Investition zum Wohl der Stadt

+
Blick von hinten auf die Backstein-Villa im Dreieichring 24: Der Anbau aus den späten 60er-Jahren (rechts) soll künftig mit Holz verkleidet oder verputzt werden. Dann komme die Villa besser zur Geltung.

Offenbach - Die Planungen zum Umbau des alten Stadtgesundheitsamts in ein Kinder- und Schulhaus sind abgeschlossen. Die Stadtwerke Offenbach Holding (SOH) hat den Bauantrag eingereicht und will im Mai mit den Arbeiten beginnen. Von Alexander Koffka

Ende August soll eine private Erasmus-Grundschule mit 26 Kindern starten. Kindergarten und Krabbelstube könnten spätestens drei Monate danach öffnen, sagte gestern SOH-Projektleiter Stephan Keil. Insgesamt böten Villa und Anbau im Dreieichring 201 Kindern Platz.

SOH-Geschäftsführer Joachim Böger begründete, warum es sinnvoll sei, mehr Geld in die Immobilie zu investieren, als für Schul- und Kitabetrieb notwendig wäre. Für 600 000 Euro zusätzlich könne man das Gebäude auf einen modernen Standard bringen, sichere langfristig den Wert und ermögliche eine Vermarktung auch jenseits der geplanten Nutzung. Zu „optionalen Varianten“ zählt Böger ein Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung, das den Energieverbrauch reduziere, einen Aufzug sowie den kompletten Ausbau des Dachgeschosses im Anbau.

Böger wies Vorwürfe aus der SPD zurück, wonach die Kosten für das Projekt aus dem Ruder liefen. Tatsächlich habe die SOH in einer groben Schätzung die Umbaukosten zunächst auf 3,1 Millionen Euro taxiert. Diese Einschätzung sei dann in einer Genehmigungsplanung geringfügig verändert worden - auf 3,25 Millionen Euro. Hinzu kommen nun 600 000 Euro für jene „optionalen Varianten“. Ob die tatsächlich realisiert werden, sei noch offen. „Wir sind aber gut beraten, es zu tun.“

Doch könnten diese 600 000 Euro wohl nicht auf die Miete umgelegt werden, die die gemeinnützige Erasmus GmbH als Trägerin des Kinder- und Schulhauses an die Stadtwerke zahlen soll. Bislang war stets von einer „Kostenmiete“ die Rede, die dem künftigen Mieter abverlangt werde. Davon machte Böger nun erstmals Abstriche: „Wenn es uns um die Rendite ginge, müssten wir an eine Rechtsanwaltskanzlei vermieten.“Der nun geplante Umbau folge städtebaulichen und strukturpolitischen Zielen und sei zum Wohl der Stadt.

Um die Umbau- und Kaufpreiskosten für die Immobilie zu refinanzieren, müsste die Erasmus GmbH deutlich mehr als 20 000 Euro monatlich berappen. Das allerdings würde den Träger wohl überfordern - trotz der üblichen städtischen Betriebskostenzuschüsse für Kindergarten- und Krippenplätze sowie der monatlich 450 Euro, die Eltern der Schulkinder zahlen.

SOH-Prokurist Dieter Lindauer berichtete, die Verhandlungen mit der Erasmus GmbH seien noch im Gange - er rechne bis Ende April mit einer Einigung auch über den Mietpreis.

Nach einem Umbau wird die Villa, die 1899 als erste im Dreieichring errichtet worden ist, samt Anbau 2 200 Quadratmeter Nutzfläche bieten. Der Innenhof hinter dem Anbau wird 1,5 Meter tiefer gelegt, um das bisherige Souterrain zum vollwertigen Erdgeschoss aufzuwerten. Auf der Höhe des Verbindungsgangs zwischen Villa und Anbau entsteht eine Caféteria. Während im Anbau Kindergarten und Grundschule untergebracht sind, residieren Verwaltung und Krabbelstube in der denkmalgeschützten Villa. Die romantisch-verwinkelte Wohnung in deren Obergeschoss soll aus baurechtlichen Gründen leer bleiben - was allerdings ein Jammer wäre.

Kommentare