Jack Wolfskin statt WMF

Innenstadt: Tatze statt Edelbesteck

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Christian Fülbier, Inhaber des Jack-Wolfskin-Ladens im KOMM, möchte die WMF-Räume nur wenige Meter entfernt an der Großen Marktstraße übernehmen.

Offenbach - Die Befürchtungen, ein renommierter Laden in der Innenstadt könnte durch Ramsch ersetzt werden, scheinen unbegründet: Einen im März entstehenden Leerstand an der Großen Marktstraße füllt kein Billig-Basar, kein Backshop, kein Spielsalon und kein Telefoniershop. Von Veronika Schade

Tatsächlich wird aller Voraussicht nach eine renommierte Marke durch eine andere ersetzt. Wo derzeit noch Besteck und Haushaltswaren angeboten werden, könnte bald eine Verkaufsstätte für Trekkingschuhe und Windjacken mit der prägnanten Tatze sein. Wie bereits berichtet, schließt Ende März nach fast 50 Jahren die WMF-Filiale an der Großen Marktstraße. Der wahrscheinliche Nachfolger ist in der Stadt kein Unbekannter – die Outdoor-Marke Jack Wolfskin, deren Offenbacher Store bisher im benachbarten KOMM-Center anzutreffen ist.

„Der Vermieter und der potentielle Mieter stehen derzeit in Verhandlungen, einige finale Dinge sind noch zu klären“, bestätigt City-Managerin Birgitt Möbus auf Nachfrage. Christian Fülbier, Inhaber und Geschäftsführer des Jack-Wolfskin-Ladens, gibt sich zuversichtlich, dass es mit den neuen Räumen klappt. Diese sind zehn Quadratmeter größer als die bisherigen, doch das wichtigere Argument für den Umzug ist die Lage. „Ich rechne mit 400 bis 500 Prozent Frequenzsteigerung gegenüber dem KOMM“, sagt er.

Laufkundschaft fehlt

Sein Fünf-Jahres-Vertrag im Einkaufszentrum läuft zum Ende des Monats Juli aus. Eine Verlängerung kommt für Fülbier nicht in Frage. Er ist ein Mieter der ersten Stunde, hatte schon zur Eröffnung des Offenbacher Einkaufstempels den Laden im Obergeschoss. „Das erste Jahr lief noch ganz gut, die Menschen waren neugierig aufs neue Center, es wurde viel geworben“, erzählt der 40-Jährige. Auch sei der Outdoor-Markt in Deutschland zu diesem Zeitpunkt im Wachstum gewesen. Doch die Kundenströme hätten schließlich nachgelassen. „Weit unter dem, was uns als Frequenz versprochen worden ist“, sagt Fülbier. Sein primär durch Stammkunden erwirtschafteter Grundumsatz sei zwar „anständig“, aber eben nicht ausreichend.

Das Zentrum mit seiner elliptischen Form und den Rolltreppen auf nur einer Seite sei architektonisch nicht ganz glücklich gelöst, findet Fülbier: „Von 100 Leuten, die ins Center kommen, landen nur etwa 15 oben. Den langen Gang von der Rolltreppe weg nehmen die wenigsten. Auch die Beschilderung ist schlecht.“ Deshalb fehle es Jack Wolfskin an Laufkundschaft – was sich, ist der Franchise-Nehmer überzeugt, in den Geschäftsflächen direkt an der Großen Marktstraße ändern wird.

Auch die laufenden Kosten im Center bereiten dem Händler, der zwei feste Mitarbeiter und vier Aushilfen beschäftigt, Probleme: „Die Nebenkosten sind extrem hoch, trotzdem sind hohe Nachzahlungen üblich. Außerdem müssen wir einen Beitrag für Werbekosten leisten und sind an einen teureren Stromanbieter gebunden.“ Er freut sich, im künftigen Laden „meine Entscheidungen frei treffen zu können“.

Centermanager Frank Middendorf bedauert, dass „die Tatze“ das KOMM verlässt. Mit der Entwicklung der Kundenfrequenz im Center zeigt er sich zufrieden. „Ob die Zahlen realistisch waren, die den Mietern 2009 von Hochtief versprochen wurden, weiß ich nicht.“ Er kam 2012 nach Offenbach, als das Hamburger Unternehmen Koprian i.Q. das Einkaufszentrum übernahm. Koprian wolle mit einem eigenen Team von Haustechnikern, einem inzwischen anderen Reinigungs- und Sicherheitsdienstleister und weiteren Änderungen die Nebenkosten senken, erläutert Middendorf. Hinsichtlich der Architektur habe man sich Gedanken über „Korrekturmaßnahmen“ gemacht. „Sie können gespannt sein, hier tut sich noch viel Gutes“, verspricht Middendorf. Allerdings ohne Christian Fülbier.

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