Dolmetscher freigesprochen

Inder-Scheinehen fielen in Frankfurt nicht auf

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Offenbach - Jahrelang sollen ein Dolmetscher und seine Komplizen Indern illegal das Aufenthaltsrecht in Deutschland verschafft haben: über Scheinehen mit EU-Bürgerinnen aus Bulgarien oder Portugal, meinte die Staatsanwaltschaft Darmstadt.

Weil auch die Ausländerbehörde des Kreises betroffen war, stand der Mann, der unter anderem für die Frankfurter Polizei die indische Amtssprache Hindi übersetzte, vorm Schöffengericht in der Kaiserstraße.

Und verließ es als freier Mensch. Der Vorsitzende Richter Manfred Beck bedauerte, aus Zweifelsgründen nur zum Freispruch kommen zu können. Ein Verfahren gegen Rechtsanwälte stellte die Staatsanwaltschaft schon im Vorfeld mangels ausreichenden Tatverdachts ein. Frankfurts Ausländerbehörde blieb ungeschoren, weil ein Kronzeuge zwar behauptete, man habe „dort einen Mann“, aber keinen Namen nannte.

Dolmetscher vor Offenbacher Gericht

Vor dem Offenbacher Gericht stand also allein der Dolmetscher: Er habe gefälschte Heiratsurkunden aus Bulgarien besorgt; dann seien die Inder, die sich entweder schon als abgelehnte Asylbewerber in Deutschland befanden oder über Zypern eingeschleust wurden, mit den Bulgarinnen oder Portugieserinnen zum Frankfurter Ausländeramt gegangen; dort hätten die Frauen behauptet, ihre Inder in Bulgarien geheiratet zu haben und mit ihren Gatten in Deutschland leben zu wollen. Dazu präsentierten sie laut Anklage falsche Arbeitsverträge von indischen Restaurants in Offenbach oder Frankfurt. Inder gaben ihnen auch gefälschte Mietverträge für Wohnungen.

In der Hauptverhandlung stellte sich heraus, dass 2011 tatsächlich etliche Inder vom Ausländeramt Frankfurt EU-Aufenthaltserlaubnisse bekamen. Ein Bereichsleiter der Behörde beteuerte, das vermehrte Auftreten von Indern mit „Ehefrauen“ aus Portugal oder Bulgarien sei erst aufgefallen, als die Polizei sie informierte, dass damit nicht alles in Ordnung sei. Es seien zehn Mitarbeiter für solche Angelegenheiten zuständig. Einer sagte aus, die beteiligten Rechtsanwälte hätten durch Terminsabsprachen faktisch die Möglichkeit gehabt, sich einen bestimmten Mitarbeiter auszusuchen.

Tricksereien eines Inders

Bei der Ausländerbehörde des Kreises Offenbach hingegen scheiterten die Tricksereien eines Inders, der mit seiner Scheinehefrau kam, schnell auch ohne einen Hinweis der Polizei. Ein Inder, der Frauen aus Portugal „besorgt“ hatte, belastete den Dolmetscher schwer: Der lenke die Sache und habe einen Mann im Ausländeramt Frankfurt; 15.000 Euro koste eine Hilfestellung. Der Kronzeuge verstrickte sich dann jedoch in Widersprüche. Eine Telefonüberwachung ergab, dass der Mann seine eigene Rolle klein redete und den Dolmetscher hinsichtlich der Beschaffung der falschen Dokumente falsch beschuldigte.

Da sich in der Offenbacher Verhandlung zudem herausstellte, dass die Besorgung von EU-Aufenthaltserlaubnisse mit falschen Angaben an sich nicht strafbar ist, war dem Übersetzer nichts nachzuweisen.

tk

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