Abgeordneter warnt vor Werbeaktionen

„Mütter und Väter werden weinen“

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Ismail Tipi

Offenbach - Der Landtagsabgeordnete Ismail Tipi kritisiert seit langem mit scharfen Worten radikale Muslime: die Salafisten. Unser Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey fragte bei dem Integrationsexperten der CDU-Landtagsfraktion nach.

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Die Gefahr durch Salafisten ist nach Ansicht von Experten für Hessen nicht gebannt. Wie ist Ihre Einschätzung?  

Es sind sehr berechtige Sorgen, denn gerade die Rückkehrer aus Syrien sind besonders gefährlich. Sie haben Kampferfahrung gesammelt und sind in der Regel noch radikalisierter. Zudem besteht die Gefahr, dass sie zu „Schläfern“ werden, also „Zeitbomben“ in unserer Gesellschaft, die jederzeit Anschläge verüben könnten. 

Warum ist die aktuelle Lage besonders besorgniserregend? 

Inzwischen gibt es mehr als 300 Jugendliche allein aus Deutschland, die von Salafisten bei Koran-Werbeaktionen auf der Straße oder via Internet belogen, radikalisiert und nach Syrien geschleust wurden. Nach einer rudimentären Kampfausbildung werden sie als Kanonenfutter direkt an die Front geschickt. Die konvertierten Salafisten sind die schlimmsten Kämpfer im syrischen Bürgerkrieg. Sie gelten als besonders skrupellos und vergewaltigen, morden und entführen Menschen, die nicht ihren Auffassungen folgen wollen. 

Sie gehen davon aus, dass sich die Situation zuspitzt ... 

Ja! Es wird zukünftig noch schlimmer werden, denn die Salafisten sind heute schon in mehr als sechs europäischen Ländern aktiv und sprechen jeden Tag mehrere hundert Jugendliche an. In den nächsten Wochen und Monaten besteht daher die Gefahr, dass viele Jugendliche ihre Elternhäuser verlassen und im Bürgerkrieg in Syrien oder neuerdings auch im Irak landen. Es werden noch mehr Mütter und Väter, Brüder und Schwestern sowie Großeltern um ihre Söhne, Töchter, Geschwister und Enkel weinen. Es geht dabei nicht nur um junge Männer. Vermehrt werden inzwischen auch weibliche Jugendliche gezielt von den Salafisten ausgewählt, um die ,Kampfkraft’ der Gotteskrieger zu stärken.

Im Paradies mit 72 Jungfrauen, Dienst für Allah, Märtyrertod – den Jugendlichen wird ja viel versprochen ... 

Genau. Neu ist auch, dass die Salafisten Jugendliche gegen Bezahlung verpflichten. Es gibt Informationen, wonach mehrere hundert Jugendliche gegen Bezahlung nach Syrien geschleust wurden und dort als bezahlte Gotteskrieger im Auftrag der Salafisten kämpfen. Angeworben werden sie bei sogenannten Benefizveranstaltungen, Fußballturnieren – aber auch an unseren Schulen; in „Zaungesprächen“ auf dem Pausenhof werden oft erste Kontakte geschlossen. Im Moment gibt es kaum eine Schule, an der Jugendliche nicht von Salafisten kontaktiert werden. Schlimm daran ist, dass es inzwischen nur noch wenige Schulen in Deutschland gibt, in der nicht schon salafistisch geprägte Jugendliche im Unterricht sitzen. Im Frühjahr werden sie in Fußgängerzonen im ganzen Land unterwegs sein und noch aktiver über das Internet werben. 

Seit langem kritisieren Sie die „LIES-Aktion“ von Salafisten, die auch in der Offenbacher Fußgängerzone gratis den Koran verteilen. Warum? 

Die kommen im Gewand freier Religionsausübung daher. Inzwischen gibt es aber Beweise, dass sowohl die Hintermänner der Aktionen sowie Sympathisanten aktiv an den Kämpfen in Syrien teilnehmen.

Sie setzen sich für radikale Gegenmaßnahmen ein ... 

Wir müssen viel stärker aktiv werden. Ich fordere schon lange, dass ausländische Extremisten schnellstmöglich ausgewiesen werden. Zudem müssen wir Möglichkeiten finden, um Salafisten, die aktiv an Kampfhandlungen teilnehmen oder zur Gewalt aufrufen, die deutsche Staatsbürgerschaft abzuerkennen. Dafür müssen wir die entsprechenden gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen. Ich selbst werde mich vermehrt für Präventionskampagnen an unseren Schulen einsetzen.

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