In Innenstadt

Passanten zu Kunden machen

+
Die Zahl der Passanten in der Offenbacher Innenstadt hat seit der Eröffnung des KOMM (hier ein Bild vom jüngsten verkaufsoffenen Sonntag) zugenommen. Doch den Handel interessiert naturgemäß mehr die Zahl der Einkaufstüten. Da ist noch reichlich Luft nach oben.

Offenbach - Die subjektive Wahrnehmung ist nun empirisch durch die Goethe-Universität belegt: In der Innenstadt sind wesentlich mehr Leute unterwegs. Die Herausforderung besteht darin, aus den heutigen Passanten künftige Kunden zu machen. Von Martin Kuhn 

Bislang sind es nur nackte Zahlen: Es kommen mehr Leute in die Innenstadt. Das stimmt zwar zuversichtlich. Eine Vorgehensweise beziehungsweise ein Patentrezept zur weiteren positiven Entwicklung gibt das Datenmaterial nicht her. Dies wird gemeinsame Aufgabe von Politik, Verwaltung, Handel, Interessenvertretung und Gastronomie sein.

Lesen Sie zu diesem Thema auch: Eigentümer als wichtiger Schlüssel

Die einen nennen das Förderprogramm „Aktive Innenstadt“ als Grund, andere die Eröffnung des KOMM. Fakt ist: Von 2008 bis 2013 wurde an elf Zählstandorten eine Zunahme von Passanten um 22,6 Prozent festgestellt. Wobei sich die stetigen Steigerungen nach Spitzenzuwächsen in 2009 und 2010 allmählich abflachen. Die Verantwortlichen wollten’s aber etwas genauer erkunden: Wie bewerten die Besucher den Einkaufsstandort Offenbach? Unter Leitung von Professor Robert Pütz befragte das Geographische Institut der Goe-the-Universität nahezu 650 Passanten – mit teils unerwarteten Ergebnissen.

Die Offenbacher bewerten ihre Innenstadt weniger gut als die Kreisbevölkerung, wenn es um Einkaufsqualität und Verkehrssituation geht. Dies freut die Verantwortlichen, die das als große Chance für Offenbach erachten. Sicher kontraproduktiv wirken hingegen Stadtbild und Image. (Bild vergrößern)

Kurz: Die Besucherzahlen steigen, die Aufenthaltsdauer erhöht sich, es kommen mehr Kunden aus dem Kreis nach Offenbach, die City wird als Einkaufsort besser bewertet. Interessant: Während nahezu 90 Prozent der 15- bis 19-Jährigen im letzten Punkt ein Befriedigend bis Sehr gut abgeben, sind es bei den 50- bis 64-Jährigen gerade etwas mehr als 60 Prozent. Studentin Melanie Spies, die mit Stephan Borst das Projekt des Geographischen Instituts begleitet hat: „Mit New Yorker, H&M und anderen gibt es in Offenbach viele Geschäfte für junge Leute. Das finden diese toll.“ Es beinhaltet jedoch gleichzeitig, dass ältere Kunden damit unzufrieden sind. „Oft wird angeführt, dass es an Herrenausstattern mangelt.“ Da sind die Möglichkeiten von Politik und Verwaltung jedoch schnell erreicht. „Wir können die Geschäftsleute nur motivieren“, bekundet Oberbürgermeister Horst Schneider.

Erreichbarkeit der Innenstadt

Ein Hauptansatzpunkt, das betonte IHK-Geschäftsführer Frank Achenbach gestern vor Journalisten immer wieder, sei die Bevölkerung aus dem Kreis, die den hiesigen Einkaufsstandort durchweg positiver bewerte als der Offenbacher selbst. „Auswärtige Gäste nehmen die Veränderungen besser und anders wahr“, so Achenbach. Etwa die Umgestaltung von Alice- und Wilhelmsplatz, aktuell die Arbeiten auf dem Stadthof.

Und den neuen Marktplatz? Von Horst Schneider kommt ein klares Ja zum vieldiskutierten Schlussstein der Innenstadt-Formung: „Wir dürfen nicht nachlassen im öffentlichen Handeln.“ Frank Achenbach formuliert es abseits (verkehrs-)politischer Gewichtung: „Wichtig ist die Erreichbarkeit der Innenstadt; es geht ums Ob, nicht ums Wie.“

Entscheidender ist für den IHK-Geschäftsführer, die Offenbacher Stärken zu erhalten: Überschaubarkeit der Innenstadt, gutes Parkplatzangebot. „Das hebt uns ab von anderen Städten.“ Deutliches Signal an die Kreisbürger, deren Kaufkraft meist deutlich höher eingestuft wird als die der Städter. Von der Kammer favorisiert wird für alle Kunden ein Branchenmix mit kleinteiligem, individuellem Angebot: „Das ist das Salz in der Suppe.“

„Rock & Shop“ im Alten Schlachthof

Was derzeit Sorge bereitet, benennt Professor Dr. Robert Pütz: „Die gesteigerte Besucherfrequenz schlägt sich nicht eins zu eins durch auf den Umsatz.“ Heißt: Es dürfte gern etwas öfter in den Ladenkassen klingeln. Alle Beteiligten formulieren daher das Ziel: Aus Passanten müssen Kunden werden.

Die Chancen dafür stehen laut Professor Pütz gut und sind zugleich eine große Herausforderung. Immerhin stimmen die Ergebnisse der aktuellen Passantenbefragung positiv. „Sie ist ein kleiner Baustein mit dem richtigen Signal und einer wichtigen Botschaft“, freut sich Achenbach. Passantenströme und -zahlen sind stets ein Indikator für mögliche Neuansiedlungen. Es könnte sich gegenseitig beflügeln: Neue Geschäfte bringen neue Kunden, neue Kunden bringen neue Geschäfte.

Goethe-Universität wird 100 Jahre alt

Goethe-Uni wird 100 Jahre alt

Mehr zum Thema

Kommentare