Hohes Soul-Potenzial

James Morrison stoppt auf Tour im Capitol

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Der 32-jährige Mann mit der Reibeisen-Stimme aus dem britischen Rugby hat mehr in petto als süße Schmuse-Balladen.

Offenbach - Der sympathische Soul-Man mit der schönen Reibeisen-Stimme ist wieder da. Und besser denn je. Nach ausgiebiger Kreativpause meldet sich James Morrison mit taufrischem Album und ganz starken Songs zurück. Von Peter H. Müller

Beim Stopp seiner „Higher than Here“-Tour im berstend vollen Capitol macht der smarte Brite eindrucksvoll deutlich, dass er viel mehr in petto hat als süße Schmuse-Balladen. Seine Fans, vorwiegend jung, weiblich, textsicher, sind hellauf begeistert. Mit diesem Namen und den reflexartigen Assoziationen an Van oder Jim dürfte es sowieso nie ganz leicht gewesen sein im Pop-Geschäft. Nun hat James Morrison aber auch noch ziemliche düstere persönliche Zeiten hinter sich bringen müssen - als Spross einer eher desolaten Familie im rau klingenden Städtchen Rugby. Dennoch hat er es vom Straßen- und Kneipenmusiker an die Spitze der britischen Charts und international in die Champions League geschafft.

Anno 2011, gerade war sein Album „The Awakening“ raus, kam dann die Pause: Morrison tauchte ab. Um nun sein Comeback auf der Tour-Bühne zu feiern. Gut so, darf man nach seiner großartigen Offenbach-Visite jubeln. Noch besser, dass er uns künftig mit Sam Smith, Ed Sheeran, James Bay und co. nicht alleine lässt. Denn der inzwischen 32-jährige Brite ist, bei aller Wertschätzung für die Kollegen, wenn nicht das Original dann zumindest der Mann mit dem souligsten Singer-/Songwriter-Potenzial. Sein umjubelter Capitol-Gig, den er mit bewährten „Oldies“ wie „Under the Influence“ (2006), „Nothing ever hurt like You“ (2008) und der wunderbaren Ballade „I won´t let You go“ (2011) eröffnet, ist jedenfalls großes Gefühlskino - ohne gleich zur Schnulzen-Hitparade zu gerinnen. Das liegt zum einen daran, dass seine Stücke live, mit auf den Punkt spielender Band und zwei entzückenden Backvocal-Sängerinnen, kraftvoller tönen - zum anderen hat er mit „Higher than Here“ ein Album an den Start gebracht, das kantiger, dunkler groovend, vielleicht sogar aggressiver klingt als alle Vorgänger.

Bilder: James Morrison im Offenbacher Capitol 

Die Botschaft, nicht mehr „nur“ in der Schublade „Schmusepoet“ stecken zu wollen, scheint klar. Ein Schlüssel-Song dazu: „Demons“, in dem er vor urbanen Beats alle Dämonen der Vergangenheit abarbeitet. Eine andere emotionale Gratwanderung: das bis zum Finale aufbewahrte Titelstück „Higher than Here“, in dem es um den alkoholkranken Vater geht, und darum, dass er, James, sich eben nicht in diesen Abgrund hat ziehen lassen.

Überhaupt hat Morrison so Einiges zu erzählen. Nur fällt das Dechiffrieren seines vertrackten Rugby-Akzents im Konzert-Trubel nicht so leicht. Immerhin dringt durch: Für „Slave to the Music“, der zwar eher nach Stevie Wonder schmeckt, soll es sogar Tipps vom „King of Pop“ höchstselbst gegeben haben. Andererseits: „If you don´t wanna love me“ tönt auch ohne Tipps von Michael Jackson so grandios soulig-sexy, als sei Otis Redding gerade wieder auferstanden. Großer Applaus.

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