Interview mit Experten

Ehrlich und glaubhaft - so klappt’s mit der MPU

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Verkehrspsychologin Christina Heil.

Offenbach - Für Verkehrsteilnehmer gelten seit Mai neue Regeln. Der Führerschein ist dann schon bei acht Punkten weg, anstatt wie bisher bei 18 Punkten.

In der teils emotionalen Diskussion untergegangen: Auch die Regeln der medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) haben sich geändert. Eine der ersten Anlaufstellen dafür ist die Löwenstraße 4-8. Dort betreibt die Arbeitsgruppe Wildhof, ein vom Land anerkannter Suchthilfeträger und größter Träger der Suchthilfe für Stadt und Kreis, ein Zentrum. Mit Verkehrspsychologin Christina Heil und Suchtberater Peter Wiegand sprach Redakteur Martin Kuhn.

Die MPU – im Volksmund Idiotentest – wird oft als Schikane und Willkür angesehen. Ist dem so?

Ganz klar: Nein. Dass dieses Gefühl bei den Betroffenen allerdings entstehen kann, verstehen wir gut. Wer sich nicht bei einer seriösen Stelle auf die MPU vorbereitet und sich nur im Internet informiert, geht häufig mit völlig falschen Vorstellungen und Informationen aus. Fällt die MPU dann negativ aus, ist der Ärger natürlich groß. Im Umkehrschluss gilt also: Wer die Beurteilungskriterien kennt, weiß auch, worauf es ankommt und wie man die MPU bestehen kann.

Ab 1. Mai gelten Änderungen. Tenor: Das Verfahren soll transparenter werden. Das heißt im Umkehrschluss, dass es bislang nicht transparent gewesen ist...

Die größte Veränderung sind die neuen Kriterien des verkehrs- und strafrechtlichen Bereichs. Für „Punktetäter“ gibt es nun seit dem 1. Mai auch klare Kriterien, für sie ist die MPU somit transparenter geworden. Bei Alkohol- und Drogenauffälligkeiten haben sich Kleinigkeiten verändert. Das war zuvor schon transparent - allerdings müssen sich Betroffene selbstständig um diese Informationen bemühen.

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Was hat sich Entscheidendes geändert? Und sehen Sie darin Vorteile?

Vorab: In der Zusammenschau aller Veränderungen können diese ganz klar als Verbesserung bewertet werden. Bei Drogenauffälligkeiten ist für Betroffene wichtig zu wissen: Für den Nachweis, ein Jahr drogenfrei gelebt zu haben, müssen seit Mai nun zwei Haaranalysen anstatt einer abgegeben werden - die erste nach sechs, die zweite nach weiteren sechs Monaten. Haarlänge: jeweils sechs Zentimeter!

Alternativ zu den Haaranalysen kann die Drogenfreiheit – und auch die Alkoholabstinenz – über Urinkontrollen nachgewiesen werden. Bessere Messkriterien und Analyseverfahren sorgen dafür, dass die Aussagekraft der Ergebnisse von Urinkontrollen steigt.

Viele, die zu Ihnen kommen, fühlen sich sicher als Versager, Delinquent, Sünder... Da müssen Sie wohl zunächst psychologische Aufbauarbeiten leisten.

Ganz im Gegenteil: Die meisten Betroffenen kommen in die erste Beratung vor allem verärgert, fühlen sich ungerecht behandelt. Somit ist der erste Schritt, immer zu informieren, welchen Sinn hat die MPU und welche Regeln gelten für mich, dass ich die MPU beim ersten Versuch bestehen kann. Am Ende der Vorbereitung, nachdem wir einige Gespräche geführt haben, sind viele Betroffene sogar froh, dass die MPU sie dazu angeregt hat, ihr Verhalten zu überdenken.

Da ist vielleicht mit einem Vorurteil aufzuräumen: Die MPU ist nicht allein für Alkoholsünder vorgeschrieben...

Richtig. Eine MPU kann auf alle Verkehrsteilnehmer zukommen, dazu zählen auch Fahrradfahrer und Fußgänger, die den Straßenverkehr gefährden. Auch diese können bei Verstößen oder Auffälligkeiten die Aufforderung zu einer MPU bekommen. Bei Drogenkonsumenten reicht es sogar aus, wenn die Behörde von dem Drogenkonsum Kenntnis erhält. Die häufigste Fragestellung der Behörde steht allerdings nach wie vor im Zusammenhang mit Alkohol am Steuer. Der zweithäufigste Anlass einer MPU ist Drogenkonsum, und die kleinste Gruppe stellen die „Punktetäter“.

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Falls es in aller Kürze geht: Welche Bedingungen sind zu erfüllen, um wieder am Straßenverkehr teilnehmen zu dürfen?

Die Bedingungen sind abhängig von der jeweiligen Geschichte des Betroffenen und können sich somit von Fall zu Fall unterscheiden. Für Drogenkonsumenten gilt in der Regel ein Jahr Nachweis der Abstinenz von Drogen aller Art. Für Personen, die mit Alkohol aufgefallen sind, kommt es auf die Biografie an, ob ein Abstinenz-Nachweis nötig ist.

Wie ist das zu verstehen?

Im psychologischen Gespräch möchte der Gutachter die Konsumgeschichte in Zusammenhang mit der Lebensgeschichte des Betroffenen kennenlernen und verstehen, welche Gründe es im Leben des Betroffenen gab, Alkohol oder Drogen zu konsumieren. Der zweite Teil dreht sich um die Zeit der Verhaltensveränderung. Wie habe ich es geschafft, meine Gewohnheiten zu verändern? Welche Vorteile und Nachteile erlebe ich durch meine Abstinenz? Der letzte Teil des Gesprächs beschäftigt sich mit der Zukunft: Wie kann ich weiter auf meine alten Gewohnheiten verzichten?

Und das funktioniert?

Generell wichtig ist es, ehrlich und glaubhaft zu sein. Das klingt banal, aber auswendig gelernte Antworten, Lügen, Verschönerungen sind die häufigsten Gründe für eine negative MPU.

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