Innenstadt für Siegesfeier abgeschottet

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Tote Hose auf Berliner Straße und Marktplatz: Leser Rüdiger Morgenweck fotografierte Tristesse, wo er fröhlichen Jubel erwartete.

Offenbach ‐ Seinen besonderen Reiz gewinnt öffentliches Feiern von Weltmeisterschaftserfolgen durch das Zusammenwirken von Autokorso und jubelnder Menge am Straßenrand. Von Thomas Kirstein

Wie haben Sie gejubelt? Verraten Sie es uns! Wie das geht, erfahren Sie unter „Fanbilder gesucht“.

Vorzugsweise gelingt das an zentralen Orten. Zumindest in fast jeder Umlandgemeinde und im Rest der Republik. In Offenbach aber wird neuerdings fein säuberlich getrennt. In konzertierten Aktionen halten die reguläre Polizei und ihre Helfershelfer von der städtischen Ordnungspolizei die Autokorsos vom Zentrum fern. Fans, die an Marktplatz oder Berliner Straße zu Fuß unterwegs sind, warten dort vergeblich auf den motorisierten Sieges-Umzug. Sie müssen sich zerstreuen und gucken, wo tatsächlich was los sein könnte.

So jubeln die Fans in der Region:

WM-Fan-Bilder aus der Region

So war nach dem Sieg gegen England erstmals Tristesse auf der einstigen angestammten Fußball-Feiermeile angesagt. Auch nach dem sensationellen 4:0-Triumph gegen Argentinien macht die Ordnungsmacht, wohl aus Sicherheitsbedenken, mit einer Order zur Stadtkern-Abschottung einen auf Spaßbremse.

Dumm also, wenn man wie der feierwillige Leser Rüdiger Morgenweck in Offenbach wohnt. Er bemüht Asterix und beschreibt eine Geister-City: „Ganz Deutschland feiert. Ganz Deutschland? Nein! Eine einsame hessische Großstadt hat den Fans den Kampf angesagt. Während sich deutschlandweit die Fans so zeigen, wie die Welt sie 2006 lieben gelernt hat - im fröhlichen Fahnenmeer auf Deutschlands Straßen - irren verstörte Fans in kleinen Gruppen über Offenbachs Marktplatz. Einzelne Vuvuzelas versuchen die Stille zu durchbrechen, während der Wind Blätter über die leeren Straßen wirbelt.“

An den Kreuzungen der Berliner Straße mit Markplatz und Kaiserstraße verwehren blaulichtblinkende Streifenwagen die Zufahrt. Möglich, dass der Busverkehr am Marktplatz nicht beeinträchtigt werden soll, möglich dass es Sorgen wegen eines baustellenbedingten Engpasses an der Ecke Marktplatz/Wald-/Geleits-/Bieberer Straße gibt. Weil in der Mitte nichts los ist, wird die feiernde Meute jedenfalls an die Peripherie verdrängt.

WM-Feierei wird oft mit Fastnacht verglichen

Auf der Dachterrasse des Sparkassengebäudes feiern Kunden und Mitarbeiter der Knolle-Societät die Sensation. Nach dem Abpfiff sehen sie eine verwaiste Berliner Straße, die sich beim Auftakt gegen Australien mit ihrer Breite und geräumigen Bürgersteigen als geradezu ideale Korso-Strecke erwiesen hatte. „Ich hatte ja gedacht, die Sperrung nach dem England-Spiel sei wegen des Mainuferfests erfolgt, aber offensichtlich ist unser Abschnitt der Berliner jetzt immer tabu“, bedauert ein Offenbacher Notar. Gegenüber, an der Ecke zum Großen Biergrund, warten enttäuschte Gäste der „Klause“ umsonst auf fahnengeschmückte Autos, denen sie zujubeln könnten.

WM-Feierei wird oft mit der Fastnacht verglichen. Was in Offenbach passiert, ist, als ob eine besorgte Polizei einen Rosenmontagszug weiträumig um wartende Narren herum lotste. Nach dem Achtelfinale hatte ein Polizeisprecher erklärt, man beobachte, was sich nach dem Spiel tue, und entscheide von Fall zu Fall. Dem Lagebericht der Polizei vom Samstag ist zu entnehmen: Der Stadtkern mit Waldstraße und Teilen der Berliner Straße sei vom Verkehr freigehalten worden; es habe sich lediglich massiv in der Kaiserstraße und der Mainstraße gestaut. 19.50 Uhr: Die Verkehrsmaßnahmen konnten aufgehoben werden.

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