Auf ehemaligem Bahn-Areal an Berliner

Investoren planen rekordverdächtiges Wohnquartier

Offenbach - Wo einst die Firma Collet und Engelhard Maschinen produzierte und die Bahn ihren Stützpunkt für den S-Bahn-Bau hatte, entsteht das Goethequartier: 100 Millionen Euro steckt die Wohnkompanie Rhein-Main in 350 Wohnungen mitsamt Nahversorgung und Kindertagesstätte. Von Thomas Kirstein 

Vor dem S-Bahn-Bau eine Brache, nach dem S-Bahn-Bau eine Brache. Von 1862 bis 1971 wurden an der Berliner Straße (nahe dem heutigen, Max-Willner-Platz genannten Verkehrskreisel) Maschinen hergestellt. Vorletzter Eigentümer war die Bahn. Auf ihrem ersten Plan deuten die Architekten Landes & Partner an, wie sich auf den 1,8 Hektar eine Blockrandbebauung und sieben „Stadtvillen“ verteilen sollen. Die markante Schillerschule wird dann von der Berliner aus nicht mehr sichtbar sein.

Der Oberbürgermeister schwärmt über das absehbare Ende einer jahrzehntealten Brache in bester Lage. Horst Schneider prophezeit, dass Ende dieses Jahrzehnts alle Wunden des wirtschaftlichen Wandels geschlossen seien. Eine 18.000 Quadratmeter große Wunde an Berliner Straße, Bernardstraße, Goethering und Bebauung der Pirazzistraße soll sich ab 2017 schließen. 2009 hoffte unsere Zeitung noch, dass aus „diesem Filetstück kein Gammelfleisch wird“. Aber nachdem die Bahn eine Million in die Altlastensanierung gesteckt hatte, fand sich ein Käufer, der das Potenzial der „städtebaulich exponierten Lage unmittelbar am Stadteingang“ mit nahem S-Bahn- und Autobahnanschluss zu schätzen weiß. Die Bremer Zech-Gruppe, ein mittelständisches Unternehmen mit 9000 Mitarbeitern, hat für Offenbach Rekordverdächtiges vor. 350 Wohnungen auf einen Schlag hat sich bisher keiner vorgenommen. Iris Dilger, geschäftsführende Gesellschafterin der regionalen Wohnkompanie, beschreibt das künftige Quartier, für das es nur einen Plan, aber noch keine öffentlichen Visualisierungen gibt.

Das Architekturbüro Landes & Partner werde die das Areal umgebene Randbebauung mit repräsentativer Optik abwechslungsreich gestalten, mit Arkaden und einem Putz, der nicht unter den Emissionen des Verkehrs leide. Außen sind fünf und sechs Geschosse vorgesehen. Sieben „Stadtvillen“ genannte Mehrfamilienhäuser im begrünten Innenhof dürfen fünf beziehungsweise vier Stockwerke hoch werden. 50 Wohnungen werden öffentlich gefördert und entsprechend preiswert vermietet.

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Vorgesehen sind auf insgesamt 42.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche zudem Tiefgarage, Supermarkt, Drogerie und Kindertagesstätte. Die Wohnungen mit zwei bis fünf Zimmern sollen „Menschen in verschiedenen Lebensphasen“ anlocken. Bevor die Wohnkompanie aber konkret marschieren kann, muss die Stadt noch ihre Hausaufgaben machen. Wie Jürgen Eichberger, Chef des städtischen Bau- und Planungsmanagements, erläuterte, soll so schnell wie möglich der bestehende Bebauungsplan aufgehoben und ein vorhabenbezogener Bebauungsplan durch die Instanzen bis zum Beschluss gebracht werden. Dass es bei der Verwirklichung Konflikte mit der dann möglicherweise laufenden Umgestaltung des Kaiserleikreisels geben könnte, glaubt Eichberger nicht.

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