Vom Jagen und Töten

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Um auf der Insel zu überleben, müssen die Kinder Feuer entzünden. Dabei leistet eine Brille wertvolle Dienste.

Offenbach - Eine Palme täuscht Südsee-Idylle vor. Doch dumpfes Trommeln verrät: Hier stimmt etwas nicht. Da stolpert ein Junge auf die Bühne und ruft: „Irre!“ Er ahnt nicht, wie recht er hat. Von Markus Terharn

Mit „Herr der Fliegen“ hat die Jugendgruppe des Theaterclubs Elmar ein radikal anderes Werk ins Ledermuseum gebracht: kein Kinderbuch, kein Märchen, keine Komödie. Sondern William Goldings düstere Geschichte einer Schülergruppe, die auf einer Insel strandet und dort ohne die Erwachsenen klar kommen muss. Um den Spannungsbogen nicht zu zerstören, hat Regisseur Daniel Thomas das Publikum eingangs gebeten, sich den Beifall bis zum Schluss aufzuheben. Um so heftiger fällt dieser aus.

Mit Recht. Denn in Zusammenarbeit mit Julia Sedlaczek und Max Rebell gelingt eine dichte Inszenierung, die stellenweise fast unerträglich spannend ist. Die unheimliche Atmosphäre wird nur gelegentlich durch Humor aufgelockert. Hautnah ist zu erleben, wie die Jugendlichen in zwei Gruppen zerfallen – und in eine Auseinandersetzung auf Leben und Tod geraten.

Beeindruckende Massenszenen

In den Hauptrollen agieren junge Talente mit beträchtlicher Ausstrahlung. Allen voran Clara Brockschmidt als Ralph, die Stimme der Vernunft, zum Anführer bestimmt und doch zum Scheitern verurteilt. Dann Timo Hartmann als sein Gegenspieler Jack, aggressiv im Auftreten, versessen auf Jagen und Töten. Und Philipp Despot als bebrillter Außenseiter Piggy, der auf die Einhaltung von Regeln drängt, sich auf Dauer aber nicht durchsetzen kann.

Aus dem geschlossenen Ensemble hervorzuheben: Lili Bozic als von Anfällen geplagter Simon, der einen schrecklichen Tod findet, Max Thöne als brutaler Roger sowie Laura und Cora Despot, die überzeugend die Angst während der Nachtwache mimen. Zunehmende Verwilderung spiegeln auch Mira Röhm, Tobias Gruhn, Steffen Albert, Jael Döldissen, Dimitra Kiosseopoulou. Emma Torbica und Nastja Michaelis. Bis Max Rebell als Offizier auftaucht und den Spuk beendet.

Hinter den Kulissen wurde Großartiges geleistet

Ergebnis dreivierteljährigen Probenfleißes sind beeindruckende Massenszenen auf engstem Raum, die wie choreografiert wirken. Auch hinter den Kulissen ist Großartiges geleistet worden. Die Kulisse (Harald Gille, Michael Kempf, Klaus Thöne, Dieter Reinhart, Jürgen Klauke) erzielt mit minimalen Mitteln maximale Effekte. Maske (Anja Büttner, Christine Klauke, Thomas Isser, Eva Thomas, Daniel Thomas) und Kostüme (Nina Sedlaczek, Max Rebell, Thomas Isser) bilden den fortschreitenden Verfall ab. Für technisch reibungslosen Ablauf sorgen Percy Walther, Nina Sedlaczek, Helmut Büchel, Karin Thöne und Thomas Isser. Es sind drei Abende, die nachhallen.

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