Kindertagesstätte wird erweitert

Dauerhaftes Miteinander

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Und jetzt alle... Beim symbolischen Spatenstechen für den Neubau schaufeln die Jüngsten besonders eifrig. Und als sie das Buddeln und Matschen unterbrechen müssen, heißt es schon mal frustriert: „Manno!“

Offenbach - Politiker lieben das Spatenstechen. Es steht symbolisch für Aufbruch und Neuanfang. Den wagt die Behindertenhilfe für Stadt und Kreis in dieser Woche gleich zweimal – gestern in Offenbach,  morgen in Dietzenbach. Von Martin Kuhn

Es sind wegweisende Projekte. Am hiesigen Martin-Luther-Park erweitert die integrative Kindertagesstätte ihr Angebot um bis zu 36 Plätze in der U3-Betreuung. Wichtig: Behinderte Jungen und Mädchen sind ausdrücklich willkommen! Laut Zeitplan sollen die ersten Kinder im Sommer 2014 den Erweiterungsbau mit Leben füllen.

So soll’s im Juni 2014 an der Groß-Hasenbach-Straße aussehen: Der Erweiterungsbau füllt die Fläche zwischen Hochbunker und Wohnbebauung, die heute als Parkplatz genutzt wird. (Bild vergößern)

Bei sonnigem Herbstwetter strahlen dem Anlass entsprechend Hessens Sozialminister Stefan Grüttner, Offenbachs Stadtrat Felix Schwenke, Behindertenhilfe-Geschäftsführer Jürgen Großer, Parlamentarier, Erzieher, Eltern. Für Grüttner wiederholt sich am Rande der Innenstadt die symbolische Handlung. Vor 22 Jahren tat er dies für die integrative Kita, gestern für deren Erweiterung. Der CDU-Politiker erinnert sich gut an damalige Debatten, ob es zu verantworten sei, behinderte und nicht-behinderte Kinder in einer Einrichtung gemeinsam zu betreuen: „Zum Glück sind wir heute ganz weit weg von dieser Diskussion.“ Heute sei dies selbstverständlich. Und dazu habe die Behindertenhilfe entscheidend beigetragen.

Inklusion ist eins der Leitthemen 2013: Kinder mit und ohne Behinderung sollen gemeinsam lernen dürfen. Die Inklusion kommt nur langsam voran, obwohl es in Deutschland großen Bedarf gibt: Etwa eine halbe Million Kinder und Jugendliche sind behindert. Wie’s vorbildlich funktioniert, zeigt die Kita Martin-Luther-Park, die Grüttner seit Jahren begleitet: „Kinder mit und ohne Handicaps lernen sich spielerisch kennen. Das gleichberechtigte Miteinander wird dauerhaft praktiziert. In fünf Gruppen betreuen Erzieher 75 Jungen und Mädchen, davon 25 mit teils mehrfacher Behinderung. Die Verantwortlichen sind sicher, dass die Inklusion auch mit bis zu Dreijährigen klappt: „Für uns ist das eine Selbstverständlichkeit.“

Gruppengröße und Personalschlüssel entscheidend

Damit es gelingt, sind wohl zwei Faktoren entscheidend: Gruppengröße und Personalschlüssel. Grüttner hofft, dass es in Hessen darüber eine Einigung „spätestens bis zur Inbetriebnahme gibt“. Sozialdezernent Schwenke sieht in der Inklusion eine Herkulesaufgabe; für ihn verbunden mit der Hoffnung, „dass die Gemeinden nicht auf den Kosten sitzenbleiben“.

Fakten des 1,44-Millionen-Projekts: Für drei U3-Gruppen entsteht ein eigenständiges zweigeschossiges Gebäude an der Groß-Hasenbach-Straße. Im Erdgeschoss gibt’s zwei Gruppenräume à 36 Quadratmeter mit je zwei Schlaf- und Nebenräumen für die U3-Betreuung, im Obergeschoss zwei Multifunktionsräume für Therapie und Elternarbeit, einen Gruppenraum mit Schlaf- und Nebenraum sowie eine Terrasse.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Das Hessenland fördert die Erweiterung zu etwa einem Drittel – mit 430.000 Euro für Bau und Ausstattung. Bedeutet im Umkehrschluss: Die Behindertenhilfe muss für die Erweiterung „hohe Eigenmittel aufbringen“. Daher wirbt Geschäftsführer Jürgen Großer unverhohlen für einen guten Zweck: „Wir freuen uns über jede finanzielle Unterstützung durch Stiftungen und Sponsoren.“

Obwohl die drei U3-Gruppen erst im Sommer 2014 öffnen, können sich interessierte Familien bereits an Kita-Leiterin Ulrike Bach wenden. Sie ist erreichbar unter 069/8007950.

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