Der Jaguar im Tiefflug

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Der Offenbacher Maimarkt erhitzt schon vor seinem Beginn die Gemüter auf der Rosenhöhe.

Offenbach ‐ Wären da nicht die Flugzeuge, die in gnadenloser Regelmäßigkeit über die Dächer der schmucken Einfamilienhäuser donnern, die Rosenhöhe wäre eines, wenn nicht gar das attraktivste Wohngebiet der Stadt. Von Matthias Dahmer

In den nächsten Tagen kommt zum Lärm von oben ein weitere Beschallung: Von Donnerstag bis Sonntag läuft auf dem großen Parkplatz am Sportzentrum der Offenbacher Maimarkt. Rund 50 Händler bieten dann dort ihre Waren an, Spiel- und Fahrgeschäfte sowie eine Autoausstellung und Infostände locken.

Für Ludwig Bauer haben diese Aussichten wenig verlockendes. „Wir sind durch den Fluglärm schon genug geschädigt. Das ist ein schlechter Zug der Stadt, so etwas vor unserer Haustür zu erlauben“, ärgert sich der Parkplatz-Anrainer darüber, dass das Ordnungsamt die Veranstaltung an dieser Stelle genehmigt. Bauer, dessen Groll viele andere Nachbarn teilen, weist zudem darauf hin, dass Mitte Juni mit dem Markt der Biere ein weiteres viertägiges Spektakel auf den Parkplatz verlegt wurde.

Bereits am Sonntag kam es zum mittleren Verkehrschaos

In der Tat wird beim Maimarkt aufs Abstandhalten wenig Rücksicht genommen. So rauschen die Wagen der Jaguar-Bahn, eine verschärfte Form des Karussells, fast über die Terrasse eines Anwohners, sind Tische und Bänke für durstige Marktbesucher unmittelbar an den Gartenzäunen aufgebaut.

Das Fest-Areal und eine angrenzende Reihe von Parkplätzen sind schon seit Tagen wegen der Aufbauarbeiten blockiert. Bereits am vergangenen Sonntag, als etwa die auf der Rosenhöhe ansässigen Tennisclubs ihre Saisoneröffnung feierten, kam es zu einem mittleren Verkehrschaos, waren die Sportler stinksauer. Und Anwohner Ludwig Bauer stellt eine Frage, die auch die Sportvereine am Sportzentrum umtreibt: „Wo sollen denn während der beiden Feste alle parken?“ Für Stadtsprecher Matthias Müller ist das kein Problem. Der Veranstalter des Maimarkts habe einen Antrag gestellt, die Stadt die Genehmigung erteilt. Das Fest sei deshalb rechtlich zulässig. Parkplätze, meint Müller, stehen zur genüge am Waldschwimmbad zur Verfügung. Dass dort von Freitag bis Sonntag ein Wasserball-Turnier mit 13 Mannschaften stattfindet, kann seinen Optimismus nicht trüben.

Müller: „Ich habe Verständnis für die Anwohner“

Was den Fest-Lärm betrifft, steht der Stadtsprecher auf dem Standpunkt, der müsse nun mal über die ganze Stadt verteilt werden. Beim Mainuferfest höre er diese Klagen auch immer wieder. Müller: „Ich habe Verständnis für die Anwohner, aber der Maimarkt ist nun mal zulässig. Freud und Leid solcher Veranstaltungen müssen eben hingenommen werden.“

Marktmeister Alois Erkrath, der für den Veranstalter, das Erste Offenbacher Husarencorps von 1984, den Maimarkt organisiert, sieht sich wegen der erteilten Genehmigung auf der sicheren Seite und verspricht: „Wir halten uns an die Vorgaben.“ Will in Sachen Beschallung heißen: Um 23 Uhr ist immer Schluss, schon eine Stunde früher, wird die Musik leiser gedreht.

Alois Erkrath hat den Maimarkt bereits im vergangenen Jahr organisiert. Damals hatte er den Förderverein des Tennisclubs Rosenhöhe als offiziellen Veranstalter gewinnen können. Weshalb der Markt auch an andere Stelle auf der Rosenhöhe lief. In diesem Jahr war der Förderverein zu einer Zusammarbeit nicht mehr zu bewegen. „Es gab finanzielle Unregelmäßigkeiten“, deutet Fördervereinsmitglied Erich Strüb an, dass der Ärger mit Erkrath gewaltig war.

Der liefert eine andere Begründung: Am Waldrand, dem 2009er-Standort, habe zu viele und zu kostspielige Auflagen seitens der Behörden gegeben. Das habe sich nicht mehr gerechnet.

Getrennte Wege gehen Erkrath und den Tennisleute ist auch beim Markt der Biere. Der war bislang auf dem TCR-Gelände. Diesmal läuft er vom 17. bis 20. Juni ebenfalls auf dem atmosphärisch eher weniger einladenden Parkplatz. „Wir hätten das Bierfest ja wieder bei uns organisiert. Aber Erkrath ist uns mit der Beantragung zuvor gekommen, weshalb wir dankend abgelehnt haben“, sagt Erich Strüb. Offizieller Veranstalter 2010: Die Husaren von 1984.

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