Zufrieden mit dem Sozialen

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Wenn alles glatt geht, ist Birgit Simon nächsten Donnerstag Beigeordnete im Regionalverband.

Offenbach - Die Mehrheiten in der Kammer des Regionalverbands FrankfurtRheinMain stehen. Insofern dürften die Tage von Birgit Simon als erster Bürgermeisterin Offenbachs gezählt sein. Von Matthias Dahmer und Thomas Kirstein

Wenn nicht noch etwas Außergewöhnliches eintritt, wird die 54-jährige Grüne am Dienstag, 29. Februar, zur hauptamtlichen Beigeordneten des Verbandes gewählt und am 1. März in Frankfurt ihren Dienst an der Seite von Verbandsdirektor Heiko Kasseckert (SPD) antreten. Die gebürtige Freiburgerin, Mutter einer Tochter und zweier Söhne, kam 2003 als Sozialdezernentin nach Offenbach.

Bis dahin war die studierte Politikwissenschaftlerin und Soziologin Leiterin der Stabsstelle „Zentrale Steuerungsunterstützung“ beim Kreisausschuss des Wetteraukreises. Im September 2006 wurde sie in Offenbach zur Bürgermeisterin gewählt, im vergangenen Jahr trat sie erfolglos als Oberbürgermeister-Kandidatin an.

Frau Simon, erinnern Sie sich noch an den 4. September 2011?

Simon: Klar erinnere ich mich an den Abend.

Die Enttäuschung darüber, dass Sie nicht in die Stichwahl gekommen sind, nur 17,59 Prozent der Stimmen erhielten, stand Ihnen ins Gesicht geschrieben.

Ja, das kann ich schon bestätigen. Nur das mit der Stichwahl stimmt nicht. Ich hatte mir mindestens 20 Prozent ausgerechnet. Ich glaube, das haben Sie da gesehen.

War das der Abend, an dem Sie sich schon innerlich von Offenbach verabschiedet haben?

Nein, das hatte nichts damit zu tun. Ich bin gern Bürgermeisterin. Ich habe mich auch um die Themen gekümmert, die mir persönlich wichtig sind und wo ich mich auskenne. Eine Kandidatur ist ein politischer Akt für die eigene Partei und für bestimmte Werte.

Eine Woche vor Verkündung ihrer Kandidatur für den Regionalverband haben sie uns noch versichert, Bürgermeisterin in Offenbach bleiben zu wollen. Verraten Sie uns, wer Sie vom Wechsel überzeugt hat?

Ich hatte am Tag ihrer Anfrage oder zwei Tage vorher den Grünen gerade die Absage erteilt. Und zwar dem grünen Fraktionsvorsitzenden in der Verbandskammer. Deswegen konnte ich mit Fug und Recht sagen, nein, ich gehe nicht.

Und zwei Wochen später?

14 Tage später hat die Grünen-Fraktion in der Verbandskammer nochmal angefragt und gesagt: Birgit, wir brauchen dich wirklich und allen Ernstes, überleg’ es dir doch bitte. Da bin ich ein zweites Mal in die Phase gekommen, zu überlegen, ist es nicht doch eine zukunftsweisende Aufgabe für dich. Und dann musste ich natürlich schnell entscheiden. Und da habe ich „Ja“ gesagt.

Wer oder was hat letztlich den Ausschlag gegeben?

In dieser Frage hat auch der Landesvorsitzende (der Offenbacher Tarek Al-Wazir, Anm. d. Red.) erst gebremst und dann ermutigt. Aber letztlich habe ich für mich selbst entschieden. Ich glaube auch, dass mein Partner viel dazu beigetragen hat.

Welche Aufgaben erwarten Sie beim Regionalverband? Sind die reizvoller als die im finanziell gebeutelten Offenbach?

Das kann man nicht unmittelbar vergleichen. Das sind Aufgaben auf einer übergeordneten Ebene. Vielleicht hat es auch mit Neugierde zu tun. Ich war jetzt achteinhalb Jahre in Offenbach politisch aktiv. Zu meinen neuen Aufgaben wird unter anderem der Flächennutzungsplan für die Aufstellung des Windenergieplans für Südhessen gehören.

Was wird Birgit Simon beim Rhein-Main-Regionalverband für die Stadt Offenbach bewegen können?

Dort hat man natürlich nicht nur eine Stadt im Blick. Aber ich weiß, wo in Offenbach der Schuh drückt, und kann ein Auge etwa darauf haben, wo und wie Wirtschaftsförderung und Kulturförderung und anderes mehr auch bei dieser Stadt ankommen.

Vermutlich sind die Positionen des Verbandes nicht immer mit denen der Stadt Offenbach unter einen Hut zu bringen. Wie gehen Sie denn mit möglichen Interessenskonflikten um, die zum Beispiel Stefan Grüttner als Staatsminister und Offenbacher CDU-Vorsitzender nur zu gut kennt?

Grüttner sitzt ja hier in der Stadtverordnetenversammlung. Das tue ich nicht. Ich habe mein Stadtverordnetenmandat nicht angenommen. Insofern ist das schon ein qualitativer Unterschied, ob ich in der Stadtverordnetenversammlung einem Antrag zustimme, den ich auf Landesebene abgelehnt hätte oder nicht. Das wird bei mir nicht die Konfliktlinie sein.

Blicken wir auf Ihre Offenbacher Zeit zurück: In welcher Funktion haben Sie am meisten für die Stadt erreichen können, als Sozial-, Umwelt- oder Verkehrsdezernentin?

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In den Bereichen Bildung, Jugend und Integration konnte ich das meiste erreichen. Die Kinderbetreuung wurde ausgebaut, die Integrationsarbeit hat eine neue Qualität und Ernsthaftigkeit bekommen und zeigt sich in ihrer Wirksamkeit. Auch was den Übergang von Schule und Beruf, die Integration in Ausbildung betrifft, sind Erfolge zu verzeichnen. Das hat natürlich auch damit zu tun, dass diese Themen getragen wurden. Die Koalition hatte sich das Thema Bildung auf die Fahne geschrieben, deswegen konnten wir mehrere tausend Kindergartenplätze und Krabbelstubenplätze schaffen. Auch wenn wir immer wieder mit Widrigkeiten zu kämpfen haben, wie mit den Lärmschutzzonen.

Was heißt das?

Das heißt konkret, dass wir gerade zwei Kitas haben, die wir ausbauen wollen, die aber in der Tageschutzzone 2 liegen, wo ein Ausbau nur noch mit Ausnahmegenehmigung möglich ist. Ich bin vergangene Woche schon mit dem Regierungspräsidenten zusammengesessen, um zu klären, wie man diese Ausnahmen regelt. Zumal wir den Ausbau vorantreiben müssen, weil sonst die Eltern gegen die Stadt klagen können. Dieses Dilemma muss jetzt zwingend und sofort aufgelöst werden. Wir haben jetzt die ersten Schritte erarbeitet, wie das gehen kann. Der RP macht das ja auch zum ersten Mal.

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