Japan-Ausstellung in Offenbach

Von Samurai bis Dalai Lama

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Bei der Eröffnung erläutert Direktor Dr. Christian Rathke den Gästen, darunter Oberbürgermeister Horst Schneider, die Exponate der Tibet-Abteilung.

Offenbach - Ledergewinnung und Lederverarbeitung aller Zeiten und aller Völker: Nicht weniger will das Ledermuseum dokumentieren. Diesem globalen Auftrag aus der 95 Jahre alten Satzung ist das Haus an der Frankfurter Straße 86 ein großes Stück näher gekommen. Von Markus Terharn

Dafür galt es erst die Voraussetzungen zu schaffen. „Durch geschicktes Ausnutzen der allerletzten Freiräume im bestehenden Gebäude“, so Oberbürgermeister Horst Schneider, „konnten etwa 500 Quadratmeter Ausstellungsfläche hinzugewonnen werden.“ Der OB, zugleich Senatsvorsitzender des DLM, lobte „findige Architektur“ und „eigene Kreativität“ der Mitarbeiter.

Im zweiten Stock profitiert davon die Asien-Abteilung. Hausherr Dr. Christian Rathke hat sie um einen zentralen China-Raum konzipiert. Die Idee: Geografisch und historisch gruppieren sich verschiedene Kulturen rund um das Reich der Mitte. Dies soll räumlich erfahrbar sein.

Japan-Ausstellung im Ledermuseum

So prächtig verzierten tibetische Nomaden ihre Reisetaschen.

Die Japan-Ausstellung im Offenbacher Ledermuseum entstand bereits 1917 bei der Gründung. Nun wird sie wiederbelebt: Mit einer neuen Tibet-Sammlung.

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Im Fall Nippons ist das bereits möglich. Bei der Eröffnung präsentierte Rathke den Besuchern Lamellenpanzer und Helme, Sättel und Waffen der Samurai. Die Schutzausrüstung eines Feuerwehrmanns wetteifert mit Gebrauchsgegenständen wie Lackdosen aus Rochenleder, Accessoires für Pfeifenraucher aus geprägter und bemalter Tierhaut sowie einer Mustersammlung ornamentierten Hirschleders.

„Ganz besonders hilfreich“ nennt Rathke die Einbindung eines kundigen Praktikanten. Japanologe Jörg Ebenschwanger hat erstmals die Farbholzschnitte richtig identifiziert, die das Leben der Frauen in einer von Männern dominierten Welt zeigen, und Kommentare dazu verfasst. „Und das ehrenamtlich“, wie der Direktor betont. Gern würde er den 33-Jährigen als Volontär beschäftigen. Mindestens bis zur Eröffnung der China-Abteilung im April 2013 bleibt Ebenschwanger, der Japanologie im Haupt-, Sinologie und Ethnologie im Nebenfach studiert hat und an seiner Dissertation sitzt, dem Haus erhalten.

Zusammenhänge verdeutlichen

Im Japan- wie im Tibet-Kabinett ist ein Problem gelöst, das Rathke so skizziert: „Es wurden Einzelstücke gesammelt, die schön waren, aber nichts miteinander zu tun hatten.“ Aufgabe von Kuratoren ist es, Zusammenhänge zu verdeutlichen.

Zum Beispiel zwischen der nomadischen Lebensweise der Tibeter und den Koffern, Truhen, Schatullen oder Beuteln, die sie bei Pilgerreisen, Handelskarawanen oder Herdenauftrieb mit sich führten. Oder 1951 bei der Flucht ins indische Exil, bei der die Mutter des Dalai Lama auf einem prächtigen weißen Sattel geritten sein soll, den das Ledermuseum besitzt.

Dank geht an Gönner und Mäzene

Dank geht an Gönner und Mäzene, die manche Anschaffung ermöglicht haben. Sowie an die Restauratorinnen Jutta Göpfrich und Nina Frankenhauser, die alle Exponate in einen ausstellungsreifen Zustand versetzt haben.

Dem Praktikanten Ebenschwanger verdankt sich ein originelles Andenken an den Museumsbesuch: Für sechs Euro bietet die Geschenkboutique einen Bastelbogen feil, den Rathke im Internet entdeckt hat. Dem Japanologen gelang der Nachweis des Künstlers und des Entstehungsjahrs 1888. Außerdem fand er heraus, dass der Bogen nicht etwa eine Familie abbildet – sondern einen berühmten Kabuki-Theaterdarsteller mit zwei Adoptivsöhnen, von denen einer als Frau geschminkt ist. Das DLM erwarb die Rechte, der Käufer darf die Schere anlegen.

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