Insolvenz von GOAB

„Zeche für das Versagen zahlen die Mitarbeiter“

Offenbach - Von der Schieflage in die Pleite.  Den schweren Gang der  GOAB-Geschäftsführer zum Amtsgericht bewerten die politischen Kräfte in der Stadt naturgemäß unterschiedlich.

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Während die Opposition beklagt, dass Mitarbeiter die „Säumnisse des Magistrats ausbaden müssen“ (CDU) und „die strategische Steuerung“ gefehlt habe (FDP), sprechen die Regierungskoalitionäre von einer „Chance für die Stadt“. Unstrittig scheint jedoch, dass die GOAB eine für die Stadt Offenbach eminent wichtige Arbeit leistet.

Gertrud Marx (SPD)

„Erneut zeigt sich, dass die rot-grüne Stadtregierung nur reagiert, aber nicht agiert“, urteilt FDP-Fraktionschef Oliver Stirböck. Unternehmerisches Handeln sei bei SPD und Grünen praktisch nicht vorhanden. Er begründet seine Einschätzung damit, dass fehlende Zuweisungen der Arbeitsverwaltung seit langem bekannt seien. Stirböck: „Insofern wäre ein frühzeitiges Konzept zur Neuausrichtung der Gesellschaft nötig gewesen.“ In anderen Kommunen gebe es die gleichen Voraussetzungen, dort sei jedoch früh reagiert worden. Und der Liberale gibt zu bedenken: Die Mentalität, Verluste stets aus dem städtischen Haushalt auszugleichen, habe sich in den Köpfen zu sehr festgesetzt.

Einleitung des Insolvenzverfahrens

Peter Freier (CDU)

Entsetzt, aber nicht überrascht zeigt sich CDU-Fraktionsvorsitzender Peter Freier über die Einleitung des Insolvenzverfahrens. „Die Vorzeichen für ein Ende des bisherigen Betriebs waren schon lange unübersehbar, weil das zugrundeliegende Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert.“ Die notwendigen Konsequenzen hätten die ehemalige Bürgermeisterin Birgit Simon (Grüne), der ehemalige Stadtkämmerer Michael Beseler (SPD) und aktuell Stadtrat Felix Schwenke (SPD) als Aufsichtsratsvorsitzender „schlicht verschlafen. Die Zeche für das Versagen zahlen die Mitarbeiter“, so Freier. Ihnen könne kein Vorwurf gemacht werden, betont der Unionspolitiker.

Susanne Schmitt (Grüne)

Von der Kritik sei Schwenke explizit nicht auszunehmen. „Als er im September 2012 ins Amt kam, hätte er umgehend reagieren können und müssen.“ Denn als in diesem Frühsommer Druck in die Angelegenheit kam, „war das viel zu spät“. Die CDU-Fraktion werde darauf drängen, „dass künftig in den Fachausschüssen regelmäßig informiert wird“, ist für Freier eine unausweichliche Konsequenz der Misere.

Die Grünen-Fraktionschefin Susanne Schmitt bedauert, „dass die Stadt die Mittel zur Aufrechterhaltung des Ausbildungsbetriebs nicht allein aufbringen kann“. Sie ist jedoch sicher, dass etwa IHK und Handwerkskammer „großes Interesse“ an der Fortführung dieser wichtigen Arbeit haben. Schließlich seien in der heutigen Zeit die Betriebe für jeden ausgebildeten oder für die Ausbildung fit gemachten Mitarbeiter dankbar, sagt Schmitt.

Recyclingzentrum und Ausbildungswerkstätten

Oliver Stirböck (FDP)

Für sie ist die GOAB durch den Betrieb des Recyclingzentrums und die Ausbildungswerkstätten „durchaus als Erfolgsgeschichte der Offenbacher Beschäftigungspolitik“ anzusehen. Für die Grünen-Politikerin trägt die schwarz-gelbe Bundesregierung eine Teilschuld, da die „das Förderniveau für öffentlich geförderte Beschäftigungspolitik seit 2010 sukzessive um nahezu die Hälfte des ursprünglichen Niveaus gesenkt habe“.

„Wir werden uns weiter für die Angebote der GOAB einsetzen“, gibt sich die stellvertretende SPD-Fraktionschefin Gertrud Marx kämpferisch. Sie lobt die Zusagen des Sozialdezernenten, die Ausbildungsförderung sicherzustellen und zu versuchen, „auch die Arbeitsplätze für niedrig qualifizierte Mitarbeiter zu erhalten“. Wichtig sei vor allem die Erhaltung der Ausbildungswerkstatt. „Gerade diese bietet in Offenbach eine Perspektive für derzeit 50 junge Menschen.“ Erst im vergangenen Jahr hätten alle Prüflinge ihren Abschluss geschafft. „Das zeigt, dass das GOAB-Ausbildungsteam hervorragend zusammenarbeitet“, betont Marx.

mk

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