KOMM feiert sein fünfjähriges Bestehen

„Den Kunden überraschen“

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Trotz Online-Shoppings kann der stationäre Handel immer noch punkten, sagt Center-Manager Frank Middendorf. Mitte Januar 2015 soll der Umbau des Einkaufzentrums starten.

Offenbach - Frank Middendorf ist seit November 2012 als Manager für das KOMM verantwortlich. Im Interview stellte er sich den Fragen von OP-Redakteur Matthias Dahmer.

Mit der Eröffnung des KOMM war in Offenbach die Hoffnung verbunden, dass die Innenstadt einen Attraktivitätssprung erlebt. Hat sich diese Hoffnung aus Ihrer Sicht erfüllt?

Die Innenstadt hat sehr wohl einen Attraktivitätssprung erlebt. Die Fußgängerzone erfährt seit Beginn des Städtebauförderungsprogramms „Aktive Innenstadt“ im Jahr 2008 kontinuierliche Besucherzuwachs. Von 2008 bis 2013 wurde an bestimmten Zählstandorten in der Innenstadt insgesamt eine Zunahme um 23 Prozent festgestellt. Die Frankfurter Straße, der Aliceplatz und die Große Marktstraße haben seit der Eröffnung des KOMM sowie der Umgestaltung des Wilhelmplatzes stark an Besuchern gewonnen.

Wie stellt sich die Situation fürs KOMM selbst dar? Ohne dass Sie Geheimnisse verraten – liegen Besucherzahlen und Umsatz über oder unter den Erwartungen, mit denen man 2009 angetreten ist? Falls man drunter liegt – was sind die Ursachen?

Mit welchen Erwartungen man 2009 angetreten ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Koprian iQ, die seit Oktober 2012 als Betreiber das KOMM Center verantwortlich betreut, kann aber Steigerungen im Besucher- und Umsatzbereich verzeichnen.

Nach wie vor sind einige Ladenflächen leer. Wie sieht es mit der Vermietung aus?

Die Unternehmen Vodafone und Faeble House habe sich gerade im Center angesiedelt. Der Kunstverein Offenbach am 10. Oktober. Der Jeans-Spezialist „Mavi“ wird ebenfalls im Oktober seine Türen öffnen. Sie sehen, wir befinden uns in einem Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist. So etwas geht nicht einfach auf Knopfdruck.

Sie haben einen umfassenden Umbau angekündigt. Welche Erkenntnisse haben in nur fünf Jahren dazu geführt, dass an der baulichen Konzeption etwas geändert werden soll?

Einkaufszentren sollen Plätze des Austausches sein und ein geselliges Miteinander ermöglichen: nicht nur zum Einkaufen, sondern auch zum Arbeiten, Treffen mit Freunden oder zum Entspannen. Dafür sind unter anderem eine Brunnenanlage, Pflanzen, noch mehr Licht, mehr Ruhezonen und ein zusätzliches Rolltreppenpaar geplant. Wir wollen einen zentralen Marktplatz schaffen, von dem aus Besucher neben dem Einkaufen noch andere Erledigungen machen können. Man muss Kunden überraschen und unterhalten. Nachdem sie gemäß dem Motto „Geiz ist geil“ konsumiert haben, etabliert sich momentan der Trend namens Lifestyle.

Wann beginnt dieser lange angekündigte Umbau?

Der Umbau wird ab Mitte Januar 2015 starten und endet aller Voraussicht nach im September 2015. Geplant ist eine großen Wiedereröffnungswoche. Während der gesamten Umbauphase geht der Verkauf bei uns im Center natürlich weiter.

Im Vergleich zu anderen Einkaufszentren muss das KOMM mit der Preisgestaltung eines privaten Parkhausbetreibers leben. Halten Sie die vergleichsweise hohen Gebühren für nachteilig oder für eine vernachlässigenswert Größe?

Das private Parkhausbetreiber Einkaufszentren bewirtschaften ist durchaus üblich. Unser Partner Q-Park arbeitet bereits langjährig mit diversen Einkaufszentren zusammen, wobei sich die Qualitätsansprüche beider Seiten optimal ergänzen. In der Regel spiegelt die Höhe der Parktarife die Situation wider, die sich aus den vertraglichen Verpflichtungen bezüglich Fixpacht, steigender Energiekosten und Personaleinsatz für den Betreiber ergibt. Daneben richtet sie sich nach Lage und Zentralität und ist daher relativ zu sehen. Für die Besucher des KOMM ist es sehr komfortabel, direkt vor Ort parken zu können. Zudem beschränkt sich der Parkbetrieb nicht nur auf Centerkunden, sondern dient durch seine erweiterten Betriebszeiten dem gesamten Umfeld. Zur Zeit arbeiten wir mit dem Betreiber Q-Park an der Einführung eines Rückvergütungssystems für alle Kunden. Dafür führen wir Gespräche mit allen Einzelhändlern des KOMM. Je mehr Händler sich beteiligen, umso attraktiver wird es für den Kunden sein.

Was könnte die Stadt tun, um den Handel in seinem Bestreben zu unterstützen, noch mehr Kunden in die City zu locken?

Ich persönlich bin sehr dankbar über den guten Kontakt und die kurzen Wege zur Stadt. Schauen Sie sich die Gestaltung des Stadthofes an, dann den neuen, zentralen Wohnraum, der geschaffen wird. Offenbach ist eine der wenigen Städte, in denen sich Kreativwirtschaft und Wirtschaftsförderung vertragen. In Offenbach liegt sehr viel Potential für einen Wandel.

In unserer Zeitung war es dieser Tage nachzulesen: Laut einer Umfrage des Einzelhandelsverbands HDE klagen fast drei Viertel der rund 1200 befragten Einzelhändler über sinkende Besucherzahlen. Fast jeder Dritte spricht sogar von einem starken Rückgang. Als Schuldigen hat der Verband den Online-Handel ausgemacht, der zu weiterem Ladensterben und einer Verödung der Innenstädte führen wird, heißt es. Sehen Sie die Zukunft auch so schwarz?

In der Tat besteht eine Gefahr für unsere vitalen und attraktiven Innenstädte in Deutschland. Ohne den Handel könnten viele Standorte veröden. Politik und Handel müssen gemeinsam Wege suchen, um beispielsweise durch eine intelligente Vernetzung von Handel, Verkehr, Gastronomie, Kultur und Freizeit die Attraktivität der Städte zu erhalten. Aber wer heute Basics im Versand bestellt, sucht eine Woche später beim Kauf von Konfektion vielleicht das große Shoppingerlebnis mit Bummel, Beratung sowie Kaffee und Kuchen in der GastroEcke des Modehauses. Mit Schaufenstern, Ladeneinrichtung, guten Mitarbeitern, Licht und Musik kann der stationäre Handel immer noch punkten.

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