Internationale Kinderbuchausstellung

Kunterbuntes Lesevergnügen

Kuratorin Elke Rauer hat diesmal 497 Bücher aus acht Ländern für die Internationale Kinderbuchausstellung im Klingspormuseum zusammengetragen.   J Fotos: Georg

Offenbach - Das Publikum ist meist jung, die Schau dagegen ein altbewährter und fester Termin zum Jahresausklang: Zum 58. Mal lädt das Klingspormuseum zur Internationalen Kinderbuchausstellung. Von Veronika Schade 

Museen sind normalerweise stille Orte, an denen lautes Kinderlachen und forsches Anfassen eher unerwünscht sind. Anders bei der Internationalen Kinderbuchausstellung, die zum 58. Mal im Klingspormuseum stattfindet. Schon bei der Eröffnung am Freitagabend geht es temperamentvoll zu: Zwölf Schüler der Trommel-AG der Waldschule schlagen rhythmisch und mitreißend auf ihre Instrumente und entlocken Museumsleiter Stefan Soltek die verschmitzte Frage: „Danke für die dynamische und energische Vorstellung. Lest ihr denn auch so, wie ihr spielt?“.

Erfahrungsgemäß sind die großen und kleinen Besucher tatsächlich eifrige Leser, wie Kuratorin Elke Rauer weiß. Wenn sie von einem Buch zwei Exemplare bekommt, landet nur eins in der Vitrine. Das andere darf auf den Lesetischen ausgiebig begutachtet werden. „Es gibt Bücher, die überleben die Ausstellung nicht“, berichtet die 62-Jährige, die seit 1989 im Klingspormuseum für die Schau zuständig ist. „Anfangs mit dem früheren Chef, dann wurde es immer mehr meins“, sagt sie lächelnd und spricht mittlerweile von einer „Lebensaufgabe“.

Die gezeigten Bücher sind Neuerscheinungen des Jahres. „Vor allem suche ich sie nach den Illustrationen aus, aber es ist schön, wenn auch eine anständige Geschichte dabei ist“, erklärt Rauer. In diesem Jahr kamen 497 Bücher ins Haus, davon 275 aus Deutschland und 212 aus Österreich, Schweiz, Italien, Ungarn, Finnland, Japan und dem Iran.

Früher war es einfacher

Dass es diesmal wieder so viele schöne Bücher sind, freut sie, aber einen Wermutstropfen gibt es doch: „Es war früher einfacher, an die Bücher zu kommen, die meisten Verlage haben sie von sich aus geschickt. Das tun heute nur noch wenige.“ Die Akquise ist aufwändig und beansprucht im Grunde das ganze Jahr. Rauer schreibt Verlage an, bittet um Schenkungen, erklärt die Ausstellung genau, hält den Kontakt auch im Nachhinein, indem sie Rezensionen und Artikel an die Verlage schickt und sich einzeln bedankt. „Der persönliche Kontakt ist wichtig und muss gepflegt werden.“ Der finanzielle Spielraum bei den Verlagen sei kleiner geworden – auch im Ausland. „Länder wie Kanada und Australien sind weggebrochen, weil ihnen die Versandkosten zu hoch wurden“, bedauert Rauer.

Aus dem Iran stammt diese schöne Kinderbuchillustration.

Die Ideen, wo sie welche Bücher auslegt, entwickelt die Verwaltungsangestellte erst beim Einrichten. „Sie müssen thematisch zusammenpassen, zum Beispiel ABC-Bücher, Problembücher, oder Märchen“, lautet ihr Kriterium. Themen wie Tod („Baum der Erinnerung“) und Krieg („Akim rennt“) finden sich ebenso wie Tiergeschichten. Sachbücher lassen sich kaum noch von Bilderbüchern unterscheiden, vermitteln Wissenswertes mit herrlichen Illustrationen. Die Besucher der Ausstellung sind meist Kindergärten, Schulklassen, aber auch Sammler und Illustratoren. „Wer die Ausstellung in Ruhe sehen will, sollte erst nachmittags kommen“, rät Rauer. Die Bücher, die am Ende „überleben“ und nicht ins Museumsarchiv kommen, werden an Schulen und Kindergärten geschenkt. Einige iranische Bücher aus den vergangenen Jahren sind noch übrig. „Wenn sich iranische Kinder finden, die sie möchten, können sie sich bei mir melden“, sagt die Kuratorin.

Karten im Kartoffeldruck

Die Sonderschau ist der Illustratorin Tatjana Hauptmann gewidmet, die bereits im Alter von 13 Jahren an der Werkkunstschule Offenbach zugelassen wurde. Ab 1970 zeichnete sie beim ZDF unter anderem Mainzelmännchen. Das Museum zeigt ihre Originalzeichnungen zu „Das große Balladenbuch“, „Geschichten aus Tausendundeiner Nacht“, „Tom Sawyer und Huckleberry Finn“. Ebenfalls an der Wand zu sehen sind Originalillustrationen von Catrin Raber zu ihrem Buch „Sinfonica Fantastica“.

Wie immer gibt zur Ausstellung ein reichhaltiges Begleitprogramm für Familien, Schulklassen und Kindergärten, das im Klingspormuseum angefordert werden kann. Die erste Veranstaltung ist am Freitag, 13. Dezember, 15 bis 16.30 Uhr, und trägt den Titel „Oh Tannenbaum“: Weihnachten steht vor der Tür, und auch die Kinderbücher erzählen von dieser Zeit im Jahr. Die Teilnehmer (ab fünf Jahren) hören eine ausgewählte Weihnachtsgeschichte und sammeln Symbole für diese Zeit. Anschließend gestalten sie Karten im Kartoffeldruck.

Die Schau ist im Klingspormuseum (Herrnstraße 80) bis 2. März zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag, Donnerstag, Freitag von 10 bis 17, Mittwoch von 14 bis 19, Samstag, Sonntag und Feiertag von 11 bis 16 Uhr. Geschlossen jeweils montags, 24./25. und 31. Dezember, 1. Januar.

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