Jazz-Matinee im Büsingpalais

Gemeinsamkeit erleben

+
Nicht nur der Jazz auf der Bühne lockte. An den Ständen im Büsinghof herrschte Andrang, gerne durften Käufer auch mehr als den eigentlichen Preis zahlen.

Offenbach - Schüler, Lehrer und Eltern, Ehemalige und viele Gäste ließen sich bei der 24. Jazz-Matinee im Innenhof des Büsingpalais bestens unterhalten. Dazu gab es Lob vom Minister. Von Harald H. Richter 

Auf neun Metern Länge reiht sich – vorschriftsmäßig hinter Spuckschutz – eine Schüssel an die nächste, gefüllt mit kulinarischen Köstlichkeiten aus aller Herren Länder. „So viel misst das Salatbüffet mindestens“, glaubt Stefani Balonier zu wissen, „und bei Bedarf können wir anbauen. “ Sie freut sich darüber, dass inmitten allen Festtrubels spendenfreudige Eltern unaufhörlich Nachschub herbeibringen. Die gleiche Situation ist an der Kuchenbar nebenan zu beobachten.

Die Lehrerin für Kunst und Deutsch am Leibniz-Gymnasium hilft auch diesmal nach Kräften mit beim gemeinsamen Fest, das ihre und die Fröbelschule im Innenhof des Büsingpalais stemmen. „Seit es die Jazz-Matinee gibt, bin ich dabei, also 24 Jahre“, erzählt die Pädagogin. „Und es ist immer wieder ein schönes Gefühl zu erleben, mit welcher Freude und Begeisterung die Schüler sämtlicher Jahrgänge bei der Sache sind.“ Auch diesmal hat der Erfolg dieses publikumswirksamen Events im Rahmen des Partnerprojekts von Gymnasium und Förderschule viele Väter, Mütter, Söhne und Töchter. Erwähnung finden neben den Kollegien und Schülern vor allem die Elternschaft, der Förderkreis um Thomas Frühauf und Detlef Kohsow sowie die musikalischen Programmgestalter beider Schulen, denen eine Bühne bereitet ist.

Kinder und Jugendliche legen sich ins Zeug

Wiederum unverzichtbar sind Gönner aus dem Wirtschaftsleben. So hat sich im 100. Jahr seines Bestehens das mittelständische Unternehmen Walter Verpackungen aus Bieber als Hauptsponsor gewinnen lassen, hebt Detlef Kohsow bei der Eröffnung hervor und richtet seinen Dank an Geschäftsführer Roland Walter.

Gleichsam anerkennend äußert sich Hessens Kultusminister Professor Alexander Lorz. „Das Partnerprojekt der zwei Schulen steht als nachahmenswertes Beispiel für Solidarität und gelebte Normalität.“ Bereits zu einem Zeitpunkt, als das Wort Inklusion nur die wenigsten gekannt hätten, seien Aktivitäten des gemeinsamen Lernens und Erlebens entwickelt und in überzeugender Weise an nachfolgende Jahrgänge weitergegeben worden.

Nicht nur Christoph Dombrowski, langjähriger Schulleiter des Leibniz-Gymnasiums, hört das gern. Für Ruth Steinheimer bedeutet die aktuelle Auflage der Jazz-Matinee etwas Besonderes. Als kommissarische Rektorin der Fröbelschule wirbt sie erstmals in dieser Funktion für das Anliegen, Menschen mit und ohne Beeinträchtigung selbstverständlich zusammenzubringen, und ist beeindruckt von der Resonanz, die das Ereignis in der öffentlichen Wahrnehmung findet.

Unterdessen legen sich Dutzende Kinder und Jugendliche ins Zeug, verkaufen Lose, ermuntern zum Glücksraddrehen oder Torwandschießen für den guten Zweck, stellen Ergebnisse aus ihren Unterrichtsprojekten vor.

Jazz-Matinee im Büsingpalais (2011)

Jazz Matinee im Büsingpalais

Die letztjährige Klasse M4 der Fröbelschule etwa hat mit Lehrer Marc Rupp eine hölzerne Kugelbahn gebaut. Vor ihr verfolgt der elfjährige Leo, wie sein kleiner Spielball die zehn Schrägen hinabrollt und im richtigen Auffangbehälter landet.

Bei Julia und Til am Stand der Leibniz-6G sind Loom-Bändchen der Renner. „Wir knüpfen sie ganz nach Wunsch entweder in schrillen Neonfarben oder in dezenten Tönen.“ Auch hier gilt: Wer etwas kauft, darf gern mehr als den eigentlichen Preis zahlen. Ohnehin schwärmen unentwegt Mädchen und Jungen aus und werben um Spenden. Auch dort, wo alkoholfreie Cocktails gemixt, eine zünftige Brotzeit angepriesen oder süße Pfannkuchen gebacken werden, füllen sich die Spendendosen.

Wer nach so vielen verführerischen Gaumenfreuden meint, zur Gewissensberuhigung etwas für die Figur tun zu müssen, versucht sich am Ergometer, wo Heike Bender mit etlichen Jugendlichen die Werbetrommel fürs Mitmachen in der Ruder-AG der Leibnizschule rührt. Die hat ihre sportliche Heimat bei der SG Wiking und trifft sich wöchentlich.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare