Kaiserlei-Umbau

Irritationen auf der Zielgeraden

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Die Simulation des Stadtplanungsamts zeigt, wie der Verkehr künftig über einen Autobahnknoten (ampelgesteuert; oben) und eine regionale Tangente (verlängerte Berliner Straße im Süden) verlaufen soll. Die neue Halle und der dadurch verursache Verkehr westlich des heutigen Kreisels stellen eine schwer planbare Variable dar.

Offenbach - Frankfurt ist sauer auf Offenbach. Was hinter den Kulissen zu vernehmen ist, wird öffentlich nicht bestätigt. Von Fabian El Cheikh

Offenbar ärgern sich einige im Römer jedoch über die Nachbarstadt: Die berücksichtige in ihrem Verkehrskonzept für den Kaiserlei nicht die Erfordernisse des zusätzlichen Verkehrs, den der von Frankfurt forcierte Bau einer Multifunktionshalle zwangsläufig produziert. Offenbachs Verkehrsplaner entgegnen: Es gibt überhaupt keine Prognosen, die Planungen zulassen.

Heftige Kritik aus einer ganz anderen Perspektive übt indes die Offenbacher Opposition. Sie wirft Schneider vor, er habe sich beim Kaiserlei-Deal von den Frankfurtern über den Tisch ziehen lassen, verscherble wertvolle Gewerbeflächen, ohne dass der Rückbau des Kreisels finanziell gesichert sei. Das als Durchbruch gefeierte Abkommen zwischen beiden Städten könnte sich zum Desaster entwickeln, befürchtet die CDU, die sich sich in ihren von Anfang an geäußerten grundsätzlichen Bedenken bestätigt sieht.

Opposition befürchtet Desaster

Rückblick: Vor einem Jahr einigen sich die damalige Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und ihr Offenbacher Amtskollege Schneider (SPD) auf folgendes finanzielles Konstrukt: Weil die Stadt Offenbach kein Geld für den seit zwei Jahrzehnten avisierten Umbau des Kreisels hat, dieser durch den Bau der neuen Mainbrücke Ost aber vor dem Kollaps zu stehen droht, springt Frankfurt finanziell in die Bresche. Es übernimmt den Offenbacher Eigenanteil am insgesamt 26 Millionen Euro teuren Gesamtumbau in Höhe von 8,2 Millionen Euro. Dafür erhält es Offenbacher Kaiserlei-Grundstücke zum Preis von fünf Millionen Euro zur eigenen Vermarktung.

Obendrauf zahlt die Mainmetropole weitere 3,4 Millionen Euro als Baukostenzuschuss. Zum Deal gehört die kostenlose Abtretung eines 20 000 Quadratmeter großen Grundstücks für die neue Arena, für die Frankfurt gewinnbringend einen Investor sucht. Aus Sicht des Oberbürgermeisters „eine Win-win-Situation“ für beide Seiten. Davon ist er heute noch fest überzeugt.

Das Kaiserleigebiet und seine Gewerbeflächen: Rot eingefärbt die Frankfurter Grundstücke (15 Hektar). Auf einem der blauen, bislang Offenbacher Grundstücke (21 Hektar) wird möglicherweise die neue Multifunktionshalle entstehen

Dem widerspricht die CDU. Während das Hochhaus der Europäischen Zentralbank inzwischen steht, sich die neue Brücke über den Main spannt und bald tausende zusätzlich erwartete Fahrzeuge durch den Kaiserlei rollen werden, fehlten, so Unions-Fraktionsvize Roland Walter, noch immer „verbindliche Zusagen“ von Bund und Land. Nach Offenbach geflossen ist bislang nur, bestätigt Schneider, „etwas verspätet“ der Kostenanteil Frankfurts, oder anders ausgedrückt: das Geld für die Grundstücke.

Das beruhigt die Union keineswegs. Besorgt verfolgt sie die Irritationen um die neue, bis zu 15 000 Zuschauer fassende Arena, die Bestandteil des städtebaulichen Rahmenplans beider Kommunen ist, an dem derzeit noch gefeilt wird. Sie soll aller Voraussicht nach an der Strahlenbergerstraße unmittelbar an der Offenbacher Stadtgrenze entstehen und wird für zusätzliche Verkehrsbelastungen sorgen.

Halle könnte Zeitplan gefährden

Die Befürchtung auf Offenbacher Seite ist, dass die Halle den Zeitplan des planfestgestellten Kreiselrückbaus gefährdet. Sollte das Planfeststellungsverfahren neu aufgerollt werden müssen, weil festgestellt wird, dass der künftige ampelgesteuerte Verkehrsknoten den mit der Halle verbundenen Verkehr nicht verkraftet, könnte sich der ab 2014 geplante Umbau um Jahre verzögern. Das könnte Bundes- und Landesmittel gefährden. Damit wäre das Projekt geplatzt.

Vor diesem „Worst-case-Szenario“, wie sich die CDU ausdrückt, warnen auch Schneider und Offenbachs Verkehrsplaner Hans-Joachim Bier-Kruse: „Der Kreisel-Rückbau darf durch die Halle nicht gefährdet werden!“ Bier-Kruse indes sieht keine ernsthaften Probleme, spricht vielmehr von „Unwägbarkeiten“. Welche Auswirkungen die Halle habe, hänge letztlich von ihrer Lage, Größe und Anordnung der Parkplätze ab.

Gleichwohl scheint die Sorge nicht unberechtigt, dass es zu einer Überlagerung von Veranstaltungs- und Berufsverkehr kommen könnte. „Es ist jedoch verkehrlich so abgestimmt, dass der Rückbau die Halle aushält und von deren Bau abgekoppelt ist“, versucht Bier-Kruse zu beruhigen. In dieser Sache seien sich die zuständigen Ämter beider Städte völlig einig, betont der OB.

Dass von Frankfurter Seite Ärger geäußert wird, hält Bier-Kruse für „Unsinn“, Schneider für „eine völlige Verdrehung der Wirkungskette“. „Der Planfeststellungsbeschluss stammt aus den 90ern, damals war weder von einer EZB die Rede noch von einer Großsporthalle.“

„Umbau geht vor“

Das scheint auch Frankfurt einzusehen. Der Sprecher des Frankfurter Planungsdezernenten, Mark Gellert, versicherte auf Anfrage: „Der Umbau geht vor.“ Gleichwohl sehe man nicht ein, dass am Ende der Bau der Halle am Verkehrskonzept scheitern könnte. OB Schneider habe aber einen Vorschlag gemacht, der geprüft werde. Demnach sollten die Parkplätze auf Frankfurter Seite entstehen, die Besucher könnten dann etwa über die Schleuse zur Veranstaltung hinüberlaufen.

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Zu besänftigen ist damit die CDU nicht. „Eingetreten ist bisher nur, dass Offenbach wertvolles Gewerbegebiet an Frankfurt zu günstigen Preisen verkauft hat, Frankfurt weitere 20 000 Quadratmeter für die Multifunktionshalle kostenfrei abrufen kann und die neue Mainbrücke Ost in absehbarer Zeit in Betrieb genommen wird“, klagt sie. Rücktrittsklauseln gebe es nicht, ebenso habe die Stadt auf „ohne Not“ auf Rechtsmittel verzichtet. Tatsächlich hatte der Magistrat seinerzeit die Klage gegen die neue Brücke im Gegenzug für die finanzielle Beteiligung Frankfurts zurückgezogen.

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