transformation: Von der Manufaktur erstklassiger Ventiltechnik zum Lösungsanbieter für intelligente, selbstlernende Ventil- und Prozesstechnik“, erläutert Widl. Smarte Stellventile des deutschen Herstellers liefern mittlerweile in Echtzeit Daten, die über eigene Cloudplattformen den Kunden prozessrelevante, wenn nicht produktionskritische, Informationen liefern.

„Wir verbinden mittlerweile bewährte Ventiltradition mit funktionalem Design, Diagnose und künstlicher Intelligenz“, formuliert der oberste Samson-Chef.

Mit der Grundsatzentscheidung für Offenbach verfolgt Samson ein integriertes, hochmodernes Konzept einer „Fabrik in der Stadt“ und will ein Leuchtturm für Innovation, nachhaltige Produktion und Sicherung von Arbeitsplätzen in Deutschland werden.

Auf dem von öffentlichen Straßen durchzogenen Betriebsgelände zwischen Hanauer Landstraße und Main ist die Produktion derzeit auf einer Vielzahl von Gebäuden und Teilflächen angesiedelt. Eine Expansion in unmittelbare Nähe hat sich nicht verwirklichen lassen.

Der Stadt Frankfurt, die die Abwanderung sicher als Verlust verbuchen muss, will Samson aber verbunden bleiben. Unter anderem wird dort weiterhin das hochmoderne Rolf Sandvoss Innovation Center (RSIC) am Osthafen betrieben. Dort werden neue Ventilgenerationen und regelungstechnische Lösungen für die Prozessindustrie entwickeln. Für frei werdende Flächen seien „Ideen und Umsetzungskonzepte für Industrieansiedelung und die zukünftige Gestaltung attraktiver Arbeitsplätze“ in Planung, sagt Andreas Widl. (tk)

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