Nach 30 Jahren steht der Dienst vor dem Aus

In Offenbach werden Schülerlotsen dringend gesucht

Jeden Morgen helfen Schülerlotsen Kindern dabei, sicher zur Schule zu gelangen – hier über die viel befahrene Mühlheimer Straße.
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Jeden Morgen helfen Schülerlotsen Kindern dabei, sicher zur Schule zu gelangen – hier über die viel befahrene Mühlheimer Straße.

Kinder gehören zu den schwächsten Teilnehmern im Straßenverkehr: Nach schweren Unfällen mit tödlichem Ausgang zu Beginn der 1990er Jahre haben Eltern um Eduard Pogadl für die Offenbacher Schulen den Schülerlotsendienst organisiert: Ehrenamtliche stehen morgens an neuralgischen Punkten des Schulwegs und helfen beim sicheren Überqueren der Straßen.

Offenbach - Die 30-Jahr-Feier des Schülerlotsendienstes steht zwar an, doch genau jetzt hat Pogadl eine schlechte Nachricht parat: Wenn sich keine weiteren Unterstützer finden, muss der Dienst nach den Herbstferien stark eingeschränkt werden – oder steht gar ganz vor dem Aus. Bei Elternabenden fanden sich trotz intensiver Werbung kaum Personen, die zur Mitarbeit bereit waren.

Schon in den vergangenen Jahren sei das Angebot geschrumpft, sagt Pogadl, statt an allen Schulen gibt es nur noch Helfer an drei Schulen im Stadtgebiet, der Waldschule, der Buchhügelschule und der Friedrich-Ebert-Schule. „Aber durch die Corona-Pandemie ist die Zahl der Unterstützer weiter gesunken“, sagt er, „wenn sich nichts ändert, wird es nach den Ferien schwer, weiterzumachen“. Gab es vor rund fünf Jahren noch 80 Helfer, seien es zuletzt nur 20 gewesen. Nach Aufrufen an den Schulen hätten sich teils nur ein oder zwei Freiwillige gemeldet – zu wenige, um die Aktion für den sicheren Schulweg weiterhin zu gewährleisten.

Dabei ist das Helfen recht einfach, die Lotsen sind wochentags eine halbe Stunde vor Schulbeginn im Einsatz nahe der drei genannten Schulen. „Wie oft man Dienst hat, ist jedem freigestellt: Einige sind nur ein- oder zweimal im Monat dabei“, sagt Pogadl, „wir sind über alle froh, die mithelfen wollen“.

Wer den Lotsendienst unterstützen möchte, benötigt eine theoretische und praktische Ausbildung. Doch klingt dies zeitintensiver, als es wirklich ist: Die theoretische Ausbildung dauert ungefähr eine Stunde und wird von der Jugendverkehrsschule der Polizei vorgenommen, an einem weiteren Termin geht es dann zu den jeweiligen Einsatzorten vor den drei Schulen, um diese kennenzulernen. „Das dauert vielleicht eine halbe Stunde, ist also sehr überschaubar vom Aufwand“, sagt Pogadl. Die Einsatzorte sind die Kreuzung Brunnenweg/Heusenstammer Weg, der Fußgängerüberweg Brunnenweg, an der Oberen Grenzstraße und der Goerdelerstraße, an der Kreuzung Rhönstraße / Goerdelerstraße sowie beim Queren der Mühlheimer Straße in Höhe des Neuen Friedhofs.

Material wie Schutzwesten oder Kellen wird gestellt, die Mitarbeit kostet die Ehrenamtlichen nichts. „Dafür macht man etwas Gutes für die Allgemeinheit“, sagt Pogadl.

Von Frank Sommer

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