20 Jahre S-Bahn-Bau

Eine Stadt im Wandel

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Ursula und Dittmar Münk stellen Projekte vor, die Offenbach ein neues Gesicht geben. - Foto: tk

Offenbach - „Es war eine Katastrophe“, erinnert sich der einstige Einzelhändler Thomas Keck an die Zeit des S-Bahn-Baus. „20 Minuten verliere ich jeden Tag“, so ein Mühlheimer. Anwohner der Bieberer Straße traf es besonders hart: Sie wurde untertunnelt.

Auch an der Berliner Straße litten Anwohner. Professionelle und semiprofessionelle Filmteams begleiteten Anfang der 90er Jahre den Bau der S-Bahn-Trasse und dokumentierten, wie Offenbach sich veränderte. Vier Filme, die das Amt für Öffentlichkeitsarbeit aus dem eigenen und aus privaten Archiven geholt hat, schildern anschaulich eine Stadt im Umbruch. Sie skizzieren Entwicklungen, porträtieren Menschen, die mit den Veränderungen leben mussten, geben Einblick, wie die Verantwortlichen im Rathaus auf die Herausforderungen reagierten. Sie enthalten Bilder, die Geschichte sind, Gebäude und Ensembles, die abgerissen wurden wie die alte Berliner Straße, das Gebäude von Glocken-Brot oder die zweite Ebene, Zeugnis der Vorstellung von einer autogerechten Stadt.

Gezeigt werden die etwa 45 bis 60 Minuten langen Videos an vier Filmabenden jeweils um 19 Uhr anlässlich der Offenbacher Woche im Raum des Kunstvereins im KOMM, Aliceplatz 11, erster Stock. Der Eintritt ist frei. Den Auftakt macht am Dienstag, 26. Mai, der Film „Offenbach – eine Stadt verändert ihr Gesicht“. Im Auftrag der Stadt Offenbach und der Deutschen Bahn hat die Darmstädter Doc-Film das Geschehen im Tunnel und entlang der Trasse dokumentiert. Der etwa 60-minütige Beitrag dokumentiert unter anderem die Belastungen der Anwohner und Verkehrsteilnehmer sowie die enormen logistischen Herausforderungen für die Stadtverwaltung, die Bahn und die beauftragten Baufirmen. Die Einführung hält der frühere Stadtbaurat Wilfried Kaib, der das Projekt S-Bahn-Bau für die Stadt managte.

„Eine Stadt im Schatten ihres großen Nachbarn“ lautet der ARD-Beitrag von Radio Bremen, der am Donnerstag, 28. Mai, nach einer Einführung von Matthias Müller, Leiter des Amts für Öffentlichkeitsarbeit, gezeigt wird. Autoren waren Gerhard Zwerenz und Stefan Lukschy. Der Film löste in der Zeit der Tausend-Jahr-Feier 1977 in Offenbach eine kollektive Wutwelle aus, dabei dokumentierte er nur die Folgen der De-Industrialisierung. Er schildert Veränderungen, die Anfang der 60er fast unbemerkt begannen, um wenig später mit Wucht Identität und Strukturen in Offenbach zu zerschlagen. Dieses Werk, das aus seiner Zeit heraus visionär zu nennen ist, saugt die Stimmungen der einst stolzen Arbeiterschaft auf. Der Linke Manfred Coppik, der örtliche DGB-Chef Horst Kunze und der Lokaljournalist Siegfried Scholz sind nur einige, die zu Wort kommen und Facetten zeichnen, die helfen, diese Stadt zu verstehen.

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Am Montag, 1. Juni, präsentieren Klaus-Dieter und Michael Zier vom Offenbacher Filmclub ihr Werk „Eine Trasse bahnt sich ihren Weg“. Es dokumentiert die Herausforderungen für Ingenieure und Planer und zeigt Bilder, die ganz dicht an den Bauarbeiten, unter anderem im späteren S-Bahn-Tunnel, entstanden. Vom Beginn der Bauarbeiten an im Jahr 1990 bis zur Einweihung der Trasse im Mai 1995 waren Vater und Sohn fast jede Woche auf der Baustelle. Detailgetreu haben sie den Baufortschritt dokumentiert. Peter Antwerpen, ehemaliger stellvertretender Leiter des Amts für Stadtplanung und Baumanagement, führt die Zuschauer in den Film ein.

Vierter Streifen der Reihe ist „Offenbacher Stadtentwicklung 1992-2014“ am Mittwoch, 3. Juni. Nach einer Einführung von Peter Antwerpen erfährt der Zuschauer, wie sich die Stadt nach dem Bau der S-Bahn entwickelt hat. Die Produzenten Ursula und Dittmar Münk stellen Projekte vor, die Offenbach ein neues Gesicht gegeben haben oder geben: Da sind die Erholungslandschaft am Mainufer, der schmucke Wilhelmsplatz, der City-Tower und das Haus der Wirtschaft, das neue Kickers-Stadion, die Konversion des ehemaligen Geländes der Farbwerke Hoechst oder der Umbau des Hafens, um nur einige Beispiele zu nennen. (mt)

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