„Insolvenz wird auch Zulieferer betreffen“

Offenbach (fp/psh) - „Das ist bitter!“ Der Frust über die Entwicklung bei „manroland“ war Offenbachs Stadtkämmerer Michael Beseler gestern anzuhören. Frustriert war der Wirtschaftsdezernent vor allem auch deshalb, weil „wir Politiker auch gar nichts tun können“.

Bei einem kurzfristigen Liquiditätsengpass hätte man ja noch über eine Hilfestellung reden können, so Beseler. Bei der Insolvenz eines Unternehmens mit Weltgeltung sei die Kommunalpolitik aber überfordert. Er könne zusammen mit den Beschäftigten nur hoffen, dass nach dem Verfahren möglichst viel vom Unternehmen übrig bleibt.

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Dr. Martin Gegenwart von der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Offenbach: „Die IHK Offenbach bedauert die Entwicklung bei „manroland“ und hofft, dass im Rahmen des Insolvenzverfahrens Teile des Unternehmens auch am Standort Offenbach erhalten bleiben. Die IHK wird sich dafür einsetzten, dass die 50 Auszubildenden, vornehmlich in gewerblich-technischen Berufen, ihre Berufsausbildung erfolgreich beenden können. Insbesondere die sehr gut ausgestattete Ausbildungswerkstatt sollte erhalten bleiben, da „manroland“ mit anderen Betrieben, die selbst nicht in allen Bereichen ausbilden, kooperiert. Die Insolvenz wird zudem die Zulieferer in der Region betreffen, obwohl einige bereits in den letzten Jahren vorausschauend ihre Abhängigkeit von „manroland“ verringert haben. Dennoch hoffen die Zulieferbetriebe, die bestehenden Aufträge fortführen zu können. Ein Übergang wird erforderlich und wirtschaftlich sinnvoll sein, da Maschinen von „manroland“ weiter gewartet und Ersatzteile geliefert werden müssen.“

Bilder von den Protesten der „manroland“-Mitarbeiter

Proteste der „manroland“-Mitarbeiter

Tarek Al-Wazir, Fraktionschef der Grünen im Landtag, äußerte sich „geschockt“: „Ich bin in der Senefelderstraße mit Blick auf das alte Stammwerk aufgewachsen. ,manroland’ gehört für mich einfach zu Offenbach. Man könnte verzweifeln, wenn man an verschwundene Betriebe wie Rowenta oder die Hoechst AG denkt, und deswegen hoffe ich sehr, dass die Insolvenz nicht das Aus bedeutet. Der Betrieb muss weiterlaufen, eine Insolvenz ist ja nicht gleichbedeutend mit dem Produktionsstopp. Alle, die etwas dazu beitragen können, den Betrieb zu retten, müssen jetzt aktiv werden!“

Stefan Grüttner, Hessens Sozialminister und CDU-Kreisverbandschef in Offenbach: „Im Mittelpunkt stehen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie ihre Familien.“ Gemeinsam mit der Regionaldirektion Hessen müsse geprüft werden, „welche Hilfsangebote unterbreitet werden können“.

Armin Schild, Leiter des IG Metall Bezirks Frankfurt: „Wir fordern Gläubiger, Anteilseigner und Vorstand auf, mit der IG Metall und den Betriebsräten gemeinsam an einem Fortführungskonzept zu arbeiten. Auch die Landesregierung und die Arbeitsverwaltung sind in der Pflicht, dass nicht tausende Arbeitnehmer und ihre Familien die Zeche für die Untätigkeit der Verantwortlichen zahlen müssen.“ Weiter hieß es: „Seit Wochen verhandelt die Gewerkschaft mit dem Vorstand und den Anteilseignern über einen Zukunftsplan für das Unternehmen. Seit Jahren hat die IG Metall Vorschläge und Konzepte für die Zukunft der drei deutschen Hersteller in der Druckmaschinenbranche vorgelegt, die gemeinsam den Weltmarkt weitgehend beherrschen.“ Diese Lösungen seien von den Vorständen und Anteilseignern „immer wieder aus Kurzsichtigkeit torpediert worden“.

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