„Es muss auch bezahlbar bleiben“

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Bernd Petermann: „Die Situation in unserem Grundwasser als Rohstoff für die Trinkwasseraufbereitung für die Region ist nicht so, dass wir uns Sorgen machen müssen.“

Offenbach/Rodgau - Wir benutzen es  ständig, ganz selbstverständlich - zum Duschen, Waschen, Kochen und natürlich auch zum Trinken.

Aber was wissen wir eigentlich über das kostbare Gut? Wie  gut ist  unser Wasser? Vor welchen Herausforderungen stehen die Wasserwerke? Unser Redaktionsmitglied Peter Schulte-Holtey fragte Bernd Petermann, Geschäftsführer beim Zweckverband Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO) in Rodgau. Das Versorgungsgebiet der Organisation umfasst die Stadt Offenbach und die Kommunen des Kreises Offenbach. Ferner werden die Stadtteile Steinheim und Klein- Auheim der Stadt Hanau und die Gemeinde Messel im Kreis Darmstadt-Dieburg beliefert.

Ärger mit Arzneimitteln und Medikamenten im Abwasser; die Kläranlagen können die darin enthaltenen Wirkstoffe nicht ausfiltern. Wie sollten die Wasserwerke reagieren?

Arzneimittel und Medikamente gehören nicht in die Gewässer - weder in Flüsse und Seen noch in das Grundwasser! Das ist eine immer wieder vorgetragene Forderung und Position der deutschen Wasserwirtschaft, sowohl auf Bundesebene, wie auch auf der Ebene der Europäischen Union. Dies geschieht praktisch durch den Bundesverband der Deutschen Energie- und Wasserversorger. Das ist keine leere Worthülse, sondern lässt sich nachprüfen. Vor dem Hintergrund der anstehenden Beratungen in Bundestag und Bundesrat fordert der Verband beim neuen Pflanzenschutzgesetz deutliche Nachbesserungen im Sinne des Ressourcenschutzes.

Bereiten Ihnen Nitrate im Wasser Kopfschmerzen?

Die Verordnung zur Trinkwasserqualität sieht für Nitrat einen sogenannten Grenzwert vor, der nicht überschritten werden darf. Ganz aktuell setzt das Land Hessen auch in diesem Zusammenhang die Wasserrahmenrichtlinie des Bundes um.

Sie beraten auch Bauern in der Region?

Genau - im Auftrag des Landes. Es gibt zum Beispiel Empfehlungen für die Felddüngung. Außerdem leistet der ZWO im Rahmen seiner Schutzgebiete für das Grundwasser auch Zahlungen in Abhängigkeit von der Nitrat-Konzentration im Boden an die Landwirte. Je niedriger der Nitrat-Gehalt in den Böden der Landwirte, desto höher erfolgt die Ausgleichszahlung. Das ist ein wesentlicher Beitrag zur Qualitätssicherung des hiesigen Grundwassers.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen der Zukunft für die Wasserwerke?

Besonders wichtig ist die Frage der Nachhaltigkeit, was in Hinblick auf den Generationenvertrag geschieht: Heute für die Wasserversorgung von morgen zu sorgen. Wasser muss unbedenklich genießbar, aber auch bezahlbar bleiben. Wir stellen uns regelmäßig die Frage nach geeigneten Maßnahmen, um eventuell notwendige Verbesserungen zu erreichen. Das ist unser täglich Brot – und das mit der Kartellbehörde „im Nacken“.

Sie kritisieren auch, dass bei der Frage nach den Zukunftsaufgaben immer wieder reflexartig nur die Wasserversorger ins Spiel gebracht werden ...

Ja - leider! Diese Betrachtungsweise greift viel zu kurz. Es sind bei diesem Thema viel mehr Akteure beteiligt, die hier in die Verantwortung zu nehmen sind. Insbesondere sind hier der Industriekomplex der Pharma- und Chemieunternehmen, die Kommunen und deren Siedlungsentwicklungspolitik, das Land mit seinem erst vor kurzer Zeit verabschiedeten Landesentwicklungsplan sowie die Landwirtschaft zu nennen. Die Wasserversorger der Rhein-Main-Region haben sich schon seit Langem zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen. Für mich ist bei der Arbeitsgemeinschaft Wasserversorgung Rhein-Main ganz wichtig, insbesondere die politisch Handelnden als auch die öffentliche Verwaltung immer wieder für ihre Verantwortung zu sensibilisieren, die sie gerade auch in dieser Hinsicht haben. Das heißt für mich natürlich auch, dass die Rechte zur Grundwassernutzung für die Sicherung der öffentlichen Trinkwasserversorgung Vorrang genießen müssen vor allen anderen, von privaten Interessen geleiteten Grundwasser- oder auch Bodennutzungen.

Dies kann zu einem Interessenkonflikt führen ...

Ja - die politisch gewünschte Ansiedlung oder Erweiterung von Unternehmen oder Standorten zur Schaffung oder Sicherung von Arbeitsplätzen einerseits - Stichwort Kiesabbau - und die Sicherung des Grundwassers nach Qualität und Menge andererseits, sorgen im Versorgungsgebiet des ZWO und darüber hinaus immer wieder für entsprechende Interessensabwägungen. Dabei müssen sich die Wasserversorger immer wieder neu unter Beweis stellen, um ihren öffentlichen Versorgungsauftrag nicht nur gegenwärtig, sondern eben auch in der Zukunft erfüllen zu können.

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