Fröbel- und Leibnizschule begehen ihr Schulfest

Jazz-Matinee: Zeichen gegen Ausgrenzung

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Bei der Soiree zur Matinee, moderiert von Radiofrau Evren Gezer, erklang Musik der Neuen Philharmonie Frankfurt, der Jazzsession Offenbach mit Axel Kemper-Moll und der Rhein-Main-Vokalisten von Jürgen Blume.

Offenbach - Diesmal ist es ein Jubiläum, ein klassisches sogar. Deshalb gibt es reichlich Klassik, allerdings erst am Abend. Von Harald H. Richter 

Tagsüber gehört der Büsinghof den Mädchen und Jungen des Leibniz-Gymnasiums und der Fröbelschule zur Feier von 25 Jahren Jazz-Matinee und der Festigung der zwischen ihren Bildungseinrichtungen bestehenden Projektpartnerschaft. Stefan Grüttner würdigt die Partnerschaft in seiner Rede. Der Sozialminister erinnert zugleich daran, dass zeitgleich in Wiesbaden die Gründung des Bundeslandes Hessen vor 70 Jahren gefeiert wird. „Ich bin aber lieber hier her gekommen, wie auch schon in den 24 Jahren zuvor“, bekräftigt er seine Verbundenheit zu den Lehranstalten. Der Jubiläen aber nicht genug. Die Fröbelschule für behinderte Kinder mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung freut sich mit Leiterin Ruth Steinheimer über ihr 50-jähriges Bestehen und die Aussicht auf bald mehr Platz in einem Neubau.

Bei der traditionellen Jazz-Matinee präsentierten die Schüler im Büsinghof unter anderem Getöpfertes.

Leibniz-Schulleiter Christoph Dombrowksi und Detlef Kohsow vom Förderverein äußern sich dankbar, dass die durch Hubert Graf vertretene Sparkasse Offenbach als aktueller Hauptsponsor mit dazu beiträgt, ein hochkarätiges Programm zu ermöglichen. Zugleich werden mit Hans-Jörg André, Klaus Hansen, Dr. Thomas Lanio und Dr. Frank Schlömer vier Persönlichkeiten geehrt, die sich auf unterschiedliche Weise um die Partnerschaft verdient gemacht haben. Ihnen heftet Dombrowski Leibniz-Ehrennadeln in Gold ans Revers. Dann aber gehören anderen Handelnden die – und auch das ist eine Besonderheit – zwei Bühnen, die abwechselnd bespielt werden. Die Bands der Schulen treten auf, zwischendurch gibt es eine Tanz-, Rhythmus- und Bewegungseinlage der von Christiane Weiser betreuten Fröbel-Boygroup. Später präsentiert die Jazz-Bigband der Musikschule Offenbach Auszüge ihres Repertoires.

An den ringsum aufgestellten Ständen herrscht Andrang, zumeist wird Kulinarisches gereicht. „Wir haben internationale Süßspeisen im Angebot“, verrät Mathilda aus der 6b und offeriert mit Klassenkameraden serbischen Käsekuchen, griechischen Karioka und in ziemlich scharfem Kontrast pakistanische Maultaschen. So lange wie es die Jazz-Matinee gibt, steht Lehrerin Stefanie Balonier hinter der Kuchentheke der Leibniz-Schule. „Das werde ich wohl bis zum Ruhestand tun“, sagt sie schmunzelnd. Am Stand daneben gibt es, da man nicht zeitgleich auf dem Münchener Oktoberfest sein kann, Weißwürste und Butterbrezeln. Überall im Innenhof sind Kinder mit Tabletts unterwegs, bieten Fingerfood und alkoholfreie Cocktails.

Bilder: „25 Jahre Jazz-Matinee“ im Büsingpalais

Doch es wird nicht nur geschlemmt. Die Fröbelschule zeigt Ergebnisse aus dem Unterricht, etwa Pflanzen aus eigener Anzucht sowie selbstgetöpferte Vasen, Schalen und andere Gefäße. Sämtliche Verkaufserlöse fließen in die Finanzierung weiterer Aktivitäten der Gymnasiasten und ihrer gleichaltrigen Partnerschüler mit Handicap, um einmal mehr Zeichen gegen Ausgrenzung zu setzen. Beinahe wären diese Aktivitäten niederschlagsfrei über die Bühne gegangen, dann aber öffnet der Himmel Schleusen. Zur Abendveranstaltung sind freilich alle Sitzplätze abgetrocknet.

Vor Hunderten Gästen eröffnen Axel Kemper-Molls Acoustic Odyssee sowie Streichorchester der Neuen Philharmonie Frankfurt unter Jürgen Blume und Soloviolinist Ralf Hübner mit einer Crossover-Version von Vivaldis „Sommer“ aus dem Zyklus Vier Jahreszeiten das anspruchsvolle Programm, wozu auch die Rhein Main Vokalisten beitragen. Das ist von durchaus ungewöhnlichen Arrangements geprägt, was sich etwa bei Cora Brunners Saxofon-Solo der Arie der Alminera aus der Oper Rinaldo oder auch bei der von Axel Kemper-Moll während eines Juist-Urlaubs inspirierten Eigenkomposition „Juist Valse“ erleben lässt.

Die gebürtige Aschaffenburgerin Jessica Born, die sich durch ihren ausdrucksstarken Gesang als Jazz-, Blues-, und Soulinterpretin einen Namen gemacht hat, überzeugt ebenso wie die von Moderatorin Evren Gezer als Special Guest annoncierte Felicia Taylor. Auf Barbados geboren, liegen ihr Reggae, Calipso und Gospel im Blut. Sie profiliert mit starker stimmlicher Präsenz und vermag nicht nur als Solistin, sondern auch mit den anderen Künstlern zu überzeugen. Der Auftritt aller beschließt einen würdigen Jubiläumstag, der wiederum einen erklecklichen Spendenbetrag in die Kasse des Partnerschaftsprojekts fließen lässt.

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