Internet verstärkt Suchtrisiko

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Vor allem junge Männer zwischen 18 und 29 gelten als gefährdet.

Offenbach - Beim Poker wird „der Traum vom Tellerwäscher zum Millionär“ suggeriert, das macht das Kartenspiel so attraktiv und gleichzeitig so gefährlich, glaubt Daniela Senger-Hoffmann von der hessischen Landestelle für Suchtfragen. Von Niels Britsch

„18 Prozent der Online-Pokerspieler gelten als gefährdet – vor allem junge Männer im Alter zwischen 18 und 29 Jahren“, so die Expertin für Glücksspielsucht. Erste Symptome einer Abhängigkeit seien Nervenkitzel, Anspannung, Glücksgefühle und Allmachtsfantasien, das höchste Suchtrisiko gehe von Kartenspielen im Internet aus. Zum Schutz der Betroffenen gelten strikte Regeln: „Der Glücksspielstaatsvertrag ist unsere Bibel, der Spieler- und Jugendschutz steht im Vordergrund.“

Nach dem seit 2008 geltenden Gesetz ist Poker ein Glücksspiel, „denn man muss ein Entgelt bezahlen, um eine Gewinnchance zu haben“, bezieht sich Senger-Hoffmann auf Paragraph  3 der Regelung. Die Expertin weist außerdem auf den Unterschied zwischen einer Verhaltenssucht und einer Substanzabhängigkeit hin: „Die Selbstmordrate bei Glücksspielern ist höher als bei Drogensüchtigen.“ Sie verteidigt das strikte Glücksspielverbot außerhalb von Kasinos: „Wie kann man den Online-Bereich kontrollieren, wenn Pokern im Netz legalisiert würde?“

Staatlich kontrolliertes Angebot statt Verbot

Psychologe Tobias Hayer beschäftigt sich an der Uni Bremen mit dem Thema Spielsucht und Pokern. „Das Gefährliche ist, dass der Spieler den eigenen Einfluss auf den Ausgang über-

schätzt“, beschreibt er die Gefahren des Pokerns. Er glaubt, dass der Zufalls- den Geschicklichkeitsanteil überwiegt. „Wenn ich gewinne, habe ich gut gespielt, wenn ich verliere, hatte ich schlechte Karten“, beschreibt er die psychologische Falle des Spiels. Das Suchtpotenzial von Online-Poker sei wegen der hohen Verfügbarkeit groß, „und durch die bargeldlose Zahlung verliert der Spieler schnell den Überblick über die getätigten Einsätze.“

Hayer warnt davor, die Gefahren des Online-Pokerns zu verharmlosen, allerdings wirft er die Frage auf, ob ein Internet-Verbot den Spielerschutz erfüllen könne: „Wenn sich etwas etabliert hat, ist es immer schwierig, es wieder einzuschränken.“ Er vermutet, dass das bestehende Verbot „nicht zielführend ist“. Stattdessen schlägt er ein staatlich kontrolliertes Angebot auch im Internet vor. Explizit spricht er sich allerdings gegen einen offenen Wettbewerb aus: „Der Markt ist äußerst lukrativ und da stehen handfeste Geschäftsinteressen dahinter. Bei einer Freigabe des Marktes würden die Anbieter immer wieder neue Spielanreize setzen.“

Ähnlich wie Pokerspieler unterscheidet auch Hayer zwischen den Pokervarianten und vor allem zwischen Cash-Game und Turnier poker. In der Schweiz sei diese Unterscheidung sogar gesetzlich festgelegt. „Man kann diskutieren, ob Cash-Game gefähr licher ist.“ Doch Hayer betont, dass für ihn auch Turnierpoker „kein Sport“ ist.

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