Medaillen für Ölcer, Buchheim, Schwanz und Schmitt

20 Jahre Seniorenhilfe: So lange wie möglich aktiv

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20 Jahre Seniorenhilfe waren eine Feier im Saal von Dreifaltigkeit wert. Vorsitzende Sigrid Isser (hintere Reihe, 2. von links) und Reinhard Knecht, Leiter des Referats Ehrenamt, stellten sich mit langjährigen und verdienten Mitgliedern zum Gruppenfoto.

Offenbach - Das von Peter Josef Kunz von Gymnich fürs 20-Jahre-Jubiläum neu vertonte Seniorenhilfe-Lied macht klar, worauf es ankommt: „Ob jung, ob alt, das ist egal, denn Hilfe braucht ein jeder mal. Ruf einfach an, und du wirst sehn, vieles wird leichter gehn!“. Von Harald H. Richter

Für Sozialminister Stefan Grüttner hat das generationenübergreifende Modell Vorzeigecharakter. Und Oberbürgermeister Horst Schneider bemüht ein chinesisches Sprichwort über das Gefühl von Glück, wenn jemand anderen helfen kann. Seit 1996 hat die Seniorenhilfe Offenbach (SHO) als Initiative bürgerlichen Engagements der Idee von Mit- und Füreinander einen Sinn gegeben. Bis heute haben sich ihr 800 Menschen unterschiedlichen Alters und beruflichen Hintergrunds angeschlossen. Sie geben anderen Beistand, die bestimmte Verrichtungen nicht mehr allein ausführen können, bieten Zeitgutschriften als Tauschwährung in wechselnden Rollen von Helfenden und Hilfesuchenden und fördern das Bestreben, ihre Fähigkeiten als wertvolle Leistung für andere zu erkennen und einzusetzen.

„Am Jubiläumstag 7. Februar waren wir in der Hochphase der Fastnacht. Darum feiern wir vier Wochen später“, begründet Vorsitzende Sigrid Isser den Festtermin. Dafür ist das Gemeindezentrum Dreifaltigkeit mit 300 Gästen bis zum letzten Zusatzstuhl gefüllt, die Atmosphäre heiter und beschwingt. Was auch am klug ausgewählten Musikprogramm des Polyhymnia-Mixtetts liegt. Mit Liedern wie Abbas „Super Trouper“ und der Volksweise „Kein schöner Land“ treffen die zwei Dutzend Sänger den richtigen Ton und wissen das Publikum daran zu erinnern, dass Alter weder Ruhe- oder Stillstand bedeutet.

Das ist auch Grüttner eine Erwähnung wert. „In einer Gesellschaft langen Lebens braucht es Bedingungen, die es Älteren erlauben, so lange wie möglich selbstbestimmt, eigenständig und aktiv zu bleiben“, betont der Minister, Mitglied der SHO. Immerhin sind 1,2 Millionen Hessen über 65 – Tendenz steigend. Eine weitere Zahl verpflichte zu vernünftiger Sozialpolitik. Landesweit seien 250.000 Menschen pflegebedürftig, drei Viertel würden zu Hause betreut. Daher müssten Belange von Senioren stärker berücksichtigt werden. „Darüber hinaus ist das freiwillige Engagement Älterer zu fördern. Ihre Fähigkeiten sollen stärker genutzt werden, um weitere Initiativen aufzubauen und nachbarschaftliches Engagement zu anzuschieben.“ Er werde nicht ruhen, das SHO-Modell überall im Land als nachahmenswert zu preisen. „Vor allem im ländlichen Raum haben wir Nachholbedarf.“

Die Seniorenhilfe erfülle, was Familie, Freunde und Nachbarn leisteten. Tagesausflüge, Theaterbesuche, Mal- und Singkreise oder Stammtische organisiere sie. Begleitung zu Arztbesuchen und Behördengängen, Besuchsdienste, Übernahme von Einkäufen und Reparaturarbeiten seien weitere rühmliche Merkmale. „All das geht nicht ohne engagierte Menschen, die bereit sind, einen großen Teil ihrer Freizeit dafür einzusetzen“, lobt OB Schneider. „Mir ist es deshalb ein Bedürfnis, gleich vier Personen auszuzeichnen, die sich auf diesem Feld vorbildhaft hervorgetan haben.“

Pflegekurse erleichtern die Versorgung der Lieben

Für ihr Engagement wird zunächst der Unternehmerin Ursula Ölcer die Bürgermedaille in Bronze der Stadt zuerkannt. Die gebürtige Frankfurterin ist SHO-Gründungsmitglied und gesellschaftlich aktiv. Dann erhält Sybille Buchheim die Rathausmedaille. Die 82-Jährige zählt zu den Mitgliedern der ersten Stunde und hat mehrere Jahre die Geschicke des Vereins gelenkt. Auch schrieb sie mit Hildegard Lotz den Text zum Lied. Almuth Schwanz und Ingeborg Schmidt erhalten diese Auszeichnung für ebenfalls vielfältiges Engagement.

Das neunköpfige Büroteam wird mit Geschenken bedacht, etwa von Reinhard Knecht, Leiter Referat Ehrenamt. Grußworte der Stadtverordnetenvorsteherin Sieglinde Nöller, des aktuellen Sozialdezernenten Felix Schwenke und des früheren Matthias Mann bekräftigen den hohen Stellenwert der Seniorenhilfe. Denn die Kommune könnte ein so breitflächiges Angebot weder organisieren noch finanzieren.

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