Investor Andrzej Lyson zur Entwicklung im Hafen

„Auch das Nordend wird sich verändern“

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Andrzej Lyson Bestens gelaunt bei der Eröffnung des Quartierzentrums waren (von links): Bürgermeister Peter Schneider, Andrzej Lyson und OB Horst Schneider.

Offenbach - Er hat das neue Quartierszentrum im Hafen gebaut, auf dem als Infrastruktur-Einrichtung nicht wenige Hoffnungen ruhen. Ein Gespräch mit Investor Andrzej Lyson über den Hafen, dessen Bedeutung für die Stadtentwicklung und über seine Jugend in Offenbach.

Herr Lyson, mit Vornamen heißen Sie Andrzej, das ist der polnische Name für Andreas. Sind Sie auch in Polen geboren?

Ja, ich bin in Krakau geboren und habe dort auch meine Kindheit verbracht. 1961 bin ich dann mit 14 Jahren nach Offenbach gekommen und bin hier auch aufgewachsen.

Wie lange haben Sie in Offenbach gelebt?

Das waren etwa drei, vier Jahre gewesen. Meine Familie hat in der Mainstraße gewohnt. Wir sind dann zwar nach Frankfurt gezogen, doch in Offenbach bin ich weiter zur Schule gegangen. Mein Abitur habe ich an der Rudolf-Koch-Schule gemacht.

Sie kennen das Nordend und insbesondere das Mainufer also recht gut.

Ja, da bin ich ja wirklich aufgewachsen. Bei Hellas habe ich gerudert. Damals hat Offenbach noch völlig anders ausgesehen. Die Berliner Straße gab es so noch gar nicht. Heute vollzieht Offenbach immer noch eine sehr spannende Entwicklung und ich glaube, vor allem auch das Nordend wird sich stark verändern. Da bin ich mir ganz sicher. Die Strukturen des Stadtteils werden sich ähnlich entwickeln wie im Frankfurter Nordend. Die alte Bausubstanz und die Mischung der hier lebenden Menschen, darunter immer mehr Künstler und andere Kreative, das ist sehr reizvoll.

Wie haben Sie als Jugendlicher den Hafen erlebt?

Der Hafen war damals eigentlich überhaupt nicht zugänglich. Nur mit dem Ruderboot sind wir damals zu diesem Uferabschnitt des Mains und in das Hafenbecken gelangt. Die Stadt hat aber schon sehr früh damit begonnen, den östlichen Teil ihres Mainufers anzulegen und so zu gestalten, dass man sich dort aufhalten kann. Die meisten Frankfurter wissen gar nicht, dass Offenbach über solch ein attraktives Mainufer verfügt. Weiter östlich, in der Naturlandschaft des Mainbogens bei Bürgel und Rumpenheim, glaubt man gar nicht, so nahe bei Frankfurt zu sein.

Welches Verhältnis haben Sie heute zu Offenbach?

Ich lebe zwar in Frankfurt, habe aber nie wirklich Distanz zu Offenbach entwickelt. Wir veranstalten ja hier immer noch unsere Klassentreffen. Zwei, drei meiner sehr guten Freunde sind aus Offenbach und wir treffen uns hier regelmäßig. Ich kenne die Stadt also noch gut.

Ein Frankfurter engagiert sich in Offenbach. Das ist angesichts der früher gepflegten Rivalität beider Städte bis heute nichts Selbstverständliches.

Ich glaube nicht, dass bei Investitionen die Rivalität zwischen Städten eine große Rolle spielt. Als Investor bin ich eher zufällig nach Offenbach gelangt. Vor sechs Jahren sprach mich der ehemalige Frankfurter Planungsdezernent Martin Wentz an. Er hatte die Entwicklung des Hafens Offenbach eine Zeit lang betreut und die Stadt Offenbach auf unser Riedberg-Zentrum aufmerksam gemacht. Im Juni 2009 wurden wir dann von Seiten der Stadt Offenbach angerufen. So habe ich zum ersten Mal davon erfahren, was im Hafen geplant war. Für mich war das damals ganz lustig, weil ich eigentlich der einzige war, der sofort wusste, um welches Gebiet es sich genau handelt. Und dies ist dann eigentlich auch der Hauptgrund gewesen, warum ich in Offenbach investiert habe.

Was hat sie als Investor am Hafen Offenbach gereizt?

Die Idee des Hafens, eine Industriebrache in ein neues Stadtviertel mit Wohnen, Arbeit, Bildung und Freizeit umzuwandeln und wie das organisiert wird, das finde ich sehr gut. Ich bin überzeugt, dass das ein sehr schönes Projekt ist. Unser Zentrum hat da gut hinein gepasst.

Für die Stadtentwicklung ist der Hafen ein besonders wichtiges Projekt.

Ja natürlich. Und um auf die von Ihnen angesprochene frühere Rivalität von Offenbach und Frankfurt zurückzukommen: Das ist Vergangenheit. Frankfurt und Offenbach gehören heute zusammen, bilden zusammen mit anderen Kommunen die Metropolregion Rhein-Main-Gebiet. Wenn nun hoffentlich bald mit der Entwicklung des Kaiserleigebietes begonnen und das gut organisiert wird, rücken Frankfurt und Offenbach noch enger zusammen.

Wo sehen Sie Offenbach in zehn Jahren?

Der Hafen wird bebaut sein und er wird sehr erfolgreich sein. Und ich bin auch ganz sicher, dass sich das Nordend entwickeln wird. Wir werden bereits gefragt, ob wir alte Bausubstanz in dem Viertel sanieren wollen. Und das ist ja auch unsere Spezialität. Es gibt ebenfalls Nachfragen von kleineren Stiftungen, die bereits Gründerzeithäuser gekauft haben im Hinblick auf den Hafen und das Entwicklungspotenzial, das im Nordend steckt.

Neugestaltung am ehemaligen Hafen

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