Irgendwie doch rührend

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Beim „Mahlkampf“ in Offenbach produzierten Kommunalpolitiker heiße Luft

Offenbach ‐ Broschüren verteilen, Luftballons aufpusten, viel reden. So oder ähnlich lässt sich Wahlkampf beschreiben. Wer am 27. März bei der Kommunalwahl Erfolg haben will, der muss die Inhalte seiner Partei verkaufen können. Von Katharina Skalli

Für die meisten Stadtverordneten ist das Routine. Einen Wettbewerb ganz anderer Art bestritten Vertreter der vier größten Parteien am Samstag im KJK Sandgasse. Der Bund Deutscher Katholischer Jugend (BDKJ) hatte zum „Mahlkampf“ geladen. Ohne Handzettel, aber mit Kochlöffel und Schürze ging es in Zweierteams ans Werk. 72 Minuten hatten die Duos Zeit, drei Gerichte zu zaubern und die Jury zu überzeugen.

In roten Schürzen machen sich Stephan Färber und Anna Kristina Tanev für die SPD ans Werk. In welche kulinarische Richtung es geht, entscheiden die Überraschungszutaten in den zugelosten Plastiktüten. Was mit den Pinienkernen passiert, die Sigrid Isser gefunden hat, weiß sie genau: Anrösten. Nach wenigen Minuten duftet es aus der Pfanne vor der Christdemokratin nach feinem Nussaroma.

Zu dieser Zeit ist die FDP noch in der Phase „Putzen und Kleinschnippeln“. Dominik Schwagereit und Matthias Heusel schälen in aller Ruhe Bio-Kartoffeln. Die sollen in den Koalitions-Salat. Das junge Duo ist unerschrocken. „Wir halten uns beide für gute Köche“, sagt Schwagereit. Dass neben ihnen Isser und Elena Glaesner routiniert in Töpfen rühren, stört sie nicht. Notfalls gibt es die Koalitionsverhandlungen. „Wenn Du mir das Rinderfilet gibst, gebe ich dir die Petersilie“, scherzt Heusel entspannt.

Doch der BDKJ verschärft die Bedingungen und lässt Moderator Rafael Bujotzek auf die Politiker los. Während Schwagereit seine Kartoffeln mühsam von Erde befreit, fragt ihn Bujotzek nach Arbeitsmöglichkeiten für Gastronome. „Wir haben die Getränkesteuer abgeschafft, um Gastronomen die Ansiedlung hier zu erleichtern“, sagt der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher.

Peter Schneider von den Grünen tut das Abschaffen der Getränkesteuer leid. „Vom Geld hätten wir eine Kita bauen können“, sagt er. Wieder einführen will er die Steuer nach der Wahl jedoch nicht. „Wir brauchen andere Maßnahmen.“ Er denkt an eine gerechte finanzielle Unterstützung der Kommunen. Der Grünen-Chef ist mit seiner Kollegin Sabine Grasmück-Werner angetreten, die Apfelringe schneidet, während Schneider Hackfleisch anbrät.

„Die Parteien waren schnell im Boot“, verrät Organisator Steffen Basta. Dem Dekanatsjugendreferenten ist es wichtig, dass viele junge Leute zur Wahl gehen. „Wir sind als Kirche auch politisch engagiert“, sagt er.

Sorgfältig wickelt Anna Kristina Tanev Lachsfilet in Yufkateig und bestreicht ihn mit Eigelb. Flink greifen die Finger der Juso-Vorsitzenden zum Schnittlauch. Tanev sitzt nicht im Stadtparlament. Das soll sich nach der Wahl ändern.

„Die SPD arbeitet recht strukturiert“, sagt Experte Dirk Höffler. Der Küchen- und Betriebsleiter des Restaurants „ina“ in der Luisenstraße findet es spannend, die Paarungen zu beobachten. Mit jeder Minute erhöht sich deren Tempo. Schnell salzen, Dressing anrühren und die Klöße anbraten. Bei der Hektik Fragen zu beantworten, fällt nicht leicht. „Schwierige Fragen kann man nicht mit einem Satz beantworten“, sagt Dominik Schwagereit. Parteikollege Matthias Heusel übernimmt das Füllen der Blätterteigtaschen, damit sich Schwagereit auf den Moderator konzentrieren kann. „Wir wollen den Fluglärm auf mehrere Schultern verteilen“, so der Liberale. Die Damen von der CDU sind „generell für einen Ausbau“, sagt Elena Glaesner. Kurz bevor die Zeit abläuft, schmeckt sie das CDU-Dessert ab. Jetzt kommen auch die Pinienkerne von Sigrid Isser zum Einsatz. Sie werden über die weiße Quarkcréme gestreut.

Die Jury ist schon gespannt. Martina Korth vom Stadtjugendring und Dennis Lat vom Kinder- und Jugendparlament sitzen mit Dirk Höffler auf der kleinen Bühne, als die Parteien endlich servieren. „Wir sind überrascht, was für gute Gerichte rausgekommen sind“, so Koch Dirk Höffler. Die SPD hat die Testesser am meisten überzeugt. Für Lachs in Blätterteig, gebratene Klöße an Pilzrahmsoße und Auberginen bekommen sie den ersten Preis. Zweite werden die Gourmets der FDP, dicht gefolgt von den Grünen. Die Pinienkerne haben den CDU-Frauen kein Glück gebracht. Sie müssen sich als Opposition geschlagen geben. Ob das nur kulinarisch oder auch politisch gilt, wird die Wahl entscheiden.

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