Jagd auf den falschen Hasen

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Zweimal gingen die Vierbeiner an den Start, die bessere Zeit wurde bei der Rennleitung registriert.

Offenbach ‐ Bunny hetzt den falschen Hasen. Die Augen fest aufs Ziel gerichtet, verfolgt der Golden Retriever mit wehenden Lefzen den roten Stofffetzen, der von einer Maschine über die Strecke gezerrt wird. Von Denis Düttmann

Normalerweise jagen eher überaus grazile Windhunde wie Afghanen und Whippet, Greyhound und Saluki über die 460 Meter lange Strecke im Mainbogen.

Beim  Jeder-Hund-Rennen am Sonntag durften aber auch mal Dackel und Schäferhunde, Bobtails und Mischlinge ran - über die 100-Meter-Kurzdistanz. Zweimal gehen die Vierbeiner an den Start, die bessere Zeit wird bei der Rennleitung registriert.

„Wir wollen mit diesem Rennen den Hundesport populärer machen“, sagt Hugo Oberegge vom in Offenbach beheimateten Frankfurter Club für Windhundrennen. Alle Teilnehmer bekommen deshalb einen Gutschein für ein kostenloses Probetraining auf der Rennstrecke. „Während der Saison trainieren wir jedes Wochenende“, sagt Oberegge. „Unser Training ist prinzipiell offen für alle Hunde, mit oder ohne Stammbaum.“ Michelle hat ganz bestimmt keinen Stammbaum. Und besonders schnell ist die Promenadenmischung auch nicht. Aber sie läuft gerne, das alleine zählt. Bereits zum zweitenmal ist Michaela Berg mit ihrer Hündin beim Jeder-Hund-Rennen.

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Jeder-Hund-Rennen

„Beim letzten Mal hat sie überhaupt nicht verstanden, um was es hier eigentlich geht“, sagt Berg. „Diesmal bin ich vorneweg gerannt, da lief es besser.“ Für einen Platz auf dem Siegertreppchen reicht es für den siebenjährigen Mischling trotzdem nicht. Nach langen 15 Sekunden trottet sie recht gemächlich über die Ziellinie – die besten brauchen gerade einmal acht Sekunden für die Strecke. Insgesamt gehen rund 100 Hunde an den Start. „Angesichts des schlechten Wetters bin ich mit der Zahl der Anmeldungen zufrieden“, sagt Oberegge. Sogar eine Gruppe aus München ist für das Rennen nach Offenbach gekommen. Sie haben in den vergangenen Jahren Hunde aus dem Offenbacher Tierheim adoptiert und nutzen nun die Veranstaltung für ein Wiedersehen.

Das Tierheim firmiert offiziell als Veranstalter des Rennens und nutzt die Mittagspause, um für sich und seine Schützlinge zu werben. Bei „Herrchen gesucht“ stellt Tierpflegerin Cora Bonnet 14 Hunde vor, die derzeit im Tierheim leben. „Es sind viele alte Hunde darunter oder solche, die ein Handicap haben“, sagt sie. Beispielsweise ein kleiner Mischling, dessen Bein nach einem Bruch nicht richtig behandelt wurde und seitdem steif ist. Oder eine Hündin, die kaum noch etwas sieht.

Auch beliebte Rassehunde im Tierheim

„Wir haben auch noch ziemlich viele so genannte Kampfhunde im Bestand“, sagt Bonnet. „Sie machen relativ viel Arbeit, weil sich die Halter intensiv mit den Tieren beschäftigen und einen Sachkundetest ablegen müssen. Deshalb sind die Listenhunde nur schwer vermittelbar.“ Doch auch recht beliebte Rassehunde warten im Tierheim auf neue Frauchen oder Herrchen. „Früher hatten wir wenigerRassehunde, weil sie bereits in der Anschaffung ziemlich teuer waren und die Halter sich deshalb sehr genau überlegt haben, ob sie überhaupt einen Hund haben möchten“, sagt Tierpflegerin Bonnet. „In letzter Zeit tauchen hier aber vermehrt Rassehunde von osteuropäischen Züchtern auf, die die Tiere sehr billig verkaufen.“

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