International ausgerichtet

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Gib Gummi: Hostess Sandra präsentiert Besuchern auf der IKA KART 2000 die neusten Kartmodelle.

Offenbach - Noch in den achtziger Jahren galten deutsche Piloten in der Formel 1 nicht unbedingt als Erfolgsgaranten. Vor Michael Schumacher gab es durch Wolfgang von Trips und Jochen Mass in 32 Jahren gerade mal drei deutsche Siege. Von Stefan Mangold

„Heute kommen ständig Deutsche nach“, beobachtet Botho Wagner die Entwicklung in der Königsklasse des Automobilsports. Allein deshalb braucht der frühere Kart-Rennfahrer in seinem Metier wohl keinen Einbruch zu fürchten, wie ihn beispielsweise der Tennissport erlebte, seitdem keine deutschen Spieler mehr Wimbledon gewinnen. Schließlich kommen alle, die in der Formel 1 heute ihre Runden drehen, aus dem Kartsport. Dieser gewann nach den Erfolgen von Michael Schumacher ungemein an Popularität in Deutschland.

Ohnehin richtet sich Wagner mit der IKA KART 2000 international aus: „Seit Jahren sind wir weltweit die führende Messe.“ Vier amtierende Weltmeister schauen die Tage vorbei. Michael Schumacher und Sebastian Vettel gingen auch schon durch die Hallen. Wagner kennt sie seit ihrer Kindheit.

Wetter ist für eine Messe ideal

Zusammen mit seiner Frau Alice organisiert er die Messe zum 20. Mal. Im Ruheraum sitzt Wagners alter Freund Hans-Jürgen Hoth, mit dem sich der Veranstalter in früheren Jahren auf diversen Rennstrecken im Kart duellierte. Seit Beginn unterstützt Hoth die Wagners. Ständig klingelt ein Handy. Einmal, weil in einer Halle versehentlich Alarm ausgelöst wurde und Botho Wagner den Hausmeister ausrufen muss. Ein anderes Mal hebt Alice Wagner ab und ruft kurz darauf jemanden an, der irgendwo eine Unebenheit im Teppich begradigen soll. „Damit niemand stolpert.“

Gut läuft es in den ersten Stunden. Das Wetter ist für eine Messe ideal. Niemand will bei diesem Regen spazieren gehen, mit dem Auto kommt man aber locker durch. „Auch die Straßen aus Österreich und der Schweiz sind frei.“ Am Nordring hat Wagner neben Parkplätzen auch für einen Shuttlebus gesorgt. Denn seine Kunden „haben ihre Füße nur für Gas und Kupplung, nicht zum Laufen“. Insgesamt informieren sich am Wochenende mehrere tausend Besucher über die Neuheiten.

Aus mehr als 30 Ländern kommen die 560 Anbieter, die sich am Wochenende in der Messehalle etliche der 120 Stände teilen. „Bei der ersten Messe waren es 31 Stände.“ Wagner weiß das so genau, weil von diesen immer noch acht dabei sind, die er heute zum Jubiläum ehrt. Ebenso wie den „Schrauber des Jahres“. Der Mechaniker Felix Brunnmüller bekam im Internet die meisten Stimmen der Szene. Als beste Kartstrecke wählten die Hobby- und Rennfahrer die von Templin. Auf seine Stammaussteller ist Wagner stolz.

Sogar Firmen aus Pakistan sind unter den Ausstellern

„Eine ungewöhnliche Kontinuität“, findet er. Denn das Geschäft wandele sich ähnlich schnell wie die Karts, die es jetzt auch in Elektroversionen gibt. „Die können 160 Kilometer fahren“, sagt Hans-Jürgen Hoth. Der Nachteil sei im Moment jedoch noch, „dass nach 20 Minuten der Akku leer ist.“ Das Aufladen dauere eine halbe Stunde. Die Karts der Profis erreichen über 250 Stundenkilometer.

Sogar Firmen aus Pakistan sind unter den Ausstellern. Ein Land, das nicht unbedingt als Mekka des Motorsports gilt. „In der Industriestadt Sialkot produzieren etliche Hersteller Rennkleidung“, nennt Wagner den Grund. Nicht nur Karts, auch sämtliches Zubehör bieten die Betreiber der Stände an, von der Stoppuhr bis zum Reifendruckprüfer.

Wer will, kann sich seinen Kopfschutz farblich individuell gestalten lassen, um auch optisch auf der Strecke zu punkten. Die meisten Aussteller stammen aus Deutschland. Es folgen die Italiener. Über den französischen Hersteller Sodi habe sich bei seinem Besuch am Samstagmorgen der Kämmerer Michael Beseler besonders gefreut, berichtet Wagner. Sodi präsentierte sein neues Modell, benannt nach einer Stadt: Offenbach.

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