Vom Innen und vom Außen

+
Durch die Werke von Leibnizschülerin Minh Tran zieht sich ein schwarzer Faden.

Offenbach ‐ Inneres und Äußeres stehen in einem permanenten Spannungsverhältnis. Mal fallen Kern und Hülle vollständig auseinander, mal scheinen sie beinahe kongruent – konfliktfrei ist die Beziehung jedoch nie. Von Denis Düttmann

Friedrich Schiller beschreibt das Wechselspiel in einem Epigramm so: „Gott nur siehet das Herz - Drum eben, weil Gott nur das Herz sieht, Sorge, dass wir doch auch etwas Erträgliches sehn.“ Mit der Diskrepanz zwischen äußerem Erscheinungsbild und innerem Empfinden haben sich 34 Offenbacher Oberstufenschüler beim Kunstprojekt Brückenschlag beschäftigt.

Die Ausstellung in der Albert-Schweitzer-Schule zeigt 27 Exponate. So eine Installation aus zwei bemalten T-Shirts: eines in kräftigen Farben mit einem roten Herzen, ein anderes besudelt, mit einem klaffenden Loch in der Brust. Oder ein aufgeblasener Latex-Handschuh, von Draht in Form gehalten. Zählt der Inhalt oder die Verpackung - alles nur heiße Luft oder kreativer Freiraum, den es zu füllen gilt?

„Im Mittelpunkt unserer Arbeit stand die Frage, ob das Äußere wirklich das Innere widerspiegelt“, sagt die Kunsthistorikerin Ariane Grigoteit, die das Projekt begleitet hat. „Die Schüler haben sich mit Verpackungsästhetik, Image und ihrem Selbstbild beschäftigt.“

Minh Tran zeigt zwei Tusche-Zeichnungen

Ceren Aslan hat eine alte Zigarren-Dose fotografiert. Diffus spiegelt sich der Oberkörper der Künstlerin im blank poliertem Blech. „Auf das Motiv bin ich eher aus Zufall gestoßen“, sagt die 18-Jährige. „Es passt aber gut zu unserem Thema: Mein äußeres Erscheinungsbild erscheint verfremdet im Inneren der Box.“

Minh Tran zeigt zwei Tusche-Zeichnungen: Der Blick gleitet vom Inneren zum Äußeren, folgt einem schwarzen Viskose-Faden, der sich durch beide Bilder zieht und schließlich in einem Knäuel vor den Füßen des Betrachters endet. Das Motiv des Fadens findet sich auch in einer Foto-Serie der Leibniz-Schülerin wieder: In absurden Verrenkungen windet sich ein Model am Boden, nur die um ihren Körper gewickelte Viskose scheint sie vor dem Auseinanderreißen zu bewahren. „Den Schülern ist es gelungen, in ihren Arbeiten Emotionen und Gedanken zu visualisieren, Unsichtbares sichtbar zu machen“, sagt Grigoteit.

Unterstufenchor zitiert Mary Poppins

Während des Kulturabends gab es auch eine Menge zu hören. Beim Sommerkonzert „I Feel Pretty“ in der alten Turnhalle hörten die Gäste irische Tänze und asiatische Streicher-Arrangements, mitreißende Musical-Hits und bewegende Spirituals. Der Chor der 5. Klassen erteilte dem Publikum eine rhythmische Lektion in Intervallkunde: „Im Schatten einer Linde, träume ich von einer Quinte.“ Das Streicher-Ensemble Violinissimo spielt erst seit einigen Monaten, doch schon jetzt zeigen die vier Geigerinnen unter Leitung von Andrea Traxler eine gewisse stilistische Sicherheit: In getragenem Duktus intonierten sie das bekannte Seemannslied „Drunken sailor“, etwas flotter kommt „Hornpipe“ daher.

Der Unterstufenchor zitiert in seiner Musical-Gala Mary Poppins und die Aristocats, die Oberstufenschüler singen aus West Side Story. „Unsere Schule hat ein starkes musikalisches Profil und blickt auf eine lange Konzert-Tradition zurück“, sagt Schulleiter Ulrich Schmidt.

Kommentare