Inklusion: Nur das Geld fehlt

Offenbach - Gemeinsam lernen und leben. Inklusion ist eine Verpflichtung. Wie das Ganze umgesetzt werden könnte, diskutierte der Stadtschülerrat mit der Politik. Von David Heisig 

Das Thema Inklusion bedeutet für Schulen eine große Herausforderung. Das hat auch der Stadtschülerrat erkannt, der dazu am Mittwochabend eine Podiumsdiskussion mit Politikern im Rathaus veranstaltete. Die Anwesenden eint die Feststellung: Inklusion, also das gemeinsame Unterrichten von Behinderten und Nichtbehinderten, ist notwendig. Von „es ist normal, verschieden zu sein“ über „wenn alle mitmachen“ bis hin zu „Inklusion ist gemeinsam lernen ohne jegliche Ungleichbehandlung“ gehen die Statements derer, die auf dem Podium sitzen. Es sind: Sigrid Isser (CDU), Hans-Joachim Münd (Republikaner), Paul-Gerhard Weiß (FDP), Grete Steiner (SPD), Fevzije Zeneli (Landesschülervertretung), Philipp Türmer (Jusos), Fiona Merfert (Die Linke), Holger Horster.

Das Interesse der Schülerschaft am Thema, das muss Stadtschulsprecher und Moderator Max Moses Bonifer einräumen, ist nicht sehr ausgeprägt. Immerhin sind mit Vorstand und Delegierten rund 40 Offenbacher Schülerinnen und Schüler im Rat, Im Sitzungssaal der Stadtverordneten sitzen nur 30 Personen, davon allein neun auf dem Podium.

Ein Spiegelbild der Gesellschaft

Die Schule sei Spiegelbild der Gesellschaft. Daher müsse mehr investiert werden: in die Ausbildung der Lehrer, in die bereit gestellten Mittel und die Infrastruktur. Vor allem die jungen Diskutierenden fordern das. Grete Steiner muss diesen Forderungen ein wenig den Wind aus den Segeln nehmen: „Nur dadurch, dass wir etwas wollen, ist es noch nicht Realität“, sagt sie. Paul-Gerhard Weiß pflichtet ihr bei: Die UN-Konvention sage nicht, wie und in welchem Zeitrahmen Deutschland als Unterzeichnerin und letztendlich die Kommunen das umsetzen müssten. Vor allem nicht wer das Ganze bezahle.

Im Verlauf der Diskussion kommen die unterschiedlichen Ansichten zur Sprache: Skeptiker der Inklusion tun diese als ideologische Gleichmacherei ab und befürworten etwa ein Bildungssystem mit vergleichbaren, homogenen Lerngruppen. Die Befürworter sehen die Gesamtheit als gleich an, jeder habe dabei nur seine eigenen Bedürfnisse. Das bedeutet einen Spagat für jeden Einzelnen und die Gemeinschaft. Zumal neben den Gemeinsamkeiten auch immer individuelle Förderung stehen muss. So sind finanzieller und praktischer Aufwand sehr hoch.

Kritiker werfen ein, dass das bestehende System nicht geändert wurde, es an der nötigen Infrastruktur oder ausgebildeten Fachkräfte fehlt. Eine Lehrerin der Schillerschule betont, in ihrem Schulalltag werde deutlich, dass die Mittel fehlten. Etwa für gezielten Förderunterricht. Sigrid Isser meint, man müsse schneller und mehr investieren. Philipp Türmer schlägt vor, das Land solle die frei werdenden Ressourcen aus der Bafög-Förderung, die der Bund nun übernehme, in die Inklusion investieren. Grete Steiner plädiert dafür, vor allem müsse die Stadt Forderungen an das Land stellen. Paul-Gerhard Weiß kontert, dass die Klinikumspleite ein großes Loch in den Haushalt gerissen habe, angesichts des Offenbacher Defizits sei die Kommunalaufsicht für Forderungen derzeit nicht gerade empfänglich.

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„Ich kann mir jetzt auch ein besseres Bild beim Thema Inklusion machen“, resümiert Stadtschulsprecher Bonifer. Der Wunsch sei da, das Geld nicht, bringt er es auf eine einfache Formel. Das wolle er auch seinen Mitschülern vermitteln.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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