Interview mit Jos Diegel

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Jos Diegel

Wenn sich die Berühmtheiten der Filmbranche noch bis nächsten Sonntag bei der 62. Berlinale in der Bundeshauptstadt treffen, sind auch vier junge Offenbacher Filmemacher dabei. op-online.de sprach im Vorfeld mit Jos Diegel, einem 29-jährigen Alumni der Hochschule für Gestaltung (HfG).

Was begeistert Sie am Filmemachen?

Weiß man das denn immer so genau? Die wenigsten von uns fahren an das Meer, sondern an das Bild, das wir vom Meer haben. Man kommt im Film nicht darum herum, etwas abzubilden, etwas zu behaupten oder zu lügen. Aber das kann ja auch in einer Form geschehen, die das Ganze durchschaubar macht und meine Rolle als Realisateur und die Rolle der Schauenden reflektiert. In guten Filmen weiß man sofort, wer gelogen hat. Gute Kunst zeigt, wie sie hierher kam und warum sie nicht bleiben kann. Vielleicht sagt das etwas darüber, was mich als Künstler und Filmemacher beschäftigt.

Was bedeutet es für Sie, Ihren Film in Berlin präsentieren zu dürfen?

Das ist natürlich spektakulär! 2009 wurde bereits im Rahmen der ersten HfMA-Rolle mein Experimentalfilm „Größere Leinwände längere Hälse“ auf der Berlinale gezeigt. Und jetzt wieder. Der 64-minütige Film „Kein Heldentum und keine Experimente“ geht demnächst auf Festivals und in andere Kontexte. Und darum ist es selbstverständlich schön, dass der Trailer zu „Kein Heldentum und keine Experimente“ auf der Berlinale zu sehen ist!

Warum sollte man sich Ihren Film nicht entgehen lassen?

Ich wollte versuchen, einige Situationen zeigen, die mir durch den Kopf gegangen sind. Im Film wollte ich Menschen verhandeln, die tatsächlich Protagonisten ihrer eigenen Geschichte, alles zu verändern in der Lage und handlungsfähig sind und dann nicht nur scheinbar zur Verschleierung jener Mechanismen und Verhältnisse, die dann letztlich doch das Schicksal des Einzelnen bestimmen. In dem essayistischen, zuweilen komischen Filmexperiment agieren die Schauspieler, eine junge Frau, eine Reporterin, ein Schauspieler, ein Polizist und ein Wanderer und die Protagonisten einer Gesprächsrunde als Prototypen ihrer Rolle in permanenter Selbstreflexion. Sie erscheinen im ständigen Diskurs mit sich selbst, dem Film und mit dem Realisateur und Autor. „Kein Heldentum und keine Experimente“ ist ein postdramatischer Film. Sobald man einen roten Faden erkennt, flüchtet man vor dem, was in dem Film wirklich verhandelt wird. In diesem Film kommt das rote Fluchtauto erst zum Schluss.

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