800 Jahre Berufserfahrung

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Besprechungen sind die Mitglieder des Vereins „Pro Fund“ aus ihren Berufsleben gewohnt. Und auch in der ehrenamtlichen Runde wird sachlich und zielgerichtet diskutiert, was als nächstes zu tun ist.

Offenbach - Medico International unterstützt Projekte in Asien, Afrika und Lateinamerika. Die Hilfsorganisation mit Sitz in Frankfurt hat eine psychosoziale Betreuungsstelle in Sierra Leone, arbeitet in Brasilien mit der Bewegung der Landlosen, hilft afghanischen Kriegs- und Minenversehrten bei der Suche nach beruflichen Perspektiven. Von Denis Düttmann

Die Mitarbeiter sind Experten in Nothilfe und Öffentlichkeitsarbeit, kennen sich mit den sozialen Strukturen in Krisengebieten aus und wissen, wie man Projekte vor Ort vorantreibt.

Nur mit der Buchhaltung und dem so genannten „Controlling“ lief es irgendwie nicht so gut. Die Entwicklungshelfer brauchten Entwicklungshilfe. Und fanden sie in Offenbach. Dort haben sich rund 20 ehemalige Fach- und Führungskräfte aus Wirtschaft und Verwaltung als ehrenamtliche Unternehmensberater zum Verein „Pro Fund“ zusammengetan und unterstützen Organisationen, die kein kommerzielles Interesse haben.

Eigene Experten hatte die Organisation nicht

Also auch Medico International, das Projekte kontinuierlich finanzieren muss, obwohl Spenden eher geballt in der Vorweihnachtszeit eingehen und Geld aus Fördertöpfen zugesagt, aber erst Monate später überwiesen wird. Eigene Experten für die inneren Finanzflüsse hatte die Organisation nicht. Also sprang „Pro Fund“ ein.

Wir kommen aus so unterschiedlichen Branchen wie dem Bankenwesen, der Industrie und dem IT-Bereich“, erklärt Jörg Lutz. „Alles was mit betriebswirtschaftlichen Fragen, Arbeitsprozessen und dem Personalwesen zu tun hat, können wir gut abdecken.“ So schickte Pro Fund im Sommer 2006 ein zweiköpfiges Team ins Frankfurter Medico-Hauptquartier, um die Buchhaltung auf Vordermann zu bringen, die Struktur zu erfassen, Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten und das Controlling-System umzustellen, erinnert sich Volkswirt Gerd Jesek, der damals dabei bei war.

2005 Auszeichnung des Sozialministeriums

Im Oktober 2000 gegründet, ist „Pro Fund“ ein bundesweit bislang einzigartiges Projekt. Schon kurz nach dem Startschuss erhielt der Verein den Innovationspreis des Landes, 2005 folgte eine Auszeichnung des hessischen Sozialministeriums für besonderes bürgerschaftliches Engagement. Die gemeinnützigen Berater haben „Wildwasser Frankfurt“ bei der Erstellung eines Fundraising-Konzepts unterstützt, das Demenzforum Darmstadt bei der Strukturierung der Arbeitsabläufe und dem FC Langen bei der Finanzplanung.

Wir wollen vor allem Vereinen und Organisationen helfen, die etwas Sinnvolles tun, sich professionelle Unternehmensberater aber nicht leisten können“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende Werner Hummel. Dabei müssen die Senioren den Vergleich mit hoch bezahlten Consultants gar nicht scheuen. „Schließlich verfügt unser Verein über rund 800 Jahre Berufserfahrung“, flachst Jesek mit Blick auf das lange Erwerbsleben der Mitglieder.

Expertise der Berater nicht kostenlos

Vor jedem Projekt schließt „Pro Fund“ mit dem Kunden einen Vertrag ab, in dem die Zielvorgabe beschrieben und die Vergütung festgelegt wird. Denn kostenlos ist die Expertise der Berater nicht zu haben. Zwar arbeiten die Vereinsmitglieder ehrenamtlich, doch fallen Bürokosten und Versicherungsprämien an. „Außerdem glauben viele, dass Leistungen, die nichts kosten, auch nichts wert sind“, sagt Hummel.

Fachleute sind dem Verein immer willkommen. Kontakt: Pro Fund, Frankfurter Straße 48, 63056 Offenbach und unter Tel.: 069-80106500, Mail: kontakt@profundev.de. Außerdem auf der Internetseite des Vereins Profund.

Mit einem Kollegen betreute der ehemalige IT-Fachmann den Verein „Perspektiven“ in Königstein, der sich um Alkoholkranke kümmert. Die Berater arbeiteten mit der Geschäftsführerin neue Kommunikationsstrategien aus, strafften die Organisation und suchten als Netzwerker nach Webdesignern und Fotografen, um den Internetauftritt zu modernisieren.

„Uhren ticken im sozialen Bereich anders.“

Bei diesem Auftrag habe ich viel gelernt“, erzählt Hummel. „Beispielsweise, dass im sozialen Bereich die Uhren einfach etwas anders ticken.“ Und so haben die Berater nicht das Gefühl, ausschließlich zu geben – sie bekommen auch etwas zurück.

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