Cowboys aus der Kälte

Isländische Band Kaleo bringt Nostalgie in die Stadthalle

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Erst in Kuhfelljacke, dann in Deutschlandtrikot: Kaleo-Frontmann Jökull Júlíusson hat am Wochenende mit seinen Bandkollegen in Offenbach für Stimmung gesorgt. Der Hit „Way Down We Go“ erreichte in den deutschen Charts die Top Ten.

Offenbach - Birken, Heidekraut und kalte Nächte: Die Songs der isländischen Band Kaleo sind Nostalgie pur – gemischt mit amerikanischem Way of life. Auf ihrer „Express“-Tour waren die vier jungen Rock-Musiker am Freitagabend in der Offenbacher Stadthalle. Von Tamara Schempp

Wenn Kaleo in ihrer Landessprache über ihre Heimat Island singt, wird es still in der Stadthalle. 3500 Menschen verschwinden in der Dunkelheit. Zwei kleine Flammen erscheinen über den Köpfen der Band und schweben hin und her, Pärchen rücken näher aneinander. Frontmann Jökull Júlíusson singt mit sanfter Vibration in der Stimme über Birken, die sich im Wind wiegen. Die Abendsonne wirft ihre Strahlen auf das Heidekraut, eine kalte, stille Nacht folgt. „Vor í Vaglaskógi“ – Frühling in Vaglaskógur, einem Waldgebiet im Norden Islands. Es ist ein Lied voller Nostalgie.

Die vierköpfige Band aus der Nähe der isländischen Hauptstadt Reykjavík ist vor zwei Jahren nach Austin, Texas, in die USA ausgewandert, wo sie mit dem Warner- Music-Tochterunternehmen Atlantic Record ihre erste Platte „A/B“ aufgenommen und vor einem Jahr veröffentlicht hat.

Mit dem Umriss der schneebedeckten Insel im Rücken lässt Kaleo auf der Offenbacher Bühne Island hinter sich. Mit „Ei Gude!“ begrüßt der Frontmann das Publikum. Kuhfell auf der Jacke, blaue Jeans und Federschmuck am Mikrofonständer. Kaleo-Sänger Jökull Júlíusson heißt inzwischen nur noch JJ – gesprochen JayJay –und gehört optisch längst in die texanische Wüste, durch die er in „Automobile“ fährt. Seine Stimme klingt nach der Flasche Rum, die er – laut Songtext – auf seiner Fahrt dabei hat: rau, kräftig und mit viel Seele.

Den Auftakt von „I Can’t Go On Without You“ pfeift JJ wie ein alter Cowboy. In „Broken Bones“, „Save Yourself“ und „All The Pretty Girls“, die gesanglich von Schlagzeuger Davíd Antonsson und Gitarrist Rubin Pollock und instrumental von Bassist Daníel Kristjánsson begleitet werden, erzählen die Mittzwanziger von ihrem Leben in den USA, Liebeskummer und schönen Mädchen – mal ruhig, mal rockig.

Archivbilder

„Klasse, wir singen“ in der Stadthalle Offenbach: Bilder

„Glass House“ ist zum Tanzen gemacht. Rubin Pollock zeigt sauber gespielte Gitarren-Soli, die Menge klatscht, hüpft und formt mit erhobenen Armen eine Welle der Begeisterung. Die legt sich auch nicht nach Kaleos letztem und bekanntestem Lied: „Way Down We Go“.

Nach 60 Minuten Auftritt verlässt Kaleo die Bühne. „Huh!“, ruft das Publikum und klatscht einmal kräftig in die Hände. Die Arme in der Luft formen ein V. Der Schlachtruf der isländischen Fans bei der Fußball- EM 2016 funktioniert auch in Offenbach. Im Deutschlandtrikot kehrt Júlíusson zurück und singt ein letztes Mal mit kräftiger Stimme über einen Mann, der gerne ein „Rock ‘n’ Roller“ wäre. Abpfiff ohne Verlängerung.

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