Ein Jahr ohne bittere Pillen

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Beim Rock’n’Roll-Club Jeunesse Offenbach wird nicht nur der gleichnamige Sport angeboten, sondern auch aktuelle Tanzsportarten wie Hip-Hop. Die Jugend brachte im Capitol indes die klassische Variante flott auf die Bühnenbretter.

Offenbach ‐  Die Bedienungen empfangen mit gut gefüllten Tabletts. Mmmh. Roter Perlwein. Oder ist’s ein Prosecco rosé? Boaahh. Was ist denn das? Da zweifeln doch einige Gäste des Sport-Empfangs an ihren Geschmacks knopsen. Zwar viel Frucht, aber kein Alkohol. Von Martin Kuhn

Sportbüro-Leiter Jürgen Weil klärt später auf: „Ein Täglich-fit-Saft. Das sollte als Tagesmotto für alle Sportler stehen.“ Da sehnen sich einige im Capitol-Theater bereits die dritte Halbzeit herbei; mit einem Produkt eines weiteren Sponsors des kurzweiligen Abends – in diesem Fall der Radeberger-Gruppe...

Der Abend ist als kleines Dankeschön für alle Sport-Funktionäre zu verstehen, die – anders als die Aktiven – kaum in den Schlagzeilen stehen, jedoch im Hintergrund wirken, gestalten und fördern. Zwei darf jeder Offenbacher Verein entsenden. Zu viele fürs Atrium. Ein Umzug in den Saal wird notwendig. Viele nutzen das Zusammentreffen der geballten Vereinsspitzen, um Kontakte zu pflegen und zu knüpfen. Dazu ist vor und vor allem nach dem Programm reichlich Zeit.

Dazwischen: Aus- und Einblicke von Oberbürgermeister Horst Schneider, Sportkreis chef Peter Dinkel und Jeunesse-Vorsitzender Peter Schima. Der entpuppt sich als einer, dem seine Sportler am Herzen liegen. „Hat Ihnen der Auftritt gefallen?“, fragt er besorgt, als er an das Mikrofon tritt. Der satte Applaus ist Lohn für die Kinder und Jugendlichen von Jeunesse, die Rock’n’Roll-Schritte und Hip-Hop-Choreografien zeigen. Sein Appell an die Vorstände: „Haben Sie den Mut, neue Dinge auszuprobieren.“

Auch der Breitensport profitiert von verschiedenen Fördertöpfen

Absprache oder Zufall? Genau das hat Horst Schneider im vergangenen Jahr unternommen. Neuerungen für die so genannte Sportstadt Offenbach, ohne die Traditionen zu vergessen. Auf den Punkt gebracht: Inline-Skating und Kickers. Dabei belässt es der bekennende OFC-Anhänger nicht allein bei Worten: „Ich habe meine Roller-Dinger entstaubt und angeschnallt, man sollte jedoch vorher üben...“ Wie sich der Verwaltungschef auf den Rollen hielt, ist nicht dokumentiert. Im Video-Zusammenschnitt der ersten Skate-Matinee fehlt die entsprechende Sequenz. Vielleicht wird’s ja was in diesem Jahr. Die Auflagen zwei, drei und vier sind geplant.

Von vier Rollen unter den Füßen ist’s nicht weit zu sechs Schraubstollen – zumindest in Schneiders Rede. Die Kritik am geplanten Stadion-Neubau am Bieberer Berg, die immer wieder an klingt, ficht ihn nicht an: „Ich habe da kein schlechtes Gefühl, wenn ich etwa vor Kitas oder Schulen stehe.“ Er verteidigt die 25-Millionen-Euro-Investition auch vor den Vertretern der lokalen Sportvereine: „Die Kickers gehören zu der Identität Offenbachs. Wir sollten mit einem kühlen Blick beurteilen, was die Marke OFC hier bewegt.“ Und er ist weiterhin überzeugt: „Ohne eine vernünftige Infrastruktur stirbt der Profifußball in unserer Stadt.

Neben dem Profisport profitiert auch der Breitensport von verschiedenen Fördertöpfen. Die Tambour-Brache verwandelt sich in ein Sportzentrum, zudem fließt Geld nach Bürgel zum Um- und Neubau einer Drei-Felder-Halle: „Ich bin dem Vorstand der TSG nach wie vor dankbar, diese Herausforderung angegangen zu sein. Die Stadt hätte in diesem engen Finanzrahmen keine Halle bauen können. Bis März werden wir das Planungs- und Baurecht geschaffen haben, um den Spatenstich für die neue Sporthalle noch im Frühjahr zu feiern.“ Unterm Strich gibt es also nicht mehr Sporthallen, aber eine Struktur-Verbesserung. Vage Aussicht: Am Schulzentrum Buchhügel könnte eine neue Halle stehen.

Die Vernetzung von Schule und Verein stellt Peter Dinkel in den Vordergrund: „Die pädagogischen Bündnisse werden gelingen.“ Botschaft zum Thema Ganztagsschule: Die großen Vereine werden zu Dienstleistern, die kleinen Vereine werden sich den Älteren öffnen. Heißt: Das eine oder andere Aus ist unweigerlich. Das hat komischerweise keinem Vereinsvertreter den Appetit aufs italienische Buffet verdorben.

Handballer und Basketballer kämpfen bereits seit zwei Wochen um Punkte. Das offizielle Sportjahr in Offenbach beginnt geruhsamer - mit dem Empfang für Funktionäre.

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