Interkultureller Cola-Vergleich

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Mecca-Cola hat den Teilnehmern die Brücke geschlagen zwischen ihrer Herkunft, dem Orient, und ihrer Heimat, dem Okzident. Im Stadtteilbüro Nordend präsentierten sie das Resultat ihres Projektes in Form einer Broschüre: (von links) Mahmut, Moussa, Mahsun und Halim. Hinten: Bernd Rosenheim, Dr. Hanneke Heinemann, Wolfgang Malik und Agnes Thoelking.

Offenbach - Was unterscheidet den Orient von der westlichen Welt? Wie kann Kunst in diesem Zusammenhang Brücken bauen? Diesen Fragen gingen jugendliche Teilnehmer des Projekts „Orient, Okzident, Nordend“ nach. Von David Heisig

Initiiert durch den Künstler Bernd Rosenheim machten sich acht Jungs aus dem Nordend auf die Suche nach Antworten. Die Ergebnisse finden sich in einer neuen aufklärenden Broschüre.

Was Orient, Okzident und das Offenbacher Nordend verbindet, haben die Jugendlichen des Quartiers auf einen einfachen Nenner gebracht: Mecca-Cola. Zuvor hatten sie sich die Ausstellung „Orient-Okzident“ im Rosenheim-Museum angesehen. Projektvater und Museumsstifter Bernd Rosenheim gelang es so, die jungen Teilnehmer an die Kunst heranzuführen.

„Ich wusste nur was Orient ist“

Und so kam eines zum anderen: Auf einem Bild war ein Mann mit einer Limo-Dose zu sehen. Rosenheim konnte sich damals nicht vorstellen, dass es Mecca-Cola wirklich gibt. Der Kommentar eines Teilnehmers: „Die gibt’s bei uns im Laden.“ Und schon war die Brücke zwischen Kunst und Realität gebaut, hatte das Projekt den Einstieg geschafft. Bei insgesamt zehn Treffen wurde den Teilnehmern zwischen 14 und 17 Jahren der Blick auf die Kunst und vor allem der Bezug zum eignen Alltag im oftmals konfliktträchtigen Viertel vermittelt. Die Jugendlichen sollten einen genauen Blick auf ihren Stadtteil bekommen, auch wenn es um etwas so scheinbar Triviales wie eine Brause geht. „Ich wusste nur was Orient ist“, erzählt der 13-jährige Moussa. Dass der Okzident der Teil der Welt ist, indem sie nun leben und der für sie Heimat bedeutet, war vielen der Jungs nicht bewusst.

Zudem haben sie viel gelernt, merkt ein anderer Teilnehmer an. Zum Beispiel, was Ornamente sind und dass diese im Orient die Darstellung von Gesichtern in der Kunst ersetzen, da Menschen als Abbild des Göttlichen im Islam nicht gezeigt werden dürfen. So hat sich die Gruppe dann auch ausgerüstet mit Einwegkameras auf die Suche nach Ornamenten im Nordend gemacht. Herausgekommen sind zahlreiche Fotos vom Viertel. Zusätzlich malten sie eigene Bilder mit Acrylfarben.

„Den Jugendlichen sind neue Welten erschlossen worden“

Die Resultate hat Rosenheim zusammen mit Projektleiterin Hanneke Heinemann und Wolfgang Malik vom Jugendzentrum Nordend und natürlich den Teilnehmern in einer Imagebroschüre präsentiert. Im Herzen des Nordends, im Stadtteilbüro in der Bernardstraße. Kunsthistorikerin Hanneke Heinemann: „Bezweckt werden sollte, dass Bildungsarbeit mit Kultur in Offenbach auf hohem Niveau möglich ist. Darauf sind wir stolz und das wollen wir auch zeigen.“ Rosenheim: „Den Jugendlichen sind neue Welten erschlossen worden.“

Eingebettet war die Aktion in der bundesweiten „Stärken vor Ort“-Kampagne, die Jugendarbeit und Integration fördert. Dr. Michael Koch vom Jugendamt bringt es etwas flapsig auf den Punkt, wenn er von einem „interkulturellen Colavergleich“ spricht, damit aber genau das Ziel der Arbeit umreißt. Wichtig ist den Organisatoren, dass die Broschüre anderen Menschen zeigt, wie man in diesem Bereich arbeiten kann. Die Bilder aus dem Malkurs sind in der Kinder- und Jugendbücherei zu sehen. Finanziert wurde das Projekt mit rund 5 000 Euro aus Bundes- und EU-Mitteln. Die Broschüre soll an Schulen und in den Jugendzentren ausgelegt werden.

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