Für Medienpreis Lead-Award nominiert

Weblog über elektronische Musik: Individuell im Netz

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Die virtuelle Welt nutzt Benny Reibert, um real produzierte Musik bekannt zu machen. Inzwischen ist er in der Szene selbst kein Unbekannter mehr.

Offenbach - Wer elektronische Musik hört und sich für die Künstler hinter den Plattentellern interessiert, ist auf dem Blog www.trndmusik.de genau richtig.

Der Offenbacher Journalismus-Student Benny Reibert betreibt die Plattform seit bald drei Jahren – seit kurzem auch auf Englisch. Unser Mitarbeiter Khang Nguyen hat sich mit dem Macher der Webseite über Blogging und elektronische Musik unterhalten.

Der Philosoph René Descartes formulierte einst den Grundsatz „Ich denke, also bin ich“ aus Zweifel an der eigenen Erkenntnisfähigkeit. Du hast den Grundsatz zu „Ich tanze, also bin ich“ umgewandelt. Was möchtest du damit aussagen?

Stelle dir mal folgende Szene vor: Es ist sechs Uhr in der Früh an einem Sommertag im August, du bist in einem Club oder auf einem Open Air, die Sonne geht langsam am Horizont auf, alle Menschen, auch deine Freunde, tanzen um dich herum und strahlen. Passend zu diesem wundervollen Moment fängt der DJ oder Liveact unerwartet an, eins deiner Lieblingslieder zu spielen. Für mich sind diese Momente ein absolutes Highlight. Du gibst dich in diesem Augenblick einfach der Musik hin und tanzt so, wie du es möchtest.

Im vergangenen Jahr wurde dein Blog von den Lesern des Magazins „De:bug“ auf Platz 9 der besten Webseiten gewählt, nun folgt die Nominierung für den Lead Award in der Kategorie „Weblog des Jahres“. Hebt man da als Anfang-Zwanziger nicht etwas ab?

Als ich davon erfahren habe, musste erstmal ein Jubeltanz zu einem meiner Lieblingstracks – „Black Water“ von Octave Ones – her. Was gibt es für einen Journalismusstudenten Schöneres, als wenn erfahrene Journalisten des „Zeit-Magazins“ oder des „Spiegels“, die in der Jury sitzen, deinen Blog für einen deutschen Medienpreis nominieren? Dennoch möchte ich nicht abheben. Mein Team und ich möchten uns auch nicht auf den Ehrungen ausruhen.

Jetzt gibt es den Blog auch auf Englisch. Was hat dich zu diesem Schritt bewogen?

Ja, das ist Wahnsinn! Am Jahresanfang kam mir die Idee zum ersten Mal, aber die Umsetzung war mir zu dieser Zeit nicht möglich. So war ich gezwungen, den Einfall erst einmal auf Eis zu legen. Aber wie der Zufall so spielt, konnte Mike Smyk, Programmierer unserer Webseite, das Technische für eine englischsprachige Variante realisieren, während ich in Moritz Jansen einen Freund fand, der für die englischsprachigen Artikel der Webseite verantwortlich ist. Ich erhoffe mir natürlich, dass trndmusik dadurch weiter wächst und international bekannter wird.

Warum findet man im Blog keine Tracks von David Guetta, Avicii und Co., die in den Charts rauf- und runtergespielt werden?

Anfangs habe ich selbst noch Musik von Produzenten wie Fedde Le Grand, Armand van Helden oder John Dahlbäck gehört. Ich finde es heute aber besser, kleinere Produzenten und deren Werke zu entdecken. Das ist wie bei der Mode: Einige wollen nicht in der Masse verschwinden und wünschen sich Individualität. Ich will Musik entdecken und hören, die nicht jedem zugänglich ist. Und diese Musik auf meinem Blog präsentieren.

Ist die Musikauswahl deine persönliche oder die von trndmusik?

Am Anfang war es meine persönliche Auslese. Das hat sich im Laufe der Zeit verändert, da trndmusik für einen bestimmten Sound steht, der mir aber nicht immer gefällt. Da wir aber im Juni entschieden haben, keine Edits, also Bearbeitungen von Liedern, über unsere Social-Media-Kanäle zu unterstützen, findet sich meine persönliche Musikauswahl immer mehr wieder. Die muss nicht zwangsläufig von jedem positiv wahrgenommen werden. Jeder hat eben seinen eigenen Geschmack. Das ist gut und wichtig.

Blogs gibt es wie Sand am Meer – und viele Menschen meinen, eine einzigartige Idee zu haben. Dann scheitern sie aber nach wenigen Wochen. Ist die Idee oder die Umsetzung für den Erfolg eines Blogs wichtiger?

Leidenschaft und Durchhaltevermögen sind zwei ausschlaggebende Attribute, um seine Idee umzusetzen. Selbstverständlich muss man auch zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort die richtige Idee parat haben, aber man sollte sich nicht verbiegen, um mit allen Mitteln Erfolg zu haben. Ich habe die ersten eineinhalb Jahre kein Geld mit der Webseite verdient. Heißt: Du musst nicht nur die zündende Idee haben, du musst dir auch am Anfang im Klaren darüber sein, dass du einen harten und steinigen Weg gehst, der dir nicht garantiert, dass du irgendwann von einem Blog leben kannst.

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