Insolvenzverfahren eröffnet

GOAB: Perspektiven fürs Personal

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Die Fahrradwerkstatt bleibt als Teil der Ausbildungswerkstatt vorerst an der Mühlheimer Straße erhalten.

Offenbach - Das Insolvenzverfahren für GOAB wurde am 1. Dezember eröffnet: Große Teile des zerstückelten Unternehmens kommen zu neuen Trägern. 170 von 205 Mitarbeitern finden eine direkte Weiterbeschäftigung. Von Thomas Kirstein 

Die Gemeinnützige Offenbacher Ausbildungs- und Beschäftigungs-GmbH (GOAB) ist bald nur noch ein Stück Offenbacher Sozialgeschichte. Seit 1. Dezember befindet sich die fast hundertprozentige Stadt-Tochter in der Insolvenz. Eine GOAB neu oder Ähnliches werde es nicht mehr geben. Das machten gestern die Insolvenzverwalterin Petra Heidenfelder und der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende, Stadtrat Felix Schwenke, deutlich.

Das umfangreiche Angebot zur Ausbildung und Qualifizierung von Benachteiligten bleibt jedoch weitgehend bestehen, wenngleich zerstückelt und unter veränderten Trägerschaften. Positiv für die 205 Beschäftigten: Von ihnen wird am 1. Januar 2014 niemand auf der Straße stehen. 170 Mitarbeiter finden direkt eine Weiterbeschäftigung; 35 verlieren zwar ihren Arbeitsplatz, können sich aber in einer bis 15. Dezember zu gründenden Transfergesellschaft betreuen lassen.

Die GOAB ist seit 2010 in finanzielle Schieflage geraten, als der Bund seine Eingliederungshilfen für Arbeitslose halbierte und der Recyclingmarkt zusammenbrach. Der Sozialfirma machten zudem Verträge mit praktisch unkündbaren Mitarbeitern zu schaffen. Die Insolvenzverwalterin spricht vom „Wasserkopf“ in der Verwaltung.

Man brauchte vorerst die Rücklagen auf. Nach dem Verlust 2013 in Höhe von 800.000 Euro wäre Ende Januar die Zahlungsunfähigkeit eingetreten. Statt eine notwendige städtische Million in die Firma zu pumpen, zog Dezernent Schwenke die Notbremse. Die Geschäftsleitung wurde am 18. September zum Amtsgericht geschickt. Letzlich kostet diese Pleite die Stadt keinen Euro.

Weg frei für Transfergesellschaft

Nachdem sich im weiteren Verfahren abzeichnete, dass sich kein neuer Eigentümer für das Gesamtkonstrukt finden würde, suchte Sanierungsexpertin Heidenfelder Interessenten für Einzelteile. Tatsächlich können die meisten Angebote der vielfältig engagierten GmbH anderswo unterschlupfen. Nachdem Widerstände ausgeräumt sind und mit dem Betriebsrat ein Sozialplan vereinbart ist, ist der Weg frei für eine über zwölf Monate laufenden Transfergesellschaft für die nicht direkt Vermittelbaren.

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Perspektive fürs Recycling

Ein solches Auffangbecken war vom ESO zur Bedingung für den Kauf des GOAB-Recyclingzentrums gemacht worden: Der Stadtdienstleister übernimmt gern handfest schaffende Mitarbeiter, braucht aber keine zusätzlichen Verwaltungsleute für bereits abgedeckte administrative Aufgaben. Die lukrative Abteilung Garten- und Landschaftsbau hat einen Abnehmer gefunden. In dieses Geschäft steigt die Caritas ein. Für das Wohnservice-Team ändert sich vom Chefgesicht her wenig: Der langjährige GOAB-Geschäftsführer Jürgen Schomburg hat mit einer Kollegin eine neue Gesellschaft für Gebäudedienstleistungen gegründet. Sozusagen intern ist auch die vorläufige Lösung für die Ausbildungswerkstatt (66 Lehrlinge, neun Mitarbeiter, bekannt durch die Fahrradwerkstatt), für die sich noch kein Übernehmer gefunden hat. Insolvenzverwalterin Heidenfelder führt sie vorerst in Eigenregie, ist aber optimistisch, dass etwas Dauerhaftes aufzutun ist. Gespräche laufen unter anderem mit der Firma Pittler in Langen und der Fraport-Stiftung in Frankfurt.

Neue Träger gibt es für den Komplex Aus- und Weiterbildung in der Pflege. Dort hat das hessische Sozialministerium als Auftraggeber ein Wort mitzureden. Die Schwerbehinderten vermittlung soll über den 31. Dezember hinaus weiterlaufen. Keine Zukunft haben neben der Verwaltung die Produktionsschule, der Bügelservice, die Kantine und das Möbelkaufhaus für Bedürftige.

Eine Insolvenz muss nicht das Aus bedeuten

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In der Portionierung der GOAB sieht Insolvenzverwalterin Heidenfelder einen Verlust für die soziale Landschaft der Region: Gibt es doch jetzt keinen großen Träger mehr, der eine Vielfalt von Angeboten für Menschen vorhält, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben.

So muss sich die städtische Mainarbeit neue Anlaufstellen für zirka 150 Langzeitarbeitslose suchen, die bislang das Aktivierungszentrum der GOAB durchliefen. Ausschreibungen für Projekte wie 50plus laufen bereits, wie Sozialdezernent Schwenke berichtete. Wolle die Stadt doch weiter mit solchen Instrumenten eine eigenständige Arbeitsmarktpolitik betreiben. Künftig allerdings ohne die seit 1985 zum Flaggschiff gewordene GOAB.

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