Impfen

In Offenbach wird kaum Astrazeneca weggeworfen

Ärztin mit dem Impfstoff von Astrazeneca.
+
Der Impfstoff von Astrazeneca ist auch bei Offenbacher Impflingen wenig beliebt.

Der Ruf des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca ist schlecht. Viele wollen den Impfstoff nicht haben – weggeworfen wird er in Offenbach aber selten.

Offenbach – Vaxzevria, so der neue Name des Impfstoffs des schwedisch-britischen Herstellers Astrazeneca, hat ein Problem: Nach langwierigem Hin und Her über Wirksamkeit und Thrombosegefahr ist der Impfstoff wenig beliebt. Wie wenig, das lässt sich sogar beziffern: Fast 40 Prozent derjenigen, die mit Vaxzevria geimpft werden sollen, kommen gar nicht erst zum Termin.

„Entweder die Leute bleiben einfach weg oder es kommt zu langwierigen Diskussionen am Empfang oder während des Aufklärungsgesprächs mit dem Arzt“, sagt Uwe Sauer, Leiter der Unteren Katastrophenschutzbehörde und für das Impfzentrum in der Stadthalle verantwortlich.

Corona in Offenbach: Vorbehalte gegen Impfstoff von Astrazeneca

Oft würden die Besucher dann verlangen, dass ihnen ein anderer Impfstoff verabreicht werde. „Das ist aber nicht möglich“, betont Sauer. Wer für das Astrazeneca-Produkt vorgesehen sei, könne nur dieses erhalten.

Die Vorbehalte gegen den Astrazeneca-Impfstoff seien auch daher problematisch, da von Vaxzevria mit Abstand die größte Menge vorrätig ist. „Am Sonntag etwa hatten wir etwa doppelt soviel Impfstoff von Astrazeneca wie von Biontech und viermal soviel wie von Moderna“, sagt Sauer.

Corona in Offenbach: Bürger sollen Termine rechtzeitig absagen

Ein großes Problem für das Impfzentrum seien auch Menschen, die ihren Termin nicht absagen. Oder dies zu spät tun. „Am Samstag kam etwa ein Mann, der am Empfang sagte, er brauche seinen Termin jetzt nicht, da er schon in der Woche von seinem Hausarzt geimpft wurde – wenn er sich in der Woche bei uns gemeldet hätte, hätten wir anderen dafür Bescheid geben können, dass sie für ihn nachrücken. So war das zu kurzfristig.“ Sauer appelliert daher an die Bürger, Termine rechtzeitig abzusagen, um so die Impfungen nicht zu verzögern.

Dass in sozialen Netzwerken immer wieder berichtet wird, es würden große Mengen an Impfstoff weggeworfen, ärgert Sauer. Denn die Zahlen sprechen eine andere Sprache: 25 033 Dosen der drei Hersteller Biontech, Moderna und Astrazeneca wurden bisher von mobilen Impfteams seit 27. Dezember und seit 9. Februar in der Stadthalle verimpft – weggeworfen wurde jedoch nur ein geringer Teil, gerade einmal 300 Impfdosen. „Was wir wegwerfen mussten, liegt unter 1,5 Prozent der Dosen“, sagt Sauer, „und in den meisten Fällen, weil es sich um Fehllagerungen oder Beschädigungen handelt oder weil sich Trübungen gebildet haben“. Dass fertig aufgezogene Spritzen weggeworfen werden mussten, mache den geringsten Teil der 300 Stück aus, betont er.

Corona in Offenbach: Nur wenige Impfdosen verfallen

Dass nur wenige Impfdosen wirklich verfallen, hängt mit der bisherigen Regelung für die Impfzentren zusammen: Eine Spritze darf erst aufgezogen werden, wenn der Impfling sich am Empfang gemeldet hat – wer also einfach wegbleibt, hält zwar den Impfbetrieb auf, sorgt aber nicht für ungenutzte Reste.

Besser mache es das Verhalten derjenigen, die ihren Termin verfallen ließen, aber nicht, sagt Sauer. Denn nicht wahrgenommene Termine mussten bislang aufwendig dem Land gemeldet werden, bevor sie wieder vergeben werden durften. Eine Nachrückerliste für Offenbach existierte nur stadtintern für Angehörige kritischer Infrastruktur und streng nach Impfpriorisierung.

Corona in Offenbach: Liste für Nachrücker für den Impfstoff von Astrazeneca

Das soll sich aber in absehbarer Zeit ändern, wie Oberbürgermeister Felix Schwenke gegenüber unserer Zeitung bestätigt. „Am vergangenen Wochenende gab es eine Änderung vom Land, wonach etwa Feuerwehrleute nur dann nachrücken konnten, wenn eine Spritze bereits aufgezogen wurde“, sagt er. Nach der neuen Regelung darf eine nicht wahrgenommene Impfung aber ohne den Umweg über das Land neu vergeben werden. „Wir werden daher eine Liste einführen, um schneller und unbürokratischer zu impfen“, sagt der OB.

Allerdings: Die Liste ist ausschließlich für den Impfstoff von Astrazeneca und auch bei ihr wird die Impfreihenfolge eingehalten. Details will die Stadt in absehbarer Zeit mitteilen, momentan werde noch an den technischen Voraussetzungen für die Liste gearbeitet.

Das Nadelöhr für sämtliche Impfungen seien aber die Liefermengen: „Unser Impfzentrum ist für 1000 Personen am Tag aufgestellt, momentan werden aber nur durchschnittlich um die 300 geimpft, da wir zu wenig Impfstoff haben“, sagt Sauer, „wir würden sehr gerne endlich unter Vollauslastung fahren“. (Frank Sommer)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare